E-Book, Deutsch, 177 Seiten
Blatz / Kraus / Haghani Gestärkt aus der Krise
1. Auflage 2006
ISBN: 978-3-540-29417-7
Verlag: Springer-Verlag
Format: PDF
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Unternehmensfinanzierung in und nach der Restrukturierung
E-Book, Deutsch, 177 Seiten
ISBN: 978-3-540-29417-7
Verlag: Springer-Verlag
Format: PDF
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Die Zahl von Unternehmenskrisen hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Betroffene Firmen müssen restrukturiert werden. Es ist heute unstrittig, dass neben der Verbesserung des operativen Geschäfts und der strategischen Neuausrichtung auch die Neuordnung der Unternehmensfinanzierung elementarer Bestandteil einer Restrukturierung ist. Notwendig ist hierfür die Beherrschung des Corporate-Finance-Instrumentariums. Dieses Buch zeigt die sich daraus ergebenden Herausforderungen und Lösungen. Dabei steht die Steigerung des Unternehmenswerts im Vordergrund. Anhand mehrerer anonymisierter Fallstudien wird detailliert aufgezeigt, wie sich die finanzielle Restrukturierung in der Praxis umsetzen lässt und damit die Weichen für einen erfolgreichen Expansionskurs gestellt werden. Das Buch richtet sich vor allem an Praktiker, die sich einen fundierten Überblick über neue Entwicklungen im Bereich Rekapitalisierung von Unternehmen verschaffen wollen.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1;Vorwort;6
2;Inhaltsverzeichnis;10
3;1. Teil: Erfolgsfaktoren der Restrukturierung in Deutschland – neue Herausforderungen an die Unternehmensfinanzierung;14
3.1;Innovative Konzepte zur Krisenbewältigung –eine aktuelle Bestandsaufnahme;16
3.1.1;1 Einführung;16
3.1.2;2 Der „klassische“ RBSC-Restrukturierungsansatz;19
3.1.3;3 Innovative Wege aus der Krise;21
3.1.4;4 Fazit: schnell konsolidieren, schnell wieder wachsen;31
3.1.5;Literaturverzeichnis;34
3.2;Unternehmenssanierung in Deutschland – die wirtschaftliche Lage bleibt angespannt, doch Restrukturierungen bieten klare Chancen;36
3.2.1;1 Ökonomische Situation in Deutschland;36
3.2.2;2 Erfolgsfaktoren in der Restrukturierung;39
3.2.3;3 Fazit und Ausblick;43
3.3;Rekapitalisierung – neue Wege der Unternehmensfinanzierung;44
3.3.1;1 Die Neuordnung der Finanzen als dritte Dimension der Restrukturierung;44
3.3.2;2 Alternative Finanzierungsoptionen als Konkurrenz für das klassische Darlehen;45
3.3.3;3 Ein Konzept als Basis für Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum;47
3.3.4;4 Fazit und Ausblick;49
3.4;Aus der Krise zur Wertsteigerung: Wie Unternehmen in der Restrukturierung hohe Renditen erreichen können;50
3.4.1;1 Krisenunternehmen müssen hohe Renditeerwartungen erfüllen;50
3.4.2;2 Die Restrukturierung von Krisenunternehmen;52
3.4.3;3 Den Wert des Unternehmens steigern – auch und gerade in der Restrukturierung;56
3.4.4;4 Fazit: Restrukturierungen haben ein großes Wertsteigerungspotenzial – man muss es nur realisieren;59
3.4.5;Literaturverzeichnis;60
3.5;Finanzielle Restrukturierung mittelständischer Unternehmen;62
3.5.1;1 Gestörte Vertrauensbasis zwischen Banken und Unternehmen;62
3.5.2;2 Handlungsoptionen der involvierten Banken;63
3.5.3;3 Handlungsoptionen des Krisenunternehmens;65
3.5.4;4 Anforderungen an ein überzeugendes Restrukturierungskonzept;67
3.5.5;5 Vereinbarungen mit den Finanzpartnern;68
3.6;Veränderte Anforderungen an die Due Diligence;72
3.6.1;1 Due Diligence im Wandel der Zeit;72
3.6.2;2 Die Arten der Due Diligence;72
3.6.3;3 Besonderheiten in der Restrukturierung und Insolvenz;77
3.6.4;4 Neue Trends im Due-Diligence-Prozess;79
4;2. Teil: Ergebnisse aktueller Studien von Roland Berger Strategy Consultants;82
4.1;Deutsch-europäischer Restrukturierungs-Survey 2004/05 – Ergebnisse und Handlungsempfehlungen;84
4.1.1;1 Ergebnisse der Umfrage;84
4.1.2;2 Zusammenfassung der Studienergebnisse und Handlungsempfehlungen;94
4.2;Distressed Debt in Deutschland aus Sicht der Banken;96
4.2.1;1 Einleitung;96
4.2.2;2 Wesentliche Ergebnisse der Studie;97
4.2.3;3 Fazit und Ausblick;110
5;3. Teil: Die finanzielle Restrukturierung in der Praxis – Fallbeispiele;112
5.1;Finanzielle Restrukturierung eines Pharmaunternehmens;114
5.1.1;1 Das Unternehmen;114
5.1.2;2 Bestandteile des Restrukturierungskonzeptes;116
5.1.3;3 Finanzielle Restrukturierung;118
5.2;Sanierung und Kapitalmarkt – Wachstumsfinanzierung sichert die Restrukturierung ab;126
5.2.1;1 Einleitung;126
5.2.2;2 Ausgangssituation;126
5.2.3;3 Die Restrukturierung;129
5.2.4;4 Fazit und Ausblick;140
5.3;Restrukturierung und Rekapitalisierung des HD Co.-Konzerns;142
5.3.1;1 Einleitung;142
5.3.2;2 Ausgangssituation zu Beginn der Restrukturierung;143
5.3.3;3 Das Restrukturierungskonzept im Überblick;146
5.3.4;4 Erfahrungen zur Übertragbarkeit und Anwendbarkeit des Rekapitalisierungsansatzes;154
5.4;Rückkehr auf den Wachstumspfad – die Restrukturierung und Rekapitalisierung der Wind AG;156
5.4.1;1 Einleitung;156
5.4.2;2 Die Situation zu Beginn der Restrukturierung;156
5.4.3;3 Das Restrukturierungskonzept im Überblick;159
5.4.4;4 Übertragbare Erfahrungen zur Anwendbarkeit des Rekapitalisierungsansatzes;164
5.5;Einsatz von Desinvestitionen bei der Restrukturierung der KML-Gruppe;168
5.5.1;1 Einleitung;168
5.5.2;2 Unternehmensprofil und Entwicklung bis zur Krise;169
5.5.3;3 Die Krise und das Sanierungskonzept;171
5.5.4;4 Vorgehen bei der Selektion von Desinvestitionsobjekten;174
5.5.5;5 Erkenntnisse und Ansätze eines allgemeinen Modells;181
5.5.6;Literaturverzeichnis;184
6;Autorenverzeichnis;186
Aus der Krise zur Wertsteigerung: Wie Unternehmen in der Restrukturierung hohe Renditen erreichen können (S. 37-38)
Karsten Lafrenz
1 Krisenunternehmen müssen hohe Renditeerwartungen erfüllen
Unternehmen in Deutschland agieren in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld. Als Beispiel dafür seien nur einige Indikatoren genannt, die die Debatte über den Standort Deutschland wesentlich beeinflussen: Deutschland weist eine strukturell hohe Arbeitslosigkeit auf, die im Zusammenwirken mit der rückläufigen Bevölkerungsentwicklung zu einer enormen Belastung der Sozialsysteme und damit zu hohen Staatsausgaben führt. Zu deren Finanzierung ist der Staat zum einen auf hohe Einnahmen angewiesen, woraus enorme Steuerbelastungen der Bürger und Unternehmen resultieren, zum anderen gehen die beträchtlichen Sozialausgaben der öffentlichen Hand zu Lasten der Investitionen. Vor diesem Hintergrund hat das Wirtschaftswachstum 2004 nur rund 1,5% betragen, und auch die Prognosen für 2005 versprechen keine Verbesserung.
Wie eine von Roland Berger Strategy Consultants erstellte Studie ergeben hat, zeigen 42% der befragten Unternehmen unter diesen ökonomischen Rahmenbedingungen Krisensymptome, die ein Gegensteuern des Managements erforderlich machen. Für eine erfolgreiche Restrukturierung ist in den meisten Fällen die Zuführung neuen Kapitals erforderlich, da die bisherige Eigenkapitalreserve in der Regel aufgezehrt ist bzw. die Liquidität nicht ausreicht, um Maßnahmen zur Krisenbekämpfung durchzuführen. So zeigt eine weitere Untersuchung, dass 65% der Unternehmen, die den Turnaround geschafft haben, neues Kapital zugeführt wurde. Angesichts der Tatsache, dass diese Unternehmen in einer umfassenden Restrukturierung steckten, stellt sich eine entscheidende Frage: Wie kann dieses Kapital beschafft werden?
Bei den in Deutschland üblichen Finanzierungsmöglichkeiten erfolgte eine Finanzierung in einer Krisensituation in der Vergangenheit nahezu ausschließlich durch die Hausbanken der betroffenen Unternehmen. Es ist aber festzustellen, dass das Kreditvolumen an Unternehmen seit 2001 um 6,5% zurückgegangen ist. Man kann davon ausgehen, dass Krisenunternehmen von diesem Trend überproportional betroffen sind. Die Bereitschaft der „klassischen" Geschäftbanken zur Finanzierung von Krisenunternehmen lässt insbesondere wegen der risikobezogenen Eigenkapitalhinterlegung im Rahmen der Vorschläge von Basel II und des Ertragsdrucks der Banken immer mehr nach. In der Konsequenz sind die Unternehmen gezwungen, alternative Finanzierungsformen und -quellen zu suchen.
Eine Möglichkeit dazu bieten die Private-Equity- und Hedge-Fonds-Gesellschaften, die stark in den deutschen Markt drängen und sich sowohl am Eigenkapital als auch am Fremdkapital von Unternehmen beteiligen. Als prominente Beispiele seien hier auf der Eigenkapitalseite die Investments von KKR in Auto-Teile Unger oder der Texas Pacific Group bei Friedrich Grohe genannt, auf der Fremdkapitalseite sind die Investments von Goldman Sachs bei Ihr Platz oder von LoneStar bei dem Problemkreditportfolio der Dresdner Bank anzuführen. Auch im Fall der Restrukturierung des angeschlagenen KarstadtQuelle-Konzerns, die 2004/2005 Schlagzeilen machte, sind angelsächsische Private-Equity- und Hedge-Fonds-Gesellschaften aktiv.
Auf Grund der Risikoposition des Investments in Krisenunternehmen erwarten Investoren, die in derart angespannten Situationen neu in das Unternehmen investieren, aber eine Rendite, die die betroffenen Unternehmen nur in Ausnahmefällen als Erträge bzw. Zinsen erwirtschaften können. Unternehmenskredite, die in Krisensituation deutlich niedriger als mit der Rating-Klasse BB einzustufen sind, liegen aktuell deutlich über einem Zinssatz von 8%, die Renditeerwartungen von Private-Equity-Gesellschaften bewegen sich meist oberhalb einer Basis von 15 bis 20% (siehe Abbildung 1). Unternehmen sind daher in diesem Umfeld verstärkt darauf angewiesen, dass Rendite für die Investoren auch in Form einer Wertsteigerung des Unternehmens generiert wird.




