Liebe Besucherinnen und Besucher,
aufgrund unseres Sommerfestes sind wir am 03. September 2026 bis 14 Uhr erreichbar. Am 04. September 2026 sind wir wieder wie gewohnt für Sie da. Vielen Dank für Ihr Verständnis.
Ihr Team von Sack Fachmedien
E-Book, Deutsch, 319 Seiten, Web PDF
Scheufele / Haas Medien und Aktien
1. Auflage 2008
ISBN: 978-3-531-91018-5
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Theoretische und empirische Modellierung der Rolle der Berichterstattung für das Börsengeschehen
E-Book, Deutsch, 319 Seiten, Web PDF
Reihe: Humanities, Social Science (German Language)
ISBN: 978-3-531-91018-5
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Vor der Jahrtausendwende kletterten die Börsen-Indizes weltweit in enorme Höhen. Anfang 2000 erreichten die deutschen Indizes ihre bis dahin höchsten Notierungen: Der DAX stand im Februar 2000 bei über 8.000, der NEMAX - gar bei über 8.500 Punkten. Parallel dazu waren immer neue Titel zum Börs- geschehen und Aktienhandel auf den Zeitschriftenmarkt geworfen worden. Denn spätestens mit dem Börsengang der so genannten „Telekom-Volksaktie“ schien auch in Deutschland jeder Kleinanleger mit etwas Glück ordentliche Gewinne am Aktienmarkt erzielen zu können. Die diversen Anlegermagazine, Börsensendungen im Fernsehen und Finanzportale im Internet lieferten sche- bar die dafür notwendigen Informationen und Anlagetipps. Der Optimismus fand allerdings ein drastisches Ende, als die lang anhaltende Hausse im Februar 2000 ihren Höhepunkt erreichte und ab März 2000 – vor allem nach der Ver- fentlichung so genannter ‚Todeslisten‘ namhafter Analystenhäuser – der teilw- se deutliche Einbruch kam. Er holte z.B. den fundamental nicht vertrauensw- digen Shooting-Star EM.TV von dessen überzogenem Kursstand auf nur wenige Euro am Jahresende zurück. Unsere Untersuchung zielt nicht auf Erklärungen für Hausse- und Baisse- Phasen an den Börsen oder auf die Gründe für das Platzen der ‚Internet-Blase‘.
Zielgruppe
Research
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Finanzwissenschaftliche Überlegungen.- Kommunikationswissenschaftliche Überlegungen.- Forschungsfragen.- Untersuchungsanlage.- Ergebnisse.- Zusammenfassung und Schlussfolgerungen.- Literatur.
3 Kommunikationswissenschaftliche Überlegungen (S. 79-80)
Nach den finanzwissenschaftlichen Grundlagen geht es nun um kommunikationswissenschaftliche Überlegungen. Unsere Untersuchung fragt nach dem Zusammenhang zwischen der Medienberichterstattung einerseits und den Aktienkursen bzw. Handelsvolumina ausgewählter deutscher Unternehmen andererseits. In diesem Kapitel gehen wir zunächst auf Angebote und Nutzung der Wirtschafts- und Börsenberichterstattung ein. Danach diskutieren wir mögliche Wirkungen der Wirtschafts- und Börsenberichterstattung in volkswirtschaftlicher, vor allem aber in finanzwissenschaftlicher Hinsicht.
3.1 Wirtschaftsrelevante Angebote und deren Nutzung
Die Finanz- und Wirtschaftsberichterstattung ist entweder ein redaktioneller Teil oder der alleinige Gegenstand einer Vielzahl von Angeboten im Rundfunk, in Tages- und Wochenzeitungen, in Publikumszeitschriften und inzwischen auch verstärkt im Internet. Aufgrund der hohen Komplexität des Themas dominiert jedoch noch die Berichterstattung in Printmedien (vgl. Heinrich & Moss, 2006: 19). Wir stellen zunächst die Entwicklung, Angebote und Inhalte, anschließend empirische Befunde zur Nutzung bzw. zu Nutzern vor.
3.1.1 Entwicklung, Angebote und Inhalte
Zu einem regelrechten Boom mit einer deutlichen Ausweitung der Wirtschafts- und Finanzberichterstattung kam es Ende der 1990er Jahre (vgl. Mast, 2003: 280). Getragen wurde diese Entwicklung hauptsächlich durch das Börsengeschehen. In Folge des Börsengangs der ‚Deutschen Telekom‘ im Jahr 1996 waren viele Bürger erstmalig mit der Anlageform ‚Aktie‘ in Berührung gekommen. Die rasante Kursentwicklung in den folgenden Jahren dürfte ebenfalls dazu geführt haben, dass die Zahl der Aktionäre und Fondsbesitzer in Deutschland zwischen 1996 und 2001 von 5,6 auf 12,9 Millionen angestiegen war.
Bis 2004 sank sie auf 10,5 Millionen, hält sich aber seitdem auf diesem Niveau.50 Das hat sicherlich mit dazu beigetragen, dass die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung und das Geschehen an der Börse immer mehr Menschen interessieren. Aktien- Tipps, Branchen-Reports und die Aussicht auf Kursgewinne haben auch in der Wirtschaftsberichterstattung an Bedeutung gewonnen (vgl. Schuster, 2000, 2001). Zugleich stiegen auch die Werbeeinnahmen der Wirtschaftspresse deutlich an (vgl. Mast, 2003: 280). Der März 2000 markierte dann zumindest an den Börsen einen deutlichen Wendepunkt.
Nach einer lang anhaltenden Hausse folgte eine Phase deutlicher und nachhaltiger Kurskorrekturen. Die Geschäftsmodelle einiger bisheriger Vorzeigeunternehmen der New Economy entpuppten sich als wenig solide, die Kurse fielen zum Teil ins Bodenlose und die Depotwerte vieler Anleger folgten ihnen. Die Terroranschläge vom 11. September 2001 verstärkten die negativen Erwartungen. Die Auflagen der Wirtschaftsmedien brachen ein, manche der neuentstandenen Angebote verschwanden komplett wieder vom Markt und auch die Werbeeinnahmen gingen deutlich zurück. Nach einer Phase der Konsolidierung existiert heute jedoch ein – im Vergleich zu der Zeit vor der beschriebenen Börseneuphorie – deutlich gewachsenes und auf einzelne Zielgruppen zugeschnittenes Angebot wirtschafts- und börsenrelevanter Informationen in unterschiedlichen Medien.




