E-Book, Deutsch, 472 Seiten
Simon Tanzen lernen
überarbeitete
ISBN: 978-3-8403-3895-3
Verlag: Meyer & Meyer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Standard, Latein und Freizeittänze
E-Book, Deutsch, 472 Seiten
ISBN: 978-3-8403-3895-3
Verlag: Meyer & Meyer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Tanzen lernen richtet sich sowohl an den reinen Freizeittänzer als auch an den ambitionierten Breitensportler. Tanzneulinge können mithilfe des Buches die ersten Schritte im Selbststudium erlernen, während ein Tanzkursabsolvent die erlernten Schritte nachlesen und sich weitere Figuren aneignen kann.
Das Buch beginnt mit einem kurzen Einblick in die Tanzgeschichte – unterschiedliche Tanzformen werden präsentiert und die Entstehung der Gesellschaftstänze wird unterhaltsam beschrieben.
Der Hauptteil befasst sich mit der Praxis der Standardtänze und der latein-amerikanischen Tänze. Zunächst gibt es jeweils einen allgemeinen Abschnitt zu Ausführung und Technik. Hier findet man Erklärungen zur jeweiligen Tanzhaltung und Fußtechnik sowie Erläuterungen zu Grundbewegungen. Anschließend folgt jeweils ein eigener Abschnitt zu den Standardtänzen langsamer Walzer, Tango, Wiener Walzer, Slow Fox und Foxtrott bzw. Quickstep sowie zu den lateinamerikanischen Tänzen Samba, Cha-Cha-Cha, Rumba, Paso doble und Jive. Einer kurzen Einführung zum entsprechenden Tanz folgen dann jeweils einige Figuren. Dabei werden sowohl die Damen- und Herrenschritte unter Angabe von Rhythmus, Drehgraden und technischen Hinweisen in Tabellenform präsentiert als auch Tipps zur Führung bzw. Ausführung der jeweiligen Figuren gegeben. Neben Fotos, die den Tanz veranschaulichen, werden die zu tanzenden Abläufe durch Schrittgrafiken erläutert, die die Fußpositionen zeigen.
Im anschließenden Abschnitt Freizeittänze werden Discofox und Salsa kurz vorgestellt und dazu die jeweiligen Grundschritte bzw. einfache Figuren erklärt. Die Tänze werden auch hier wieder durch Fotos und Abbildungen ergänzt.
Im Anhang findet man Hinweise zu Tanzmusik, Tanzschulen, Tanzsportklubs und Verbänden sowie tänzerische Fachausdrücke im Überblick.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Kapitel 2
1Die Entwicklung des Tanzes 2Verschiedene Tanzformen 3Gesellschaftstänze – praktischer Teil 2Verschiedene Tanzformen
2.1Traditionelle europäische Tänze
Auch nach Jahrhunderten sind einige Tänze immer noch eng mit ihrem Mutterland verbunden und repräsentieren heute noch den reinen Charakter ihrer Heimat. So gesehen, sind die nun folgenden, beispielhaft vorgestellten, traditionellen europäischen Tänze lebendige Beweisstücke, die auf wundersame Weise vor dem Vergessen und der darauf folgenden Auslöschung bewahrt wurden. 2.1.1Schottische und irische Tänze Auch wenn man dabei oft an Volkstänze denkt, haben die schottischen Tänze ihre Wurzeln in den höfischen Tänzen der Renaissance. Der schottische Country Dance wird von Paaren getanzt, die dabei festgelegten und immer gleichen Choreografien folgen. Um die Tradition zu schützen, sind die Tänze vom entsprechenden Verband, der Scottish Country Dance Society, genau definiert. Die irischen Tänze sind über die Jahrhunderte hinweg, trotz diverser Widrigkeiten, wie z. B. Kritik durch die katholische Kirche, bis heute erhalten geblieben. Vor allem der irische Stepptanz ist durch die Shows Riverdance und Lord of the Dance Mitte der 1990er-Jahre weltweit bekannt geworden. Dieser Tanz ist durch eine sehr schnelle Beinarbeit und das rhythmische Schlagen der Füße gekennzeichnet, während der Oberkörper stolz aufgerichtet bleibt und die Arme meist unbewegt seitlich am Körper gehalten werden. Irish Dance 2.1.2Osteuropäische Tänze: Polka, Polonaise und Mazurka Gemäß einer überlieferten Legende wurde die Polka zum ersten Mal um 1830 von einer böhmischen Bäuerin getanzt. Anschließend hat sie sich in verblüffender Geschwindigkeit über Prag und Wien in andere europäische Länder ausgebreitet. Die Polka ist ein schneller und lebhafter Tanz zu fröhlicher Musik. Auch heute wird sie noch gerne im deutschen und österreichischen Volkstanz getanzt, da sie bei der einen oder anderen tänzerischen Veranstaltung heitere Stimmung verbreitet. Der polnische Nationaltanz ist die Polonaise, ein Tanz in gemäßigtem Tempo, mit festlichem und erhabenem Charakter. Durch viele seiner Kompositionen ist die Polonaise untrennbar mit dem polnischen Komponisten Frédéric Chopin (1810-1849) verbunden. Ein weiterer Tanz polnischen Ursprungs ist die Mazurka, die im Gegensatz zur getragenen Polonaise fröhlich und sehr schwungvoll ist. Auch dieser Tanz verbreitete sich in anderen europäischen Ländern und wird zum Beispiel in Italien auch heutzutage noch gerne getanzt. Polonaise 2.1.3Alpenländische Tänze: Ländler, Dreher und Galopp Gegen Ende des 18. Jahrhunderts verbreiteten sich im Alpenland die Ländler-Tänze, die sowohl als Paar- als auch als Gruppentanz ausgeführt werden können. Der heitere Tanz im Dreivierteltakt wird dort auch heute noch beim Volkstanz praktiziert. Auch beim Dreher handelt es sich um einen vor 1800 entstandenen alpenländischen Tanz. Er ist ein schnell gedrehter Rundtanz, bei dem der Herr beide Arme um den Rücken der Dame legt und sie gleichzeitig seinen Nacken umfasst, um so den, durch die schnelle Drehung, auftretenden Fliehkräften entgegenzuwirken. Heute wird der Dreher vor allem noch in Unterfranken getanzt. Im Alpenland ist vor 1800 auch der Galopp entstanden. In Wien wurde er Anfang des 19. Jahrhunderts zunächst in Form von fortlaufendem Galoppieren getanzt und bildete dort häufig den Abschluss eines Balls. Anschließend verbreitete er sich auch in Deutschland, jedoch als schneller Rundtanz mit Schrittmuster der Polka und Charakter des Galopps. Auch heute wird der Galopp noch auf Bällen in Österreich und Süddeutschland getanzt: Die Paare bewegen sich in Haltung mit Galoppschritten von der einen Seite des Parketts zur anderen oder bilden alternativ eine Gasse, durch die ein Paar nach dem anderen schlüpft, um sich anschließend wieder an der Gasse anzustellen. 2.1.4Italien: Tarantella Der klassische italienische Volkstanz ist die Tarantella, ein durch viele kleine Sprünge gekennzeichneter Tanz im Viervierteltakt. Sein Name kommt von der süditalienischen, in Apulien gelegenen Stadt Tarent (Taranto) und wird mit dem Biss der Tarantel in Verbindung gebracht. Gemäß der Legende hätte dieser zum Tode geführt, sofern die sogenannten tarantaten Frauen, die bei ihrer Arbeit auf dem Feld von einer Tarantel gebissen wurden, nicht als Gegenmittel frenetisch und bis zur Besinnungslosigkeit Tarantella getanzt hätten. In Wirklichkeit ist der Biss nicht tödlich und die Tarantella als „therapeutischen Tanz“ zu praktizieren, diente wahrscheinlich dazu, die moralisierenden Verbote der Kirche bezüglich des damals als anstößig geltenden Tanzes zu umgehen. Heute wird die zu Tamburin und Mandolinenklängen getanzte Tarantella in ihrer ursprünglichen Form noch traditionell bei Hochzeitsfesten in süditalienischen Dörfern praktiziert. In Form eines Line Dance, bei dem Männer und Frauen in gegenüberstehenden Reihen einfache Schrittfolgen tanzen, ist sie bei Festen und tänzerischen Veranstaltungen in ganz Italien beliebt. 2.1.5Spanien: Der Flamenco Der Flamenco ist eine Stilrichtung der spanischen Tänze. Daneben unterscheidet man regionale Tänze, wie die andalusischen Sevillanas, klassischen und neoklassischen spanischen Tanz. Flamenco Die Welt des Flamencos ist ein Universum für sich – er wird heute als nationales Kulturgut betrachtet und gilt als die Seele Spaniens. Der Flamenco ist durch den Einfluss der Zigeuner geprägt und hat seine Wurzeln in der arabischen und hebräischen Kultur, deren Bevölkerung Andalusien bewohnte. Jahrhundertelang wurde der Tanz nicht als Kunst, sondern nur als ein lokales Phänomen betrachtet, was sich schließlich erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts änderte. Ursprünglich entstand er als reiner Gesang ohne Instrumente, Gitarre und der Tanz kamen erst später hinzu. Der Flamenco ist neben seiner Tanztechnik, Philosophie und Art des Daseins, ursprüngliche Tradition und Rückkehr zu den Wurzeln. Viele Choreografen verstehen ihn als wehmütigen Tanz, der versucht, den Schmerz der Seele im Tanz zu verarbeiten. Flamenco wird meist ohne Partner, aber unter Einsatz des ganzen Körpers, getanzt, wobei aber vor allem die Technik der Füße, Arme und Hände eine große Rolle spielt. Charakteristisch ist, neben der häufig improvisierten Interpretation der Musik, auch die Abwechslung zwischen langsamen, getragenen und schnellen, energiegeladenen Tanzteilen. Die schnelle Fußarbeit, die sogenannten Zapateados, sorgt mit ihren stampfenden und schlagenden Geräuschen für den entsprechenden Rhythmus, der noch zusätzlich durch Klatschen oder auch Schläge auf Oberschenkel bzw. Oberkörper unterstützt wird. Dazu bewegen sich die Arme der Tänzer und Tänzerinnen mal weich und gewunden, mal hart und voller Energie, während sich die Hände bei den sogenannten Filigranas ständig im Handgelenk drehen und die Finger der Tänzerinnen erscheinen, als wollen sie etwas greifen. 2.2Künstlerischer Tanz
2.2.1Klassisches Ballett Der Begriff Ballett bezeichnet eine bestimmte, im Lauf der letzten Jahrhunderte entwickelte Tanztechnik. Gemäß der berühmten Tänzerin und Pädagogin A. J. Waganowa (1879-1951) ist der klassische Tanz eine von Inhalt und Seele erfüllte Kunstsprache. Technik und künstlerische Ausdruckskraft verschmelzen also zu einer Einheit – Körper, Geist und Seele werden in Harmonie gebracht. 1661 gilt mit der Gründung der Académie Royale de Danse in Paris als das offizielle Entstehungsjahr des klassischen Balletts. Um 1700 wurden unter der Führung von Pierre Beauchamps (1631-1705), dem ersten anerkannten Choreografen, die Regeln des klassischen Tanzes festgelegt, sowie er auch die fünf Fußpositionen des klassischen Tanzes und die charakteristische Auswärtsdrehung der Beine aus dem Hüftgelenk, das sogenannte en dehors, definierte. Seitdem ist die offizielle Sprache des klassischen Tanzes französisch und die Terminologie ist bis heute in dieser Sprache erhalten geblieben. Das en dehors dient dabei der Erhöhung der Standfestigkeit und der Vergrößerung des Aktionsradius der Beine. Ein wichtiges Merkmal des Balletts besteht in der Platzierung der Körperachse und in der Fähigkeit, diese stets im Gleichgewicht zu halten. Das charakteristische Plié, also das Beugen eines oder beider Knie, sorgt für eine federnde, elegante Bewegung und ermöglicht sowohl den Abdruck als auch die Landung bei den Sprüngen. Neben den fünf Fußpositionen, aus denen jede Bewegung beginnt und auch wieder endet, unterscheidet man, je nach Land und Schule, eine...