E-Book, Deutsch, Band 2, 400 Seiten
Callen Eine Farm im Outback
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7517-2411-1
Verlag: beHEARTBEAT
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Eine fesselnde Liebesgeschichte über Familie, Gemeinschaft und eine zweite Chance für sich selbst
E-Book, Deutsch, Band 2, 400 Seiten
Reihe: Liebe unter der Sonne Australiens
ISBN: 978-3-7517-2411-1
Verlag: beHEARTBEAT
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Manchmal muss man sich selbst erlauben, sich zu verlieben.
Ihr Bruder Seth ist alles, was Kree von ihrer Familie geblieben ist. Als er von einem abendlichen Lauf nicht zurückkehrt, ist ihre Sorge unendlich groß. Im Outback entscheiden Stunden über Leben und Tod. Seth wird jedoch gerade noch rechtzeitig gefunden. Um sich bei den Menschen in Glenalla zu revanchieren, beschließt Kree, ihren Aufenthalt in Australien zu verlängern. Wenig später hat sie sich in die eingeschworene Dorfgemeinschaft verliebt - und in Ewan, Seths Retter ...
eBooks von beHEARTBEAT - Herzklopfen garantiert.
Alissa Callen lebt in einem kleinen Streifen ländlichen Australiens im Westen von New South Wales. Als ehemalige Lehrerin und Rechtsberaterin interessiert sie sich noch immer für die Lebensgeschichten von Menschen. Daneben hat sie eine Schwäche für historische Häuser und Gärten, für die sie auch stundenlang über ihren Kontinent fährt. Für ihre Romane lässt sie sich von der ländlichen Umgebung um sich herum inspirieren. Wenn sie nicht gerade schreibt, kümmert sie sich um ihre vier Kinder, drei Hunde, zwei Pferde und eine ständig weglaufende Kuh, die denkt, das Gras sei auf der anderen Seite des Zauns tatsächlich grüner.
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1
Habe ihn gefunden. Lebend.
Ewan Mackenzie starrte auf die Textnachricht, die er von Travis bekommen hatte. Der Lärm und die Geschäftigkeit in der Kommandozentrale des Outback-Rettungsdienstes hinter ihm verebbten zu einem unbestimmten Murmeln. Drei schlichte Worte, und die Welt konnte wieder aufatmen. Sämtliche Polizeieinheiten, Notfallhelfer, Bauern und Bewohner von Glenalla, die nach dem vermissten amerikanischen Rucksacktouristen gesucht hatten, konnten jetzt ihr normales Leben wiederaufnehmen.
Erleichterung verdrängte Ewans Erschöpfung, und die Anspannung, die ihn fester als jeder Druckverband im Griff gehalten hatte, löste sich langsam. Der achtzehnjährige Urlauber, der sich nach der Schule ein Jahr Pause gönnte, war nicht der Weite und Einsamkeit des australischen Busches zum Opfer gefallen. Zum ersten Mal seit zwei Tagen spürte Ewan die Sonne, die ihm die Haut wärmte, und nahm das Knistern wahr, mit dem der Herbstwind durch die von Silber überzogenen Gummibäume in der Nähe fuhr.
Seine Hand zitterte, und vor seinen Augen verschwammen die Buchstaben auf dem kleinen Bildschirm. Er schob das Handy in die Tasche seiner Jeans und wischte sich die kalten Handflächen an dem verstaubten Denim-Stoff seiner Hose ab. Das Zittern in seinen Fingern setzte sich bis in seine Schultern fort.
Allem Anschein nach spielte es keine Rolle, wie oft er dem Rettungsdienst dabei half, einen Fall zu einem positiven Abschluss zu bringen, das Blut, das er an den Händen hatte, würde sich niemals abwischen lassen.
Von der Ladefläche des Ute, der direkt vor ihm stand, drang das Klopfen von Whiskeys Schwanz in Ewans Ohr. Der Kelpie sah ihn mit Nervosität im Blick an und begann zu winseln. Ewan unterdrückte seine Gedanken und schob seine Qual zurück in die tiefe Grube, in die sie gehörte. Whiskey spürte jede seiner Stimmungen, und der Hund sollte nicht seine Schuld mit sich herumtragen.
»Alles in Ordnung, Kumpel«, sagte er mit sanfter Stimme und kraulte dem Kelpie das dichte schwarz-braune Fell. »Alles ist gut. Unsere Arbeit ist erledigt. Sie haben Krees Bruder gefunden.«
Whiskey schmiegte sich enger an ihn, als wäre er noch nicht überzeugt. Ewan zwang sich, eine Leichtigkeit, die er nicht empfand, in seine Stimme zu legen. »Wir fahren nach Hause, Whisk. Im Kühlschrank im Schuppen ist kaltes Bier, und wenn du Glück hast, hat Midget den Knochen nicht gefunden, den du unter dem Orangenbaum vergraben hast.«
Noch einmal kraulte er Whiskey den Hals, und sein vierbeiniger Freund schloss die Augen. Aber Whiskeys Zufriedenheit löschte die Leere nicht aus, die sich jetzt langsam in Ewan ausbreitete. Jetzt, wo Seth Garrett gefunden worden war, würde dessen dunkelhaarige Schwester, die eine ganze Nacht lang hierher geflogen war, um bei der Suche nach ihm zu helfen, nach Hause zurückkehren.
Von dem Augenblick an, in dem Kree in die Blechhütte getreten war, in der die provisorische Kommandozentrale untergebracht war, hatte ihr trauriges, tapferes Lächeln seine Abwehrmechanismen ausgehebelt. Winterlich bleich und hübsch, wie sie war, hatte ihre stille Tapferkeit etwas in ihm berührt, von dem er geglaubt hatte, dass es längst gestorben sei.
Er wusste, wie viel Kraft es kostete, weiterzumachen, wenn die Welt um einen herum zusammenbrach. Doch trotz dieses Gefühls der Verbundenheit hatte sein Instinkt ihn gewarnt, sich von der attraktiven Amerikanerin fernzuhalten. Es war ihm gelungen, auf höfliche Weise Abstand zu halten, bis sie gestern nach dem Lunch zu ihm gekommen war, als er gerade die Karte studierte, die er auf dem Dach seines Ute ausgebreitet hatte.
»Ewan? Ewan Mackenzie?«, hatte sie in ihrem weich klingenden, schön modulierten Tonfall gefragt.
Ein Hauch von Vanilleduft war ihm in die Nase gestiegen, ehe er sich umgedreht und ihr in die blauen Augen gesehen hatte. Sein Herzschlag war ins Stolpern geraten. »Ja.«
»Der alte Harry sagt, Sie fliegen die nächste Erkundungstour in Travis’ Maschine?«
Mit trockener Kehle hatte Ewan genickt.
Sie streckte ihm die Hand entgegen. »Vielen Dank.«
»Keine Ursache.« Er zögerte, dann jedoch akzeptierte er die allgemein anerkannte Geste der Dankbarkeit. »Wir tun alles, um Ihren Bruder zu finden.«
»Ich weiß.« Ihre Stimme war leiser geworden, und ihre feingliedrigen Finger hatten sich um seine geschlossen, als würden sie dorthin gehören. Mit geöffneten Lippen hatte sie ihn eine Sekunde lang voller Ernst angesehen, eine zweite verstrich, und erst dann hatte sie ihre Hand mit zitternden Fingern aus der seinen gelöst.
»Noch einmal vielen Dank.«
Lange nachdem sie in die Hütte zurückgekehrt war, konnte Ewan sein Herz noch immer schlagen hören. Nicht einmal der Kompass, der auf der Karte vor ihm nach Norden wies, hatte es geschafft, ihn wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Nie zuvor hatte ihn ein flüchtiges Lächeln in den Augen einer Frau so sehr berührt.
Er hörte auf, Whiskey zu streicheln, und der Kelpie stieß ihm protestierend die große Vorderpfote gegen den Unterarm.
Ewan schüttelte den Kopf. »Wir müssen gehen, Whisk. Die Arbeit auf der Farm hat sich nicht von allein erledigt, während wir weg waren.«
Er griff nach dem zusammengerollten Schlafsack zu seinen Füßen. Es war nicht nötig, Kree zu suchen und ihr zu sagen, dass Seth in Sicherheit war. Travis hatte dem Leiter der Kommandozentrale sicherlich geschrieben, sodass sie die Nachricht umgehend erhalten hatte. Genauso unnötig war es, sie in ihrer Freude zu stören, um sich zu verabschieden. Es stand ihm nicht zu, ihre Erleichterung zu teilen oder Dank zu erwarten. Es war genug, dass er geholfen hatte, ein Leben zu retten. Besser, er fuhr nach Hause, nach Marellen. Er hatte ein flüssiges Frühstück in Form von zu heißem Kaffee zu sich genommen, und seine Ausrüstung war schon zusammengepackt, bereit für eine weitere Frühschicht als Erkundungsflieger in Travis’ leichter Cessna.
Er warf den Schlafsack und die Stofftasche, die danebenstand, auf den Ute. Hinter ihm verbreiteten sich die guten Nachrichten schneller als ein vom Wind getriebenes Buschfeuer. Er konnte hören, wie die Leute sich auf die Schultern schlugen, wie Witze gerissen wurden und lange nicht gehörtes Gelächter ertönte, in dem sich die Anspannung auflöste, die wie eine düstere Wolke über ihnen gehangen hatte. Er musste hier weg, bevor von ihm erwartet wurde, dass er sich der Jubelfeier anschloss. Er würde nachsehen, ob er das Aufladegerät seines Handys eingepackt hatte, und machen, dass er weg kam.
Whiskeys Ohren zuckten, und sein Schwanz schlug mit solcher Wucht auf die Ladefläche des Ute, dass Ewan zu hören glaubte, wie die Stoßdämpfer einen Fluch ausstießen. Er hielt mitten im Schließen des Reißverschlusses der Stofftasche inne. Es gab nur einen Menschen in der Kommandozentrale, der Whiskey dazu bringen konnte, sich wie ein hyperaktiver Welpe zu benehmen.
Kree Garrett.
Ewan drehte sich langsam um, und mit jedem Grad der Drehung gewann er ein Stück seiner Selbstbeherrschung zurück. Er hatte bereits zugelassen, dass Erschöpfung und Gefühle ihn schwächten. Er war nicht mehr so wachsam gewesen und hatte Kree an sich herangelassen. Mehr Risse in seiner Rüstung konnte er sich nicht erlauben. Er durfte nicht mehr daran denken, wie perfekt ihr Körper zu seinem gepasst hatte, als er sie kurz in den Armen gehalten hatte, um sie zu trösten, nachdem sich eine Sichtung von Seth als falscher Alarm herausgestellt hatte. Und er durfte auch nicht noch mehr Sehnsucht nach Dingen zulassen, die zu besitzen er niemals wieder ein Recht haben würde.
Aus dem Augenwinkel nahm er einen schwarz-braunen Blitz wahr, als Whiskey von dem Ute herunter auf den Boden sprang. Ewan zog sich den Akubra-Hut vom Kopf und fuhr sich mit der Hand durch sein verstrubbeltes Haar. Na wunderbar! Whiskeys Begeisterung für die Amerikanerin mit der sanften Stimme würde es ihm unmöglich machen, sich unauffällig davonzustehlen. Ewan hielt sich den Hut vors Gesicht, um seinen Gesichtsausdruck zu verbergen, ehe er ihn sich wieder auf den Kopf setzte und die Krempe tief in die Stirn zog. Kree war noch nicht einmal zwei Tage lang auf australischem Boden, aber sein Selbstschutz hatte angesichts ihres feines Gespürs gleich Alarm geschlagen. Sie hatte so eine Art, in seinem Gesicht nach dem zu suchen, was er ihr nicht erzählte, die gefährlich war, so gefährlich wie eine in die Enge getriebene Braunschlange.
Kree beugte sich hinunter, um Whiskey den Bauch zu kraulen. Der Hund warf sich hingerissen zu Boden und war nur noch ein Bündel im roten Sand zu ihren Füßen. Eins seiner Hinterbeine zuckte, als sie ihn an seiner Lieblingsstelle kitzelte. Sie lachte ein melodiöses, weiches Lachen und klang vor Erleichterung ganz gelöst.
Ewan verschränkte die Arme und sah an dem Mädchen und dem Hund vorbei nach der breiten, von Bäumen gesäumten Schotterstraße, die ihn nach Hause bringen würde. Es spielte keine Rolle, dass er Kree nun endlich lachen gehört hatte oder dass dieses Lachen sein Herz, in dem schon so lange eine eisige Kälte herrschte, an den Rändern gewärmt hatte. Sie würde schon bald zurück in die Vereinigten Staaten fliegen.
Kree richtete sich auf, fuhr aber fort, Whiskeys Bauch mit der Spitze ihres Schnürstiefels zu streicheln. Mit einem Grinsen sagt sie zu dem Hund: »Von wegen du bist ein harter Brocken, Whiskey, du bist nichts weiter als ein großes Baby.«
Unter seinen verschränkten Armen ballte Ewan die Hände zu Fäusten. Aschfahl und mit dem achtlos gebundenen Pferdeschwanz, zu dem sie ihr braunes Haar zusammenfasst hatte, war sie hübsch gewesen. Jetzt aber, wo Farbe ihre Wangen überzog und Glück in ihren Augen leuchtete, war sie, nun ja,...