Schmitt | Entsetzliche Wut | E-Book | sack.de
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E-Book, Deutsch, 252 Seiten

Schmitt Entsetzliche Wut


1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7557-0433-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 252 Seiten

ISBN: 978-3-7557-0433-1
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Clemens Hofstädter ist gerade dabei, seine Zelte in Deutschland abzubrechen und zu seiner Tochter Susanne nach Spanien auszuwandern, als sein wohl geplantes Leben völlig aus den Fugen gerät. Seine Geliebte Rosi erpresst ihn mit brisantem Wissen aus seiner Vergangenheit, von dem seine Tochter bisher nichts ahnt und auch nichts erfahren darf. In blinder Wut erschlägt er Rosi in ihrer Wohnung und verwischt seine Spuren. Während er noch zweifelt, ob das ausreichen wird, um ihn vor dem Gefängnis zu bewahren, spielt ihm der Zufall eine unerwartete Lösung für sein Problem in die Hände. Doch wird sich die Mannheimer Polizei davon täuschen lassen?

Rolf Schmitt ist 1958 in Mannheim geboren. Der ehemalige Bankbetriebswirt ist verheiratet, hat drei Kinder und zwei Enkelkinder. Er lebt mit seiner Frau in Heddesheim im Rhein-Neckar-Kreis. Zu seinen Hobbies zählen Golf, Kochen und Schreiben.

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Kapitel 5
Nachdem Clemens Rosis Wohnung betreten hatte, hängte er Mantel, Hut und Schal an der Garderobe auf. Dann ging er zum Esstisch und setzte sich unaufgefordert und wortlos auf einen der Stühle. Wie üblich, war der Tisch bereits gedeckt. Auf der Tischdecke aus schneeweißer Baumwolle standen eine bunt geblümte Kaffeekanne, die den Duft des frisch aufgebrühten Kaffees verströmte, zwei dazu passende Kuchenteller und Kaffeetassen, eine Zuckerdose und ein Milchkännchen im gleichen Design. Eine drehbare Tortenplatte mit einem Apfelkuchen mit Mohn und Streuseln darauf, die Kuchengabeln, die Papierservietten und eine kleine Glasschüssel mit Schlagsahne vervollständigten das Kaffeeplausch-Ensemble. Doch das gewohnte Bild konnte nicht über die Spannung hinwegtäuschen, die sich seit dem letzten Besuch zwischen Clemens und Rosi aufgebaut hatte. Rosi war sich wohl bewusst, dass bei diesem Besuch etwas vorgefallen war, das die eigentlich gute Beziehung zwischen ihnen beenden würde, was sie bedauerte. Aber ihr war auch klar, dass ihr Freund bald für immer nach Spanien verschwinden und für sie eine Geldquelle versiegen würde. Deshalb musste sie versuchen, das Beste für sich herauszuschlagen, ob es Clemens passte oder nicht. Darauf wollte und konnte sie keine Rücksicht nehmen. Sie dachte nur noch daran, sich für später ein zusätzliches finanzielles Polster zu schaffen. »Hast du über meinen Vorschlag nachgedacht?«, fragte sie, als sie an den Tisch trat und ihm eine Tasse Kaffee einschenkte. »Vorschlag nennst du das? Ich würde dazu eher Erpressungsversuch sagen«, erwiderte Clemens barsch. Rosi schenkte sich auch ein, schnitt mit dem Kuchenmesser zwei Stückchen des selbst gebackenen Kuchens ab und legte sie auf die Teller. »Eigentlich habe ich gar keine Lust, mit dir am Tisch zu sitzen und Kaffee zu trinken, aber es muss wohl sein. Wir müssen die Sache besprechen und abschließen«, sagte Clemens. »Ich weiß, dass du später mal jeden Pfennig gebrauchen kannst, aber die Art und Weise, wie du mir das Geld abknöpfen willst, gefällt mir ganz und gar nicht. Wir hatten eine schöne Zeit, und ich hab dir nie verschwiegen, dass ich eines Tages an die Costa Blanca auswandern werde. Jetzt ist es bald so weit, und du willst mich noch schnell abzocken.« Rosi nickte nur verlegen und beide fingen eher lustlos zu essen an. Clemens hatte Rosi 1987 während der Scheidung von seiner zweiten Frau kennengelernt. Der in Süddeutschland zu den besten Anwälten im Bereich Familienrecht zählende Heidelberger Rechtsanwalt, Dr. Klaus von Kesselbring, hatte Clemens in der Scheidungssache »Hofstädter gegen Hofstädter« vertreten. Roswitha war damals schon als Empfangsdame in der Kanzlei Klaus von Kesselbring & Partner beschäftigt gewesen. Ihre Anstellung erfolgte keineswegs aufgrund ihrer fachlichen Qualifikation, die schlichtweg nicht vorhanden war, sondern wegen des Zeitdrucks, in dem sich die Kanzlei nach der fristlosen Kündigung der bisherigen Empfangsdame befunden hatte. Der Arbeitsplatz musste schnellstmöglich neu besetzt werden. Rosi hatte sich nach ihrer gescheiterten Modelkarriere und ihren erfolgreich durchgeführten Suchttherapien mit Kellnern in eher drittklassigen Restaurants und mit diversen Aushilfsjobs als Lagerarbeiterin in Billigmärkten, Einrichtungshäusern und Speditionen über Wasser gehalten. Ohne Festanstellung war sie deshalb für die Halbtagsstelle sofort verfügbar. Und von Kesselbring dachte sich, dass ein attraktives Gesicht am Empfangsplatz der Rechtsanwaltskanzlei nicht schaden könne. Dass Rosi das aufgrund ihrer fehlenden Fachkenntnisse unterdurchschnittliche Gehaltsangebot der Kanzlei ohne Umschweife akzeptierte, tat sein Übriges. Sie war froh, neben ihrer dubiosen Nebentätigkeit als gelegentliches Callgirl endlich einen seriösen Arbeitsplatz gefunden zu haben. Ihr Doppelleben war niemandem bekannt, mit Ausnahme der drei bis vier zahlungskräftigen Herren, die Rosis speziellen Dienste regelmäßig in Anspruch nahmen. Bei jedem seiner Besuche in der Anwaltskanzlei unterhielten sich Clemens und Rosi einige Minuten über eher belanglose Themen. Ein intimerer Kontakt kam damals nicht zustande, was Clemens zu diesem Zeitpunkt auch gar nicht beabsichtigte. Er wollte einfach nur höflich sein und die zwanglosen Unterhaltungen mit der attraktiven Frau heiterten ihn jedes Mal auf, zumal ihn die bevorstehende Scheidung psychisch belastete, mehr als ihm damals lieb war. Erst ein Jahr später, nachdem das Gerichtsurteil längst gefällt war und er daher die Kanzlei zu Unterredungen mit seinem Anwalt nicht mehr aufsuchen musste, traf er Rosi bei Einkäufen in der Mannheimer Fußgängerzone zufällig wieder. Spontan lud er sie zu einer Tasse Kaffee in ein kleines Bistro in der Innenstadt ein. In der Zeit danach gab es noch einige Verabredungen und als Clemens ihr körperlich näherkommen wollte, machte Rosi erste Andeutungen über ihren Nebenjob und gab ihm unmissverständlich zu verstehen, dass gewisse Dinge, die über Kaffeetrinken und Essengehen hinausgingen, nicht unentgeltlich für ihn sein würden. Sie bot ihm an, sich künftig bei ihr zu Hause zu treffen. Dann würde sie ihm für ein bis zwei Stunden alles erfüllen, was er sich von ihr wünschte. Clemens war zunächst etwas irritiert, aber er verstand sofort und war dieser Art von Beziehung keinesfalls abgeneigt. Seither trafen sie sich alle vierzehn Tage in Rosis Wohnung und er lernte dadurch die Vorzüge eines losen Verhältnisses ohne weitere Verpflichtungen zu schätzen. Schließlich fasste er den Entschluss, in seinem künftigen Leben keine feste Beziehung mehr eingehen zu wollen. Rosi hatte bereits ihr Stückchen Apfelkuchen vollständig verzehrt und wischte sich mit der Serviette über den Mund, während Clemens nur die Hälfte seines Kuchenstücks aufgegessen hatte und, etwas lethargisch wirkend, im restlichen Teil auf dem Teller herumstocherte. »Als ich das letzte Mal hier weg bin, hast du mir gesagt, du willst zwanzigtausend Mark von mir, damit du stillhältst«, sagte er mit zittriger Stimme. »Ich denke, das ist ein angemessener Betrag, wenn du nicht willst, dass dein geliebtes Töchterlein erfährt, was ihr Papa so treibt.« »Das kannst du mir nicht antun. Wir hatten doch eine schöne Zeit, die für dich auch noch äußerst lukrativ war«, antwortete Clemens immer gereizter. »Ich tu dir das ja auch nicht an. Du musst nur zahlen, und deine Tochter wird nie erfahren, dass sich ihr Vater mit Nutten herumtreibt. Deinem Schwiegersohn in spe wird das bestimmt auch nicht in den Kram passen, wenn das rauskommt. Außerdem hast du genug Geld und wirst wahrscheinlich gar nicht merken, wenn dir zwanzigtausend Mark im Geldbeutel fehlen. Und in ein paar Wochen gehst du sowieso für immer nach Spanien, dann siehst du mich nie wieder.« »Das stimmt schon, aber selbst wenn ich jetzt zahle, wer sagt mir denn, dass du in einem halben Jahr nicht plötzlich in Spanien auftauchst und noch mehr verlangst?« »Gute Idee, da bin ich selbst noch gar nicht draufgekommen«, entgegnete Rosi süffisant. »Wenn ich’s mir recht überlege, weiß ich noch viel mehr über dich. Schließlich hast du dich oft genug bei mir ausgeheult und mir deine früheren Gewaltausbrüche gegenüber deinen Verflossenen gebeichtet. Wenn ich deiner Tochter erzähle, dass du ihre Mutter geschlagen hast, dann kannst du gleich zu Hause bleiben und brauchst gar nicht erst zu ihr nach Spanien zu gehen. Sie wird dich dafür hassen. Das müsste dir eine Extrazahlung wert sein, wenn ich dieses brisante Geheimnis für mich behalte.« Clemens war fassungslos. Wahrscheinlich hätte seine Tochter noch verkraften können, wenn sie erfahren hätte, dass er sexuelle Dienstleistungen gegen Bezahlung in Anspruch nahm, also mit »Nutten rummachte«, wie es Rosi treffend nannte. Aber sie hätte ihm nie verziehen, wenn sie dahintergekommen wäre, dass er ihrer Mutter, seiner ersten Frau, Gewalt angetan hatte. Er hatte seine Tochter schon einmal verloren und für lange Zeit nicht sehen dürfen. Ein zweites Mal wollte er diese Erfahrung nicht machen. Langsam stieg Wut in ihm auf. Nicht um alles in der Welt wollte er seine Tochter erneut verlieren. »Das kannst du nicht machen. Du bist der einzige Mensch, dem ich die schrecklichen Dinge aus meiner Vergangenheit anvertraut habe. Die liegen schon so lange zurück. Und du weißt, dass ich nicht stolz darauf bin. Ich hätte nicht gedacht, dass du eines Tages mein Vertrauen derart missbrauchen wirst.« »Du hättest sie mir ja nicht verraten müssen«, sagte Rosi mit einer Kälte, die er so von ihr nicht kannte. »Du hast immer rumgeheult, dass es dir leidtut, aber es wäre besser gewesen, du hättest dich früher besser im Griff gehabt und gar nicht erst zugeschlagen. Frauen schlägt man nicht.« »Sei endlich still«, raunzte Clemens sie an. Allmählich wurde er immer wütender. Er fühlte sich wie ein brodelnder...



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