E-Book, Deutsch, 161 Seiten, Web PDF
Schneider / Hofer Ursachen und Wirkungen des weltweiten Terrorismus
1. Auflage 2008
ISBN: 978-3-8350-5495-0
Verlag: Deutscher Universitätsverlag
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Eine Analyse der gesellschaftlichen und ökonomischen Auswirkungen und neue Ansätze zum Umgang mit dem Terror
E-Book, Deutsch, 161 Seiten, Web PDF
Reihe: Humanities, Social Science (German Language)
ISBN: 978-3-8350-5495-0
Verlag: Deutscher Universitätsverlag
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Spätestens seit dem 11. September 2001 ist der Terrorismus weltweit in den Blickpunkt der Öffentlichkeit geraten. Es gibt heute nahezu keinen Staat mehr, der bislang von Terroraktionen verschont geblieben ist. Die Motive und Hintergründe des Terrors sind vielfältiger Natur; die Auswirkungen machen sich in fast allen Lebensbereichen bemerkbar. Mit dem verstärkten Auftreten des fundamentalistischen Terrors stieg auch die Berichterstattung in den Medien und die Fülle an Literatur aus diesem Bereich ist kaum mehr überschaubar. Es stellt sich deshalb mit Recht die F- ge, ob ein weiteres Buch über den Terrorismus überhaupt sinnvoll ist. Wir sind der Auffassung, dass gerade aufgrund dieser Informationsfülle das n- wendige Orientierungswissen für den Leser vielfach zu kurz kommt. Aus diesem Grund soll dieses Buch helfen, sich das für diese Thematik notwendige Überblickswissen anzueignen. Der Schwerpunkt wurde dabei vor allem auf die Entwicklungstendenzen, Motive sowie die gesellschaftlichen und ökono- schen Auswirkungen des Terrorismus und des Kampfes gegen den Terror gelegt. Das Phänomen des Terrorismus ist lediglich eine Erscheinungsform in unserer zunehmend komplexer werdenden Welt. Am Umgang mit dieser - sellschaftlichen Herausforderung wird in Hinkunft allerdings der Reifegrad unserer „entwickelten“ Gesellschaft gemessen werden.
Zielgruppe
Professional/practitioner
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Begriffliche Deutung und Geschichte.- Formen des Terrorismus.- Organisationsformen des Terrorismus.- Wie wird man eigentlich Terrorist? Motive und Beweggründe.- Der Kampf gegen den Terror.- Auswirkungen auf die Zivilgesellschaft.- Terrorismus und organisisierte Kriminalität —Bedrohung für die Weltwirtschaft?.- Schlussbetrachtungen.
2 Begriffliche Deutung und Geschichte (S. 17)
Bis dato gibt es seitens der Vereinten Nationen keine weltweit gültige Definition des Terrorismusbegriffs, ausschlaggebend sind vor allem unterschiedliche subjektive und moralische Sichtweisen. In Folge des Anschlages bei den Olympischen Spielen 1972 schlug der damalige Generalsekretär der Vereinten Nationen vor, dass sich die UNO aktiv im Kampf gegen den Terrorismus beteiligen sollte. Arabische, asiatische und afrikanische Staaten wandten sich gegen diesen Vorschlag mit der Begründung, dass Unterdrücker eigentlich jede Befreiungsbewegung als Terrorismus bezeichnen würden.
Kaum ein Begriff wird heute so oft und unterschiedlich verwendet wie jener des Terrorismus. Seitens der Staatsgewalt wird darunter stets etwas Negatives verstanden, etwas das unterdrückt und unschädlich gemacht werden muss. Terroristen selbst verstehen sich oft als Helden, als Befreier, für welche Gewalt letztlich das Mittel zur Erreichung einer besseren Ordnung darstellt.
Das Wort „Terrorismus" wird heute allgemein dem „Régime de la terreur" der Französischen Revolution zugeschrieben. 1793/94 wurde damit der revolutionäre Terror ausgerufen. Nach Auffassung Robbespierres wurde im Terrorismus eine Tugend gesehen - die Zerstörung eines korrupten Systems, um letztlich eine umfassende Demokratie und bessere Gesellschaft zu erlangen.
Als Methoden dienten die Einschüchterung, Verurteilung, Verfolgung und Vernichtung Andersdenkender, welche als Feinde des Volkes bezeichnet wurden. Schätzungen zufolge kamen damals rund 50.000 Menschen ums Leben. Vorläufer des Terrorismus und seiner Methoden finden wir bereits in früheren Epochen. Damals waren andere Bezeichnungen – etwa jene des Tyrannenmordes – üblich.
Hinweise darauf gibt es etwa bei Aristoteles, der hierin ein „prinzipielles Recht des Untertanen bei Unterdrückung oder Ausbeutung" sieht. Die sogenannten „Zeloten", welche zwischen 66 und 73 n. Chr. gegen die römische Besatzungsmacht kämpften, vergifteten Brunnen und Kornspeicher und nutzten die Anonymität der damaligen Märkte, um im Schutz der Menschenmassen römischen Legionären mit einem Dolch die Kehle durchzuschneiden. Ab dem 11. Jahrhundert machten die „Assassinen" von sich reden.
Als radikaler Nebenzweig der muslimisch-schiitischen Ismaelitensekte, die gegen die christlichen Kreuzfahrer kämpfte, engagierten sie sich als Meuchelmörder, welche mit vergifteten Dolchen unterwegs waren. Assassin bedeutet soviel wie „Haschischesser" und weist darauf hin, dass sich die Mitglieder dieser Sekte vor der jeweiligen Gewalttat rituell berauschten.
Die späteren Selbstmordattentäter der palästinensischen „Fedayin" sahen sich selbst als Nachfolger dieser mittelalterlichen Gruppierung und systematisierten ab den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts diese Form des Anschlags. Ihre Erfahrungen gaben sie an die Gegner des iranischen Schah-Regimes weiter. Vom 17. bis zum Ende des 19. Jahrhunderts waren es vor allem die „Thugs", welche Indien mit einer Welle von Ritualmorden heimsuchten.
Sie setzten das Rauschmittel Datura – eine Droge, welche aus einer indischen Stechapfelart gewonnen wurde – ein, um ihre der hinduistischen Göttin Kali geweihten Menschenopfer zu betäuben und zu strangulieren. Mehrere hunderttausende unschuldige Reisende wurden auf diese Art und Weise im Namen der Göttin getötet, bis es schließlich Mitte des 19. Jahrhunderts den britischen Behörden gelang, diese terroristische Sekte auszumerzen.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gewann die Theorie des Republikaners und Förderalisten Carlo Pisacane an Bedeutung. Nach seiner Theorie von der „Propaganda der Tat" ist Gewalt notwendig, um in der Öffentlichkeit Aufmerksamkeit und Interesse zu erwecken. Dadurch sollten die Massen informiert werden, sich formieren und den Weg der Revolution beschreiten.




