Williams | Der Busen | E-Book | sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 352 Seiten

Williams Der Busen

Meisterwerk der Evolution
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-641-09687-8
Verlag: Diederichs
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)

Meisterwerk der Evolution

E-Book, Deutsch, 352 Seiten

ISBN: 978-3-641-09687-8
Verlag: Diederichs
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)



Brüste sind immer und überall - und bleiben doch schöne Unbekannte. Höchste Zeit also für eine Biografie des Busens. Florence Williams, Wissenschaftsjournalistin u.a. der New York Times, schildert seinen Lebenslauf von der Pubertät bis zur Menopause und von der Urzeit bis heute. Die erste umfassende Geschichte von Sinn, Signifikanz und Sprengkraft dieses evolutionären Meisterwerks.

Williams' Porträt des Busens führt durch Anthropologie, Biologie und Medizin, besieht Erotik und Eitelkeiten und lotet obendrein seine Rolle als Wirtschaftsfaktor aus. Ein Werk, unverzichtbar und überfällig.


»Williams präsentiert nackte Tatsachen mit viel Humor. Ein unvoreingenommener Bericht, der unterhält und empört.« Publisher's Weekly
»Außergewöhnlich, skurril und frisch.« Wall Street Journal
»Endlich fällt in einer busenfixierten Kultur ein Wort dazu, dass der Busen noch viel mächtiger ist, als wir ahnen.« Salon
»Ein kluges Buch ... Williams schreibt mit unermüdlichem Witz und Freizügigkeit.« Slate
»Humorvoll, aber todernst.« ABCNEWS.com



Florence Williams ist Wissenschaftsjournalistin und schreibt unter anderem für die New York Times sowie das New York Times Magazine. Sie lebt in Boulder im US-Bundesstaat Colorado.

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Weitere Infos & Material


1 Süßer die Glocken nie klingen Eine Oberweite von 100 Zentimetern und eine gute Portion Beharrlichkeit bringen dich weiter als eine Tasse Kaffee – viel weiter. Jayne Mansfield13 [Brüste] sind ein Körperteil, mit dem wir nicht zur Welt kommen … völlig neue Organe, und zwar gleich zwei, die man nur schwer verstecken oder loswerden kann, fest verhaftet, sichtbar für alle Welt … Zwillingsboten, die von unserem Kontrollverlust künden und davon, dass die Natur Pläne mit uns hat, über die wir nicht zurate gezogen wurden. Francine Prose14 Wenn Jayne Mansfield und Mae West eines verstanden hatten, dann war es die Macht ihrer üppigen Gaben. In ihren Memoiren schreibt West 1959, dass sie sich schon als Teenager regelmäßig Kakaobutter auf die Brüste schmierte und anschließend kaltes Wasser auf sie spritzte. »Diese Behandlung machte sie weich und fest und förderte die Spannkraft, die sie schön oben hielt, dort, wo sie sein sollten.«15 Mit ihren abenteuerlichen Tipps für einen schönen Busen befindet sich West in bester Gesellschaft. Im Internet findet man Lotionen, Pillen, Pumpen, Brustübungen, ja, sogar ein YouTube-Video, das zeigt, wie man mithilfe des Photoshop-Werkzeugs »Liquefy« auf Bildern den Busen vergrößert. In unserer Kultur zieht eine Frau mit einer großen Oberweite die Aufmerksamkeit auf sich. So hört man jedenfalls; ich trage lediglich die traditionelle amerikanische Durchschnittskörbchengröße B.16 Bekannte erzählen mir, mit einem großen Busen gehe man durch die Welt, als hänge einem eine Leuchtreklame um den Hals. Männer, Frauen, kleine Kinder – alle starren einen an. Der Blick bleibt einfach daran hängen. Manche Männer atmen schwer. Es überrascht nicht, dass einige Anthropologen die weibliche Brust als »Signal« bezeichnen. Ein Busen, so heißt es, müsse etwas darüber aussagen, wie fit, reif, gesund und mütterlich seine Trägerin ist. Warum hat sie sonst einen? Alle Säugetiere besitzen Milchdrüsen, doch keines hat wie wir »Brüste«, die in der Pubertät sprießen und sich unabhängig vom reproduktiven Status munter zeigen.17 Der Busen ist mehr als nur eine Milchdrüse; er enthält auch einen großen Anteil Fett- und Bindegewebe, das als Stroma bezeichnet wird. Damit eine Brustdrüse ein Kind ernähren kann, muss sie nicht größer sein als eine halbe Eierschale. Eine großer Busen ist gar nicht nötig. Neben dem aufrechten Gang, der Sprache und der fehlenden Körperbehaarung ist der Busen in seiner weichen, mit Stroma gefüllten Pracht eines der prägenden Charakteristika der Menschheit. Doch anders als Zweifüßigkeit und Felllosigkeit findet sich der Busen nur bei einem Geschlecht (zumindest meistens). Und ein solches Merkmal hat sich, wie Darwin betonte, häufig zu einem Sexualsignal für mögliche Partner entwickelt. Aber ein Signal wofür? Und erklärt das, wie und warum der Mensch die Busen-Lotterie gewonnen hat? Viele Wissenschaftler nehmen das zumindest an und widmen einen großen Teil ihrer Karriere der Beantwortung dieser Fragen. Sicher ist schon mal, dass die Forschung Spaß macht. Es ist immerhin nicht schwer, Versuchsanordnungen zu entwerfen, die zeigen, dass Männer auf Brüste stehen. Viel kniffliger ist es, den Beweis dafür zu erbringen, dass das evolutionsgeschichtlich etwas zu bedeuten hat. Ich setzte meine Hoffnung auf die kreativen Experimente, die Alan und Barnaby Dixson durchführen, ein Team aus Vater und Sohn, das mit institutioneller Unterstützung Busen beobachtet. Beide forschen im neuseeländischen Wellington, und haben Studien zur männlichen Präferenz in Bezug auf Größe, Form und Brustwarzenfarbe sowie auf die Statur und die sexuelle Attraktivität der Frauen in Samoa, Papua-Neuguinea, Kamerun und China veröffentlicht. Alan, ein renommierter Primatenforscher und ehemaliger wissenschaftlicher Direktor des Zoos von San Diego, steuert sein Wissen im Bereich Sexualität der Primaten für die gemeinsamen Projekte bei, während Barnaby, frisch promovierter Kulturanthropologe, ein Talent für Computergrafiken und großen Eifer für die Feldforschung mitbringt. Ich lernte Barnaby an einem stürmischen Herbsttag in Wellington kennen. Für seine 26 Jahre und ungeachtet seiner Locken, die ihm auf den Kragen seines Fischerpullovers fielen, wirkte er sehr ernst. Er war fahrig, hatte die Stirn in Dauerfalten gelegt und verschlampte alles Mögliche, zum Beispiel seine Parkquittung. Es ist nicht leicht, Experte für Sexsignale zu sein. »Manchmal glauben die Leute, dass ich mit staatlichem Geld Busen anglotze. Sie missverstehen, was wir hier tun«, sagte Barnaby mit sprödem britischen Akzent. In Ländern wie Samoa, das heute weitgehend missioniert ist, sei es eine heikle Angelegenheit, wenn man Männer zu beschreiben bittet, welche Art von Brüsten ihnen am besten gefallen. Manche Männer, so Barnaby, halten ihn für »pervers« und werden wütend. Männern, die etwas getrunken haben, geht er aus dem Weg. Und in der akademischen Welt gelangt er nur schwer an Zuschüsse, da auch die Brustkrebsforschung und anderes mehr finanziert werden muss. »Ich hätte wahrscheinlich Arzt werden sollen«, sagte er. »Aber ich bin ziemlich zart besaitet.« In seinem jüngsten digitalen Experiment setzt Barnaby ein Gerät zur Aufzeichnung von Augenbewegungen ein, das EyeLink 1000, ausgestattet mit einer Spezialsoftware. Die 60 000 Dollar teure Ausrüstung ist in einem kleinen unscheinbaren Raum in der Psychologischen Fakultät der Victoria-Universität untergebracht, auf dessen Tür »Labor Wahrnehmung / Aufmerksamkeit« steht. Der sogenannte Eyetracker sieht aus, als stamme er aus der Praxis eines Augenarztes. Man legt das Kinn in eine Mulde und die Stirn gegen eine Stütze. Dann sieht man durch kleine Linsen. Doch statt einer Pyramide aus Buchstaben blitzen die Bilder nackter Frauen über den Computerbildschirm. Liefen gewöhnliche Sehtests so ab, würden Männer ihre Augen bestimmt häufiger untersuchen lassen. An dem Tag, an dem ich das Labor besuchte, nahm ein Ökologie-Doktorand namens Roan als Freiwilliger an dem Versuch teil. In Jeans und T-Shirt wartete er, während Barnaby das Gerät einstellte. Dann erklärte Barnaby den Test. Roan würde sich sechs Bilder ansehen, alle von demselben wohlgeformten Model, die jedoch jeweils digital verändert wurden. Roan sollte jedes Bild binnen fünf Sekunden über die Tastatur auf einer Skala von eins bis sechs bewerten, vom am wenigsten attraktiven bis zum attraktivsten. Die Fotos wiesen kleinere und größere Brüste und ein unterschiedliches Taille-Hüft-Verhältnis auf. Diese beiden Maße, die Brust und das sogenannte THV (das angibt, wie kurvenreich ein Körper ist), sind die Verkehrssprache für »Attraktivitätsstudien«, die, ob man es glaubt oder nicht, eine anerkannte Unterabteilung der Anthropologie, der Soziobiologie und der Neuropsychologie sind. Der Theorie zufolge sagt die Art, wie Männer und Frauen einander taxieren, etwas über uns und unsere Evolution aus. Der Eyetracker lügt nicht. Das Gerät zeigte genau, wo Roan genau hinsah, während er zu einer Entscheidung kam. Wie Barnaby mir vorher erklärt hatte, zeichnete der Eyetracker die Bewegung von Roans Pupillen bis zu einem hundertstel Grad auf und hielt fest, wie lang sein Blick auf jedem Körperteil verweilte. »Das Schöne am Eyetracker ist, dass er uns ein Maß für die Verhaltensreaktion liefert. Man kann buchstäblich messen, wie sich das Auge verhält, während ein Urteil über die Attraktivität gefällt wird«, so Barnaby. Die Prozedur dauerte nur wenige Minuten. Als sie vorbei war, hatte Roan einen rötlichen Schimmer im Gesicht. Roan blieb noch, um sich die Ergebnisse anzusehen. Barnaby rief verschiedene akkurate Grafiken und Berechnungen auf. Mehrere grüne Ringe lagen auf dem abgebildeten Körper des Models. Sie zeigten jeden Moment, in dem Roans Augen kurz verweilt hatten. Einige der Ringe lagen auf dem Gesicht, einige auf den Hüften, ziemlich viele auf den Brüsten. Barnaby erläuterte die Grafik, während er die Daten überprüfte. »Roan beginnt bei den Brüsten, sieht dann auf das Gesicht, dann auf die Brüste, dann in die Schamgegend, auf Taille, Gesicht, Brüste, Gesicht, Brüste. Jedes Mal verweilt sein Blick am längsten auf den Brüsten.« Roans Blick ruhte bei jeder »Fixation« länger auf dem Busen als irgendwo sonst. Die schlankeren Versionen des Models mit größeren Brüsten bewertete er als attraktiver. Anders ausgedrückt: Roan verhielt sich wie die meisten Männer und genau so, wie es auch Jayne Mansfield vorhergesagt hätte. Sie hätte der Victoria-Universität eine Menge Kleingeld sparen können. Barnabys Eyetracker-Ergebnisse mögen naheliegend sein, aber für einen Wissenschaftler sind Daten das Wichtigste. Er stand kurz davor, seine Studie in der Zeitschrift Human Nature zu veröffentlichen.18 Sie sollte eine weitläufig akzeptierte Hypothese stützen, nach der sich der Busen als Signal entwickelte, das Schlüsselinformationen an mögliche Partner aussendete. Deshalb wandere der Blick der Männer, wenn sie ein Bild betrachten, schon nach etwa 200 Millisekunden zum Busen – ja, Millisekunden. »Dieser Theorie zufolge waren Jugend und Fruchtbarkeit wichtige Merkmale bei der Partnerwahl unserer Vorfahren«, sagte Barnaby. »Es ist also nur logisch, dass sie nach Merkmalen auswählten, die Paarungswert, Jugend, Gesundheit und Fruchtbarkeit signalisieren.« Ihm zufolge war der Busen für die Männer nützlich. Weil Männer die...


Williams, Florence
Florence Williams ist Wissenschaftsjournalistin und schreibt unter anderem für die New York Times sowie das New York Times Magazine. Sie lebt in Boulder im US-Bundesstaat Colorado.



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