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Shields Der Zauber der Steine

Die Schwestern der Dunkelheit
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-641-07621-4
Verlag: Goldmann
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)

Die Schwestern der Dunkelheit

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ISBN: 978-3-641-07621-4
Verlag: Goldmann
Format: EPUB
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Ein mystischer Steinkreis, eine ewige Freundschaft und eine große Liebe – fesselnde romantische Mystery

Sommer ist eingekehrt im Internat von Wyldcliffe. Die drei magiebegabten Freundinnen Sarah, Evie und Helen hoffen auf eine ruhige, friedliche Zeit: Der böse Hexenzirkel ist besiegt, der fast sichere Untergang abgewendet. Dann trifft Velvet in Wyldcliffe ein, und Sarah spürt, dass von der neuen Mitschülerin eine dunkle Bedrohung ausgeht. Evie und Helen jedoch glauben ihr nicht – nur der junge Roma Cal, Sarahs heimliche Liebe, steht ihr noch zur Seite. Bis die Ereignisse sich überschlagen und die drei Freudinnen in einem verzweifelten Kampf gegen das Böse wieder zueinanderfinden ...

Gillian Shields hat ihre Kindheit damit verbracht, über die Moore von Yorkshire zu wandern und dabei von den Brontë-Schwestern zu träumen. Nach ihrem Studium in Cambridge, London und Paris arbeitete sie als Lehrerin an einem Mädchen-Internat und an einer Schauspielschule, die sich in einem viktorianischen Waisenhaus befand. Dort machten Gerüchte von einem Geist die Runde. Angeblich konnte man nachts ein junges Mädchen weinen hören – sicherlich eine Inspirationsquelle für die Romane von Gillian Shields. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in England.
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Eins

Das hatte ich nicht erwartet. In all dem Chaos und der Unsicherheit der vergangenen Monate hatte ich gelernt, mich selbst mit noch so seltsamen Dingen abzufinden, und ich hielt mich für abgeklärt genug, dass mich nichts mehr aus der Bahn werfen könnte.

Aber dann kam sie.

Velvet Romaine.

Natürlich hatte ich schon von ihr gehört; jeder kannte Velvet Romaine. Die schillernden Details ihres sechzehnjährigen Lebens waren durch den Blätterwald der Regenbogenpresse gerauscht. Aber ich hatte nicht erwartet, sie in der Wyldcliffe Abbey School für junge Ladys auftauchen zu sehen. Wyldcliffe ist nicht gerade die Art von Schule, die Töchter von Rockstars anzieht. Die Töchter von Herzoginnen vielleicht, aber nicht ein schrilles, rebellisches Mädchen wie Velvet, das sich gegen alles auflehnt. Und dennoch: Als ich am ersten Tag des Sommerhalbjahrs in die Abteischule kam, war sie da und sorgte für Aufsehen. Eine protzige Limousine hatte vor dem altehrwürdigen gotischen Gebäude gehalten, und kaum war sie ausgestiegen, wurde Velvet auch schon von aufgeregten Schülerinnen und einer Horde Paparazzi umringt. Sie schien das Blitzlichtgewitter der Fotografen und die allgemeine Aufmerksamkeit regelrecht zu genießen. Dabei sah sie aus, als hätte sie sich für einen Auftritt in irgendeinem schmierigen Nachtclub zurechtgemacht.

Aber das soll nicht abwertend klingen. Denn: Hey, ich bin’s doch, Sarah Fitzalan, der bodenständige, fürsorgliche Typ, für jeden ein freundliches Wort, immer das Gute im Blick, allseits bereit, sich für die Underdogs einzusetzen. Sagt man jedenfalls.

Ich hatte die Rückkehr in die Schule voller Ungeduld herbeigesehnt. Nicht dass ich ein Genie wäre oder so. Der Unterricht in Wyldcliffe war es nicht, der mich zurück in das abgeschiedene Tal zog. Es waren auch nicht die verwunschenen wilden Moors, wo Ginster und Schlüsselblumen blühen. Die erwachende Erde rief nach mir, doch ich wandte meinen Blick von den Hügeln ab und dachte an nichts anderes als an mein Wiedersehen mit Evie und Helen.

Was sagen viele Mädchen über ihre Freundinnen? »Wir sind uns so nahe, dass wir Schwestern sein könnten?« Nun, Evie, Helen und ich sind tatsächlich Schwestern. Uns verbindet zwar keine Blutsverwandtschaft, dafür aber etwas viel Tieferes. Mystische, elementare Kräfte halten uns zusammen, in diesem Leben und darüber hinaus auch im nächsten. Es mag seltsam klingen, aber ich habe immer schon daran geglaubt, dass es Dinge im Leben gibt, die wir nicht verstehen oder die wir nicht sehen, und trotzdem sind sie da. Das Gefühl für einen Ort, für Stimmungen, Warnzeichen und Prophezeiungen – ich glaube, all das hat eine Bedeutung, einen tieferen Sinn. Ich glaube an die Unsterblichkeit der Seele und daran, dass Tote zu uns sprechen können. Und als Evie damals als schüchterne Stipendiatin zum ersten Mal nach Wyldcliffe kam und sie Visionen von einem Mädchen aus längst vergangener Zeit hatte, habe ich sie nicht für verrückt erklärt. Ich habe ihr geglaubt. Ich habe ihre Geschichte und alles, was danach kam, akzeptiert.

Ich habe akzeptiert, dass das Mädchen aus der Vergangenheit Lady Agnes Templeton war, Evies Urahnin. Dass Agnes vor mehr als hundert Jahren die Geheimnisse des Mystischen Weges entdeckt hatte und eine Dienerin des Heiligen Feuers geworden war. Dass Agnes’ früherer Verehrer, Sebastian Fairfax, identisch war mit dem geheimnisvollen jungen Mann, den Evie heimlich traf. Dass Sebastian besessen war von seinem sinnlosen Streben nach Unsterblichkeit. Dass wir drei Schwestern die Elemente entdeckt hatten, die uns Kraft gaben: Wasser für Evie, Luft für Helen und Erde für mich, und dass diese Kräfte der Natur schließlich geholfen hatten, Sebastians Seele zu retten. Und auch die Tatsache, dass Sebastian letzten Endes von uns gegangen war und Evie mit dem Schmerz einer hoffnungslosen Liebe zurückgelassen hatte.

Gesprächsstoff gab es also genug. Wir hatten gemeinsam Verluste erlitten und dem Tod ins Auge gesehen. Evie hatte ihre erste Liebe verloren, und Helen trauerte um ihre Mutter. Und ich litt mit ihnen. Ich hatte wie immer all meine Kraft aufgebracht, sie zu verstehen, mit ihnen zu fühlen und mich um sie zu kümmern. Doch um ehrlich zu sein: Als ich mich am Ende des Halbjahrs von ihnen verabschieden musste und nach Hause fuhr, fühlte ich mich verloren und entwurzelt. Als würde ich ohne Evie und Helen und ihre Probleme nicht existieren, als ob ich nur am Rand meines Lebens entlangwandern würde. Sarah, die Nette, die Hilfsbereite … Doch wenn es niemanden gab, der meine Hilfe brauchte, was sollte ich dann tun?

Und dann hatten die Träume begonnen.

Jede Nacht die gleichen, immer und immer wieder. Ich war in einer finsteren Höhle, Fackeln spendeten spärliches Licht. Jemand war in meiner Nähe. Wir sahen uns an. Es war jemand, der mich kannte, durch und durch. Jemand, vor dem ich keine Geheimnisse hatte. Jemand, der mich liebte. Nicht deswegen, weil ich hilfsbereit und stark war, sondern nur um meiner selbst willen, so wie ich war, mit guten und schlechten Seiten. Ich wollte ihn küssen, ich sehnte mich nach seinen Lippen, und dann plötzlich der Schock: Das Gesicht verwandelte sich in eine schrumpelige Maske. Da war ein Messer. Ich hatte Schmerzen. Dichter Rauch hüllte mich ein. Musik und Gesang waren zu hören und der Klang von Trommeln, es trommelte in meinem Kopf, lauter und lauter, bis ich dachte, ich würde den Verstand verlieren.

Vielleicht war das nur eine Reaktion auf all das, was ich mit Evie und Helen erlebt hatte, aber ich war sicher, dass es ein unheilvolles Omen war, ein Zeichen drohender Gefahr. Was auch immer es sein mochte, die Träume und die Finsternis zogen mich nach Wyldcliffe zurück, und ich sehnte mich danach, meine Freundinnen wiederzusehen. Deshalb war ich von Velvet Romaines schrillem Auftritt gar nicht begeistert, der den Alltag in der Abteischule durcheinanderzuwirbeln schien.

Da stand sie und posierte neben ihrem Luxusschlitten. Die Stimmen der Fotografen überschlugen sich: »Velvet! Ja, genau! Schenk uns ein Lächeln!« Aber sie lächelte nicht, im Gegenteil, sie wirkte wütend. Ihr tiefschwarzes Haar war zu einer Kleopatra-Frisur geschnitten, und sie strahlte eine bedrohliche Sinnlichkeit aus, genau wie ein klassischer Filmstar. Ihre nicht enden wollenden Beine wurden von dem Minirock kaum verdeckt, dazu trug sie verschlissene Netzstrumpfhosen und sündhaft teuer aussehende schwarze Schnürstiefel. Die Wyldcliffe-Schülerinnen dagegen trugen triste grau-rote Schuluniformen und starrten Velvet ungläubig an. Ich fragte mich, wie Velvet wohl aussehen würde, wenn die Lehrerinnen ihr die Designerklamotten, den dicken Eyeliner und den Gruftilippenstift erst einmal abgenommen hätten. Doch in diesem Augenblick hatte sie ihren großen Auftritt, machte einen Schmollmund für die Fotografen und gab sich temperamentvoll und rebellisch. Welche Geheimnisse aus der Vergangenheit Wyldcliffe auch verbergen mochte, so etwas hatte es sicher noch nicht gegeben. Mich erinnerte Velvet an ein in die Enge getriebenes Tier, das trotzig ein letztes Mal die Zähne zeigt, bereit, jeden zu attackieren, der sich ihm in den Weg stellt.

»Ist sie das wirklich?«, flüsterte Camilla Willoughby-Stuart, ein Mädchen aus meiner Klasse. »Velvet Romaine?«

»Sieht so aus.«

»Was macht sie hier? Lebt sie nicht in L. A. oder so? Sie wird sich in Wyldcliffe bestimmt zu Tode langweilen, wo sie doch sonst auf diesen Megapartys mit Filmstars und Rockstars unterwegs ist. Das steht schließlich in allen Zeitschriften. Und letztes Jahr ist sie mit einem Typen durchgebrannt, doppelt so alt wie sie …«

Andere Geschichten über Velvet Romaine tauchten in meiner Erinnerung auf. Allem Reichtum und Glamour zum Trotz hatte sie auch schon die Schattenseiten des Lebens kennengelernt. Ich erinnerte mich daran, dass sie in einen schweren Autounfall verwickelt gewesen war, bei dem ihre Schwester getötet wurde. Und dann gab es da noch die Sache mit dem Feuer in dem Internat, in dem sie zuletzt gewesen war, aber da wusste ich nichts Genaueres. Normalerweise las ich Pferdezeitschriften und keine Klatschblätter. Camilla dagegen schien alles über sie zu wissen.

»Ooh, an der École des Montagnes muss es schrecklich für sie gewesen sein«, sprudelte es aus ihr heraus, »das ist eine fantastische Schule in den Schweizer Alpen, alle europäischen Adelsfamilien lassen dort ihre Kinder erziehen. Ihre beste Freundin war nach diesem Feuer dort für immer traumatisiert. Kein Wunder, dass Velvet nicht bleiben wollte. Aber warum gerade Wyldcliffe? Das ist doch viel zu spießig für jemanden wie sie!«

»Vielleicht ist es genau das, was ihre Eltern für sie wollen«, sagte ich, »du weißt schon, Ordnung, Disziplin, Zielvorstellungen und all das. Traditionelle Werte.«

Camilla zog eine Grimasse. »Sie wird es hassen. Hast du ihre Klamotten gesehen? So was von cool. Ich wünschte, meine Mutter würde mich solche Stiefel tragen lassen.«

Während Camilla weiter plapperte, tauchte eine Frau mit streng zurückgekämmten Haaren in der massiven Eichentür auf, ging die Treppenstufen hinunter und stellte sich neben Velvet. Der Trubel schien sie nicht im Mindesten zu beeindrucken. Es war Miss Scratton, unsere Geschichtslehrerin. Mit kalter Stimme herrschte sie die Fotografen an: »Sie befinden sich auf Privatbesitz. Wenn Sie diesen Ort nicht unverzüglich verlassen, sehe ich mich gezwungen, die Polizei zu rufen. Respektieren Sie bitte die Tatsache, dass dies eine Schule und ein Ort des Lernens ist.« Dann wandte sie sich an Velvet. »Ich bin Miss Scratton, die neue Schulleiterin von Wyldcliffe. Ich möchte dich gerne bei uns willkommen heißen, aber lass uns an einen ruhigeren Ort gehen. Und ihr? Was steht ihr hier herum mit...


Shields, Gillian
Gillian Shields hat ihre Kindheit damit verbracht, über die Moore von Yorkshire zu wandern und dabei von den Brontë-Schwestern zu träumen. Nach ihrem Studium in Cambridge, London und Paris arbeitete sie als Lehrerin an einem Mädchen-Internat und an einer Schauspielschule, die sich in einem viktorianischen Waisenhaus befand. Dort machten Gerüchte von einem Geist die Runde. Angeblich konnte man nachts ein junges Mädchen weinen hören – sicherlich eine Inspirationsquelle für die Romane von Gillian Shields. Die Autorin lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in England.



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