Vöhringer | Karl Valentin ist tot | E-Book | sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 3, 438 Seiten

Reihe: Hauptkommissar Perlinger

Vöhringer Karl Valentin ist tot

Kriminalroman
2020
ISBN: 978-3-8392-6278-8
Verlag: Gmeiner-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Kriminalroman

E-Book, Deutsch, Band 3, 438 Seiten

Reihe: Hauptkommissar Perlinger

ISBN: 978-3-8392-6278-8
Verlag: Gmeiner-Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



»Wenn der Mensch gestorben ist, ist er tot. Das ist sicher, also totsicher, wie man so sagt.«

Karl Valentin

Das Karl Valentin Gymnasium in der Münchner Altstadt brennt. Im Keller wird die Leiche der stellvertretenden Direktorin Marianne Eichstätt geborgen - grausam erstickt. Zwei Jahre zuvor starb dort der 17-jährige Schüler Fabian Brühl auf mysteriöse Art und Weise. Je tiefer Hauptkommissar Tom Perlinger gräbt, desto brisanter wird die Lage. Der Täter hat bereits die nächsten Opfer im Visier. Und Tom hat keine Ahnung, dass der Feuerteufel auch sein persönliches Schicksal bestimmt …

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Kapitel 2
»Du siehst heute früh auch nicht besser aus als ich.« Kommissarin Jessica Starke musste lächeln, als sie Tom erblickte. Selbst im rötlichen Licht des Feuers wirkte sein Gesicht zerknautscht und sein rotblondes Haar völlig verstrubbelt. Mitten in der Nacht aus dem Bett gerissen zu werden, schien für ihn ebenfalls kein Vergnügen gewesen zu sein. Die Atmosphäre vor Ort war gespenstig. Noch immer zuckten orangene und schwarze Flammen tanzend an der Pergola im Innenhof der Schule hoch. Auf der Straße drängten sich mehrere Feuerwehrfahrzeuge, darunter ein Leitwagen mit Drehleiter und zwei Rettungswagen. Feuerwehrmänner rannten hektisch umher. Kommandos tönten durch die Nacht. Die Schutzpolizei sicherte die Brandstelle weitläufig. Besondere Sorgfalt galt der Tankstelle auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Man tat alles, um die Hitze fernzuhalten. Der hintere Teil des Schulgebäudes war in graue Rauchschwaden gehüllt. Schaulustige drängten sich hinter den Absperrungen. Fotografen, Kameramänner, Journalisten und Blogger standen in einer Gruppe um den Pressesprecher des Präsidiums herum. Flüchtig fiel Jessica ein älterer Mann mit langen Haaren auf, der sich an die Pressegruppe drängte. Er wirkte irgendwie aufgelöst. Wahrscheinlich ein freier Mitarbeiter einer Zeitung, der längst wusste, dass er keine Chance mehr auf Veröffentlichung und ein Honorar hatte. »Ganz schön was los!« Tom zog die Augenbrauen hoch. »Mayrhofer?«, fragte er dann. »Ist vermutlich gleich ins Büro und beißt in seine erste Leberkäs-Semmel.« Jessica ließ die Tankstelle nicht aus dem Blick. Sie mochte sich nicht vorstellen, was geschehen würde, wenn es zu einer Explosion kam. »Um kurz vor drei in der Früh?« »Geht bei ihm immer.« Sie zuckte die Schultern. Kollege Mayrhofers Leberkäs-Semmel-Sucht war legendär. »Und?« Tom zeigte auf das Chaos vor ihnen. Der Brandgeruch war beißend. Die Flammen wurden nach und nach eingedämmt. »Gibt es schon irgendwelche Erkenntnisse?« Jessica trat von einem Fuß auf den anderen. »Nicht viel.« Sie schaute zum Gruppenführer der Feuerwehr, der ihr eingebläut hatte, sich fernzuhalten. Sie würden sich noch etwas gedulden müssen. Es gab sogar eine winzige Chance, dass sie völlig umsonst hier standen und gleich nach Hause ins warme Bett zurückkehren konnten. Doch sie glaubte nicht daran. Einige Feuerwehrmänner und Sanitäter drangen nun mit Atemschutzmasken und Schutzanzügen ins Innere des Schulgebäudes vor. Brandfahnder und die Kollegen der Spurensicherung – angeführt von der Kommissariatsleitung Anna Maindl – folgten ihnen. Ein überdurchschnittlich großer Mann im Anzug, der sich dem Trupp anzuschließen versuchte, aber zurückgehalten wurde, weckte Jessicas Interesse. Nach einer kurzen Auseinandersetzung schritt der Mann in Begleitung eines Feuerwehrmannes in Richtung des anderen Schulflügels, der weitgehend unbeschädigt schien. Es war, als ob er sich einen Überblick über die Ausmaße des Schadens machen wollte, den das Feuer angerichtet hatte. Sie stupste Tom an: »Das könnte der Schuldirektor sein. Der Gruppenführer meinte, der Hausmeister hat ihn auch informiert.« Sie beobachteten gemeinsam, wie die beiden Männer im Dunkeln verschwanden. »Wieso warst du eigentlich vor mir hier?«, fragte Tom plötzlich. Eine berechtigte Frage. Wäre sie aus ihrem Einzimmerapartment in der Schleißheimer Straße gekommen, hätte sie um einiges länger gebraucht als er. Jessica seufzte und sah Tom scharf an. »Berufsgeheimnis.« Sie hatte absolut keine Lust, ihm hier und jetzt mehr zu verraten. Tom hob die Augenbrauen und schaute wieder in Richtung des Chaos vor ihnen. Jessica atmete innerlich auf. Tom würde nicht insistieren. Er war diskret. Sie hatte heute das erste Mal bei Benno übernachtet. Wenn Jessica es sich richtig überlegte, konnte sie froh sein, dass ihr der Einsatz das gemeinsame Frühstück mit Benno ersparen würde. Egal, ob ihre Anwesenheit nun überflüssig war oder nicht. Dieser erste Teil der Nacht war ein absolutes Desaster gewesen. Wie hatte sie nur glauben können, dass Benno, der einmal leidenschaftlich in Christl verliebt gewesen war, auf einmal ihrem Charme erliegen könnte? Sie war das genaue Gegenteil von Christl. Klein, pummelig, mit einem aktuell roten Haarschopf, dem nur der überlange Pony einen gewissen Pfiff verlieh – wie ihr zumindest hin und wieder bestätigt wurde. Aber schon ihr Tonfall, der ihre Herkunft aus dem Berliner Kiez nicht verbergen konnte, prallte fast schmerzhaft auf Bennos deftiges Bairisch. Vermutlich hätte er sich trotz aller Gutmütigkeit die Bettdecke übers Gesicht gezogen, wenn sie ihn heute früh verschlafen und gut gelaunt mit »Schön’ juten Tach« begrüßt hätte. Jessica seufzte. Warum nur hatten sie es gestern Abend nach dem Absackerbier und den Schafkopfrunden nicht bei der bisherigen Freundschaft belassen können. Warum hatten sie der langsam wachsenden Spannung ausgerechnet jetzt nachgeben müssen. Weil sie beide ausgehungert waren? Weil sie sich beide nach einem Partner sehnten? Reichte das? Wie sich im Bett gezeigt hatte, wohl eher nicht. Dabei wären ihnen peinliche Momente erspart geblieben. Sein Blick auf ihre nackten Speckringe. Ihm das Fehlen von Aufputschmitteln im entscheidenden Moment. Sie seufzte tief und hätte sich am liebsten in ein Erdloch verkrochen. Wie sollte sie aus dieser Nummer je wieder herauskommen? Benno war einer der Geschäftsführer des Wirtshauses. Tom und Jessica hatten es sich zur Gewohnheit gemacht, ein Feierabendbier in trauter Runde am Stammtisch gemeinsam mit dem Rest der Familie zu trinken. Jessica war inzwischen eng mit Christl befreundet. Christl konnte ja nichts dafür, dass Benno sich nicht von ihr lösen konnte. Ihr wäre vermutlich nichts lieber gewesen, als dass Benno und Jessica so glücklich waren wie Tom und sie. Jessica wusste, dass Christl sich weiterhin für Benno verantwortlich fühlte und bis heute ein schlechtes Gewissen hatte, weil sie Benno damals verlassen hatte, als Tom aus Düsseldorf zurückgekehrt war. Jessica nahm einen Schluck von dem inzwischen kalten Pulverkaffee, den sie sich bei Benno noch schnell in ihren To-Go-Becher gefüllt hatte. Sie hatte geahnt, dass um die Uhrzeit die U-Bahn-Station Sendlinger Tor geschlossen war, wo sie auf dem Weg von Bennos kleiner Wohnung in der Lindwurmstraße vorbeigekommen war. Sie hätte einen Cappuccino bevorzugt. So schmeckte der Kaffee bitter und widerlich. Trotzdem machte er sie wach und verdrängte die störenden Gedanken. »Komm«, meinte Tom jetzt. »Das muss der Hausmeister sein.« Sie nickte und folgte Tom, der auf den Gruppenführer zuschritt, neben den jetzt ein zitternder älterer Mann getreten war. Der Hausmeister fiel durch sein volles dunkles Haar und seinen von grauen Fäden durchwirkten Oberlippenbart auf. Er hatte sich einen bunt gestreiften, glänzenden Morgenmantel über einen Pyjama mit langer Hose geworfen. Sein Oberlippenbart zitterte, als sie auf ihn zutraten. Tom streckte den beiden Männern die Hand hin und stellte Jessica und sich vor. Der Gruppenführer wollte gerade zu größeren Ausführungen ansetzen, da erhielt er einen Anruf. »Die Tankstelle!« Er hob entschuldigend die Schultern und hetzte – das Handy dicht am Ohr – davon. Akay Özdemir, so hatte sich der Hausmeister vorgestellt, zog den Bademantel enger um die Hüften. »Mei, hätt’s des jetzt braucht?« »Sie glauben, dass noch jemand im Schulgebäude ist?« Tom bückte sich zu dem wesentlich kleineren Mann hinunter. Akay Özdemir nickte. »Meine Frau hat Licht im Keller gesehen. Als sie nach Hause kam.« »Wann war das?« Jessica versteckte ihr Gesicht hinter dem Kaffeebecher, als sich ihre und die Blicke des Hausmeisters auf Augenhöhe trafen. Akay Özdemir schien sie erst jetzt richtig wahrzunehmen. Vermutlich sah sie aus wie ein Nachtgespenst. »Nach Mitternacht. Meine Frau putzt bei der Sparkasse. Als sie über den Schulhof gegangen ist, hat sie Licht im Keller gesehen. Conny Bergmüller ist oft bis spät in die Nacht hier. Sie bereitet eine Ausstellung vor.« Sein Deutsch war perfekt. Die Sprachmelodie bairisch. »Conny Bergmüller?«, fragte Tom. »Die Kunstlehrerin.« Der Hausmeister nickte. Seine Augen glänzten feucht. »Aber von einem Brand hat Ihre Frau nichts bemerkt?«, hakte Tom nach. Der Türke schüttelte den Kopf. »Wie und wann ist Ihnen denn der Brand aufgefallen?« Tom stellte den Kragen seiner schwarzen Lederjacke auf. Jessica sah, dass er nur ein dünnes T-Shirt darunter trug. Für April – selbst in dieser verhältnismäßig lauen Nacht – zu wenig. »Meine Frau hat nicht einschlafen können. Ich bin aufgewacht, weil sie mir die Nase zugehalten hat und ich keine Luft mehr bekam.« »Sie schnarchen?«, grinste Tom. Akay Özdemir schlug die Augen nieder und nickte. »Als ich hellwach war, ist meine Frau eingeschlafen. Ich habe mir ein Glas Wasser in der Küche geholt und aus dem Fenster geschaut. Unsere Wohnung ist da oben.« Er zeigte mit dem Finger auf die entfernteste Ecke des Gebäudes. »Im dritten Stock. Von da oben sehen wir fast alles.« Jessica und Tom nickten. Der Hausmeister fuhr fort: »Ich habe meinen Augen nicht getraut. Plötzlich schossen am anderen Ende des Gebäudes Flammen nach oben. Dort, wo das Gerüst steht. Die ganze Pergola hat lichterloh gebrannt....


Vöhringer, Sabine
In Frankfurt geboren wuchs Sabine Vöhringer bei Karlsruhe auf, lebte in Südfrankreich und studierte in Pforzheim. Als Diplom-Designerin zog es sie in ihre Traumstadt München, wo die vielseitige Unternehmerin heute mit ihrer Familie lebt. Ausschlaggebend für ihre Krimi-Reihe rund um Hauptkommissar Tom Perlinger ist ihr Faible für die bayerische Lebensart und Geschichte. Ihre Krimis mit historischem Bezug und einem klaren Blick für das universell Menschliche spielen zentral in der Münchner Altstadt. Die ersten beiden Fälle von Tom Perlinger »Die Montez-Juwelen« und »Das Ludwig Thoma Komplott« begeisterten Leser und Presse auf Anhieb. Die Krimis sind auch als Hörbuch erhältlich - »Das Ludwig Thoma Komplott« wurde Hörbuch des Jahres 2018.



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