White | Hexenwiege & Der Peststein | E-Book | sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 683 Seiten

White Hexenwiege & Der Peststein

Zwei psychologische Spannungsromane in einem Band | Brit Crime für alle Fans von Val McDermid
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-98690-897-3
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Zwei psychologische Spannungsromane in einem Band | Brit Crime für alle Fans von Val McDermid

E-Book, Deutsch, 683 Seiten

ISBN: 978-3-98690-897-3
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Das Böse in unserer Mitte: Das packende Thriller-Bundle »Hexenwiege & Der Peststein« von Gillian White jetzt als eBook bei dotbooks. Cheryl und Berry leben mit ihren beiden Kindern am Rande der Armut - aber als ein TV-Sender sie für eine Doku-Soap auswählt, wird das junge Paar plötzlich zu Reality-Stars. Ihr Moment des Ruhms währt jedoch nur kurz, denn ausgerechnet als die beiden die dritte Schwangerschaft ankündigen, schlägt die Euphorie ihrer Fans plötzlich in Hass um - und dann verschwinden ihre Kinder spurlos! Niemand will den verzweifelten Eltern glauben und ein schrecklicher Verdacht macht sich breit ... In dem kleinen Dorf Meadcombe versammeln sich drei Frauen jede Nacht um einer alten Ritualstätte, die angeblich Wünsche erfüllen soll. So richtig glauben sie nicht daran - bis ihre Bitten tatsächlich erhört zu werden scheinen ... doch plötzlich fehlt von der jungen Melanie jede Spur. Welches dunkle Geheimnis verbirgt der Peststein wirklich? Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der englische Spannungs-Sammelband »Hexenwiege & Der Peststein« von Bestsellerautorin Gillian White wird alle Fans von Elizabeth George und Tana French begeistern. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Gillian White stammt aus Liverpool und arbeitete mehrere Jahre als Journalistin, bevor sie sich ganz dem Schreiben von Romanen widmete. Mit ihrem Mann und zwei Hunden lebt sie in Totnes, Devon. Vier ihrer Romane wurden vom britischen Fernsehen erfolgreich verfilmt. Bei dotbooks veröffentlichte Gillian White ihre Spannungsromane »Denn du bist mein«, »Hexenwiege«, »Ein unheimlicher Gast«, »Der Peststein«, »Der Fluch der alten Dame«, »Du kannst uns nicht entkommen«, »Die Einsamkeit der Lüge«, »Der Nachmieter«, »Das Ginsterhaus«, »Das Familiengrab« und »Das Hotel bei den Klippen«. Die letzten drei Romane sind auch im Sammelband erhältlich.
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Kapitel 2


»Sie glauben, dass wir es waren.« An diesem Morgen leuchtet Cheryls Kopf pink. Frisch gewaschen erinnert er heute weniger an ein Ausrufe- denn an ein Fragezeichen. Sie kaut an ihren Fingernägeln, obwohl die schon völlig abgenagt sind.

»Ist mir klar«, knurrt Barry. Er hat die weiten Ärmel über die Hände gezogen, als wolle er in der weichen alten Wolle verschwinden.

Die Wohnung ist so leer, so aufgeräumt, so ruhig, und überall schwebt der süßliche Babyduft.

Cheryl verschränkt ihre Finger ineinander und sieht Barry aus verweinten Augen an, doch Barry weicht ihrem Blick aus und starrt in den Fernseher, wo ein Fußballspiel läuft.

»Geh um Gottes willen weg vom Fenster«, ruft er. »Das bringt doch nichts.«

***

Die Anzeige war im hinteren Teil des Mirror, ein kleines Kästchen, in dem Interessenten aufgefordert wurden, sich bei einer Chiffre in Slough zu melden.

»Bekannte Filmfirma sucht junge Familien unter der Armutsgrenze, die daran interessiert sind, an einer seriösen Dokumentarreihe über ihre Alltagsprobleme teilzunehmen.«

In ihrer Wohnung im fünften Stock des Harold-Wilson- Hauses, von dessen baufälligem Balkon aus man die mit Graffiti besprühten Eingänge zur Paddington Station überblicken konnte, wischte Cheryl, die zu diesem Zeitpunkt Victor stillte und im siebten Monat mit Scarlett schwanger war, die Marmelade von der Zeitung und las Barry die Anzeige laut vor.

Wie sie diese Vormittage liebte, wenn Barry früh am Morgen die Milch holen ging und manchmal eine Zeitung mitbrachte. Die Morgensonne durchflutete die Küche, im Radio lief ein Wunschkonzert. In solchen Momenten hatte Cheryl das Gefühl, als wären sie eine richtige Familie, mit einem Garten vor der Tür samt Hollywoodschaukel, Gokart und einem Sandhaufen voller bunter Schaufeln.

»Was zahlen sie dafür?«, fragte Barry, während er in der schäbigen Spüle eine Pfanne schrubbte. Zum Frühstück hatte es Speck, Kartoffelmus und Tomaten aus der Dose gegeben.

Cheryl sah nach. Es war ihr wichtig, dass Barry diesen Vorschlag ernst nahm. »Nichts. Aber man bekommt bestimmt Ausgaben ersetzt oder so.«

»Dann lassen wir es.« Inzwischen hatte Barry sich die Ärmel hochgerollt. Seine Locken hingen ihm in die Augen, und mit zusammengepressten Lippen bearbeitete er die angebrannten Reste. Heftig blies er in die Pfanne, und Seifenblasen stoben hoch. Grinsend wandte er sich zu ihr um, um ihr den Schaum auf seiner Nase zu zeigen. Normalerweise lachte sie darüber, doch an diesem Morgen hatte sie keinen Sinn dafür.

»Sie würden uns doch sowieso nicht nehmen. Warum sollten sie auch?« Er gehörte zu den Männern, die darauf programmiert waren, stets abgelehnt zu werden.

»Wir könnten es wenigstens versuchen, du alter Schwarzseher.«

Barry hatte plötzlich keine Lust mehr, die Pfanne zu scheuern. »Vielleicht will ich ja gar nicht, dass meine Privatangelegenheiten an die große Glocke gehängt werden.«

»Deine Privatangelegenheiten. Dass ich nicht lache. Was wäre denn das?«

»Dann wüssten zum Beispiel alle, dass wir pleite sind.« Und da war sie wieder, diese finstere Miene, die er aufsetzte, sobald sie über Geld sprachen. Wenn Barry sich ernstlich in die Ecke gedrängt fühlte, griff er nach seinem Fußball und warf ihn unaufhörlich mit voller Wucht von einer Hand in die andere. Cheryl hasste es, ihm dabei Zusehen zu müssen. Es kam ihr vor, als mache er sich über seine eigenen Träume lustig. Inzwischen hätte er es bestimmt geschafft, das wusste er, er wäre jetzt wahrscheinlich in der obersten Liga. Er hatte Talent, es lag allein bei ihm, etwas daraus zu machen. Das hatten sie ihm in der Schule erklärt und als er in der Jugendmannschaft in seinem Ort spielte. Aber alles war anders gekommen. Und wer war Schuld daran?

»Es weiß doch sowieso jeder, dass wir pleite sind. Und es könnte lustig werden.« Cheryl gab nicht so schnell auf. Alles gäbe sie dafür, auch nur einen Tag lang der Alltagsmühle zu entkommen: nicht ständig eingesperrt zu sein und sich das Nachmittagsprogramm im Fernsehen ansehen zu müssen, die Frauen in ihren Kleidern von Marks & Spencer, die auf neuen Sofas über das Leben diskutierten, in Küchen kochten, von denen Cheryl nicht zu träumen wagte, mit Teflonpfannen hantierten, und die Quizteilnehmer, die Geldsummen gewannen, die für Cheryl unvorstellbar waren.

Dennoch konnte sie sich ein Leben ohne Fernseher nicht vorstellen.

Sie durfte gar nicht daran denken, dass Barry es hätte schaffen können, wenn es ihm nicht ausschließlich darum gegangen wäre, dem Würgegriff seiner Mutter zu entkommen. Wenn er nicht seine einzige wunderbare Chance als Waffe gegen sie eingesetzt hätte. Er hatte ein Angebot der Spurs für ein Probetraining gehabt und es abgelehnt. Bis heute ist es für Cheryl völlig unverständlich, wie jemand mit so einer Begabung so handeln kann. Cheryl bildet sich ein, sie habe Talent als Schauspielerin. Vielleicht hätte sie Schauspielerin werden können, wenn sie länger an der Parkwood School geblieben wäre und diese nicht so früh verlassen hätte.

Manchmal, bei schönem Wetter, nahmen sie Victor in seinem Buggy mit in den Park oder hinunter an die Themse. Wenn es warm genug war, setzten sie sich auf eine Bank zusammen mit Donny, die früher einmal in dem Block, in dem Cheryl ihre Kindheit und Jugend verbracht hatte, die Nachbarin ihrer Mum gewesen war. Jetzt lebt Marge Smith in Donnys Haus. Donny jedoch war das Opfer von Umständen geworden, die niemand genau kannte, und durchstreift nun die Straßen Londons in schwarzen, um die Füße gewickelten Müllsäcken. Cheryls Mutter rollte beim Thema Donny die Augen und meinte, sie habe sich mit ihrem Gin blöd gesoffen. Victor liebt die schmuddelige alte Donny, die ihn manchmal mit Pommes füttert. In ihrem früheren Leben war sie Liza Donnolly, und in ihrer Wohnung hätte man vom Boden essen können, so sauber war er. Immer hatten sich Kinder um sie geschart, erzählte Cheryls Mutter. »Weißt du es nicht mehr? Du warst doch auch ständig drüben bei Donny und hast Süßigkeiten geschnorrt.«

Zu ihrer üblichen Strecke gehörte auch eine Stippvisite beim Arbeitsamt, wobei das Ganze mehr an Mensch-ärgere-dich-nicht erinnerte, denn sie schafften es nie, an ihr Ziel zu kommen, sondern flogen immer wieder davor raus. Wenn sie Glück hatten, konnten sie das Geld für ein Bier am Castle zusammenkratzen, und manchmal reichte es noch zu einer Tüte Chips. Barry wollte unbedingt arbeiten, doch wenn er Arbeit hatte, war Cheryl auch nicht glücklicher. Die meisten dieser Jobs spielten sich nachts ab, und allein in der Wohnung bekam Cheryl Angst. Regale einräumen, Büros putzen, Küchenarbeit in einem Hotel im West End, Straßenbau.

Cheryl versuchte, sich zusammenreißen und nicht zu jammern.

Schließlich waren sie auf das Geld angewiesen. Die Bevölkerung war der Meinung, sie und Barry lägen dem Staat auf der Tasche, seien Schmarotzer. Sie sah Menschen, die lebten wie Barry und sie, in Talk-Shows zu, sie las über ihre Spezies in Boulevardblättern.

Bekam Barry einen Job im Straßenbau, war er tagelang weg, und sie saß mit Victor in der Wohnung fest. Und nun war sie wieder schwanger, und sie hatte Angst. Dennoch genoss sie ihren Zustand: Wenn sie schwanger war, hatte sie Kliniktermine, traf andere Mütter, mit denen sie reden konnte, und Klinikpersonal, das sich darum kümmerte, ob sie auch genug auf sich achtete.

Wenn Cheryl schwanger war, fühlte sie sich besonders.

Barry hatte alles versucht, bei allen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen der Regierung mitgemacht. Schließlich ging er nur deshalb noch aufs Arbeitsamt, damit sie ihm die Hilfe zum Lebensunterhalt weiter zahlten. Und wenn Barry ausgestellt wurde, was praktisch jedes Mal geschah, war es immer Mal ein solcher Aufwand, danach wieder vom Sozialamt zu leben, dass es das gar nicht wert schien. Formulare, Formulare, Formulare und Gespräche und noch mehr Schulden.

Trotz Barrys ablehnender Haltung antwortete Cheryl auf die Anzeige.

Sie waren schon so oft ihrer Illusionen beraubt worden, wenn sie sich auf dubiose Anzeigen meldeten, die ihnen – mit Geld-zurück-Garantie – versprachen, sie könnten davon leben, in Heimarbeit Seidenblumen anzufertigen, Umschläge zu adressieren und Cracker in Pappschachteln einzufüllen. Man bestellte per Post, bekam sein Päckchen und schuftete. Schuftete, bis einem fast die Finger abfielen und die Augen zu Schlitzen im Kopf wurden. Barry arbeitete manchmal die ganze Nacht durch, ohne zu schlafen.

Der Geld-zurück-Teil war Betrug: Zuerst musste man den Auftraggebern das Geld für die Sachen geben, die man verbraucht hatte. Und trotzdem war es jedes Mal aufs Neue schwierig, diesen Anzeigen zu widerstehen. Zu verlockend war die Aussicht auf schnellen Reichtum.

Cheryl warf ihren Brief an die Chiffrenummer in Slough ein und dachte beinahe pausenlos an die Anzeige. Ihr Leben war so ereignislos, da war es beinahe unmöglich, etwas zu vergessen. Stattdessen wurden Banalitäten wesentlich, und wenn sie sich nicht zusammenriss, fing sie an zu träumen.

Sie malte sich die ganze Zeit aus, wie Victors Leben aussehen würde. Sie würden eine gute Schule für ihn auswählen. Er würde richtige Freunde finden und nicht mit den bekifften Idioten aus der Nachbarschaft rumhängen. Er würde klüger werden als sie, so wie seine Mutter. Cheryl und Barry würden darauf achten, dass er lernte, und ihm bei seinen Hausaufgaben helfen. Galerien und Museen würden sie mit ihm besuchen und ihn in die Musikschule schicken.

Vielleicht könnten sie nach Irland ziehen, wo es, wie sie gehört hatte, Häuser billig zu kaufen gab. Vielleicht eines dieser alten Häuschen aus Lehm…

Hätte sie an Gott...



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