Engström | Wie Rosenblätter im Wind | E-Book | sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 160 Seiten

Reihe: MIRA Taschenbuch

Engström Wie Rosenblätter im Wind

Mittsommerhochzeit
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-86278-971-9
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Mittsommerhochzeit

E-Book, Deutsch, 160 Seiten

Reihe: MIRA Taschenbuch

ISBN: 978-3-86278-971-9
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Milla Rosenblad hat ein Geheimnis: Die Liebesnacht mit Mårten ist nicht ohne Folgen geblieben. Jetzt soll ausgerechnet er die Musik für die königliche Hochzeit komponieren, auf der ihre kleine Tochter Blumen streuen wird! Millas Geheimnis ist in Gefahr...



Pia Engström liebt das wunderbare Schweden über alles - das ist wohl auch der Grund, warum sie den Handlungsort für ihre Geschichten hier ansiedelt. Dennoch packt ihren Mann und sie ab und an das Fernweh, und sie haben schon Reisen in einige entlegene Winkel der Erde unternommen. Die Liebe zur ländlichen Umgebung hat sie jedoch nie vergessen, und so verbringt sie möglichst viel Zeit in der freien Natur. Schon als kleines Mädchen wusste sie, was sie später einmal werden wollte: Prinzessin oder Schriftstellerin. Da der erste Wunsch sich nur schwerlich realisieren ließ, hat sie umso härter daran gearbeitet, sich zumindest den zweiten zu erfüllen - inzwischen mit beachtlichem Erfolg.

Engström Wie Rosenblätter im Wind jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


1. KAPITEL


Das Sonnenlicht zauberte goldene Glanzlichter auf die spiegelglatte Oberfläche des Mälarsees. Reglos wie eine Marmorstatue stand Mårten Nylund am Bug des Fährdampfers, nur sein dunkler Mantel flatterte leicht im Fahrtwind.

Es war ein herrlicher Spätnachmittag, wie geschaffen für einen Ausflug ins Grüne. Am wolkenlosen Himmel zogen Möwen langsam ihre Kreise, ihre Schreie vermischten sich mit dem Lachen der Kinder, die ausgelassen zwischen den Sitzbänken herumtollten.

Die Temperaturen waren für Mitte April ungewöhnlich mild. Es schien, als wäre die Natur rund um Stockholm nach einem langen, klirrend kalten Winter endlich aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht. Bunte Frühlingsblumen säumten die Ufer der zahllosen Inseln des Sees, und die ersten zarten Triebe der Bäume schlugen aus. Sanftes Grün und tiefes Blau, so weit das Auge reichte.

Doch Mårtens Miene blieb ernst, beinahe ausdruckslos. Einen Moment wünschte er sich, er könnte die unberührte Schönheit seiner Umgebung einfach nur genießen, die Atmosphäre der Unbeschwertheit in sich aufnehmen und die Erinnerungen hinter sich lassen. Aber die Gefühle, die ihn antrieben, waren zu stark, um sie einfach abzuschütteln.

Wut. Hass.

Was bildete sich Milla eigentlich ein? Glaubte sie wirklich, sie könnte nach all den Jahren plötzlich auftauchen und so tun, als sei alles in bester Ordnung? Erwartete sie ernsthaft, dass er so tat, als wäre nichts geschehen? Ohne Frage verdiente sie für ihr unverschämtes Verhalten eine Lektion. Aber war es seine Aufgabe, ihr diese zu erteilen?

Es war nicht das erste Mal seit seiner Abreise, dass er sich diese Fragen stellte. Er befand sich auf dem Weg nach Kronborg Slott, der Residenz der schwedischen Königsfamilie, die auf der Insel Lovö nahe Stockholm im See Mälaren lag. Hier würden am 19. Juni, also in gut zwei Monaten, die Feierlichkeiten anlässlich der Hochzeit der Kronprinzessin mit ihrem ehemaligen Tanzlehrer und Inhaber einiger Tanzstudios mit Niederlassungen in Stockholm und Umgebung stattfinden. Doch damit hatte Mårten nichts zu tun, er folgte lediglich der Einladung zu einer Spendengala.

Ausgerechnet er, der sich bereits vor zwei Jahren aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte.

Das Ganze war, wenn man es genau betrachtete, vollkommen absurd. Abgesehen vom alten Thorbjörn, der schon seit einer gefühlten Ewigkeit für ihn arbeitete und sich im Laufe der Zeit zu einem väterlichen Freund entwickelt hatte, vermied er den Kontakt zu anderen Menschen völlig. Schon jetzt wünschte er sich zurück zu der alten Mühle, ein paar Kilometer außerhalb von Stockholm, die er damals, auf dem Höhepunkt seiner Karriere, gekauft und aufwendig restauriert hatte.

Nein, er wollte nicht hier sein, ganz gewiss nicht. Die Einladung war von allerhöchster Stelle gekommen, und trotzdem hätte er sie normalerweise einfach ignoriert. Den Ausschlag für seine Entscheidung, ihr schließlich dennoch Folge zu leisten, hatte auch nicht die Tatsache gegeben, dass es sich um die Spendengala einer gemeinnützigen Organisation handelte, für die er sich bereits seit vielen Jahren engagierte. Jedenfalls nicht ausschließlich. Es lag vor allem an dem Namen, der unter dem Einladungsschreiben stand, das ihm vor etwas mehr als zwei Wochen ins Haus geflattert war.

Ein Name, der einige lang verdrängte, unliebsame Erinnerungen in ihm hervorgerufen hatte.

Milla Rosenblad.

Wie konnte sie es wagen, sich nach allem, was zwischen ihnen vorgefallen war, an ihn zu wenden? Hinzu kam, dass alle Welt wusste, dass er nichts mehr mit dem Musikgeschäft zu tun hatte! Die Zeiten, in denen er eine Person des öffentlichen Lebens gewesen war, lagen weit hinter ihm – auch wenn einige Vertreter der Presse das noch immer nicht zu begreifen schienen.

Er würde Milla gewiss nicht den Gefallen tun und den blendend gelaunten Entertainer spielen. Dieser Teil von ihm war vor fast auf den Tag genau zweieinhalb Jahren gestorben. Damals, als …

Er schüttelte den Kopf, wie um die Geister der Vergangenheit zu vertreiben, die ständig in seiner Nähe lauerten. Sie warteten nur auf einen Augenblick der Schwäche, um über ihn herzufallen. Doch dies war weder der richtige Ort noch der passende Zeitpunkt, und so schob er die Erinnerungen so weit wie möglich fort – wohl wissend, dass er ihnen immer nur für kurze Zeit entkommen konnte.

Stattdessen schürte er seine Wut auf Milla, die ihm auf gewisse Weise sogar half, denn sie lenkte ihn von den Geschehnissen ab, die sein Leben nun schon seit geraumer Zeit überschatteten. Wieder und wieder tauchten die Bilder vor seinem geistigen Auge auf, die Bilder von dem Augenblick, als …

Nein, nicht schon wieder! Angespannt fuhr er sich mit der Hand durch sein dichtes schwarzbraunes Haar und zwang sich, wieder in die Gegenwart zurückzukehren. Er musste endlich damit aufhören, ständig über die Vergangenheit nachzugrübeln. Was passiert war, konnte nichts und niemand auf der Welt mehr ändern. Besser, er akzeptierte die Dinge so, wie sie nun einmal lagen.

Überrascht stellte er fest, dass der Dampfer die Insel Lovö fast erreicht hatte. An ihrem Nordostufer hob sich die hellgelbe Barockfassade von Schloss Kronborg prächtig gegen den strahlend blauen Frühlingshimmel ab. Die lange Front des dreistöckigen Hauptgebäudes mit ihren zahllosen Fenstern, Erkern und Torbögen spiegelte sich im Wasser des Sees. Oben auf dem Dach, dessen Schindeln grünlich im Sonnenlicht schimmerten, flatterte an einem Fahnenmast die schwedische Nationalflagge – das Zeichen dafür, dass die königliche Familie anwesend war.

Wie ein Schloss aus den Geschichten seiner Kindheit wirkte es auf Mårten.

Doch die Tage, in denen sein Leben an ein Märchen erinnert hatte, waren längst vorüber. Besser, er fand sich endlich damit ab.

Er würde Milla sagen, was er von ihrer Einladung hielt, und anschließend auf schnellstem Wege wieder nach Hause zurückkehren.

Als das Schiff am Pier anlegte, atmete er noch einmal tief durch und straffte die Schultern.

Dann ging er von Bord.

Zur selben Zeit stand Milla Rosenblad inmitten prachtvoll blühender Blumenrabatten vor Kina Slott, dem chinesischen Pavillon inmitten der idyllischen Parkanlage von Kronborg Slott, und wartete auf Mårten. Obwohl sie nun schon seit mehr als vier Monaten am schwedischen Königshof arbeitete, geriet sie beim Anblick des kleinen, im asiatischen Stil errichteten Lustschlösschens noch immer ins Schwärmen.

Die Fassade erstrahlte in einem leuchtenden Rosarot, goldene Ornamente umfassten die hohen Fenster und Türme, während das geschwungene Dach, das in seiner Form an einen asiatischen Tempel erinnerte, in einem zarten Grün schimmerte. Welches kleine Mädchen träumte nicht von einem Märchenschloss und dem dazugehörigen Märchenprinzen?

Milla schüttelte den Kopf. Sie war jetzt achtundzwanzig und damit längst aus dem Alter heraus, in dem man an solche Dinge glaubte. Sie wartete nicht mehr auf den Ritter in glänzender Rüstung, der mit seinem weißen Pferd kam, um sie zu sich in seine perfekte Welt zu holen, in der weder Sorgen noch enttäuschte Hoffnungen oder zerschlagene Träume existierten. Das Leben hatte sie gelehrt, dass ein solcher Ort nicht existierte – wenigstens nicht in der Welt, die sie kannte.

Reiß dich zusammen, rief sie sich selbst zur Ordnung. Worüber beschwerst du dich eigentlich?

Im Grunde gab es für sie wirklich kaum Anlass, sich zu beklagen. Leider war sie gezwungen gewesen, ihren großen Traum aufzugeben und ihre Stelle als Sängerin an der Stockholmer Oper aufzugeben, als sie von ihrer Schwangerschaft erfuhr. Doch Millas kleine Eventagentur, die sie nach Jannas Geburt gegründet hatte, lief inzwischen recht gut. Damals hatte ihr, abgesehen von ihren beiden Schwestern, niemand zugetraut, dass sie es allein schaffen würde – nicht einmal ihre eigenen Eltern. Zwar konnte sie sich von den Einnahmen auch heute noch keine großen Sprünge erlauben, aber es reichte, um sie und Janna zu ernähren.

Bei dem Gedanken an ihre Tochter huschte ein Lächeln über ihr Gesicht. Janna war ihr Ein und Alles. Jede Minute, die sie von der Vierjährigen getrennt war, kam ihr wie eine Ewigkeit vor. Es fiel ihr unendlich schwer, die Kleine immer wieder in die Obhut eines Kindermädchens geben zu müssen. Doch alles, was sie tat, machte sie nur für Janna. Zugleich fürchtete sie, einen großen Fehler zu begehen. Das Risiko, dass am Ende alles aufflog und sie nicht nur ihren Job, sondern im schlimmsten Fall auch Janna verlor, war nicht gänzlich wegzuleugnen. Und dennoch! Wenn sie es jetzt nicht schaffte, würde sie ihren großen Traum niemals verwirklichen.

Schon seit Langem war es ihr großes Ziel, Schweden endlich den Rücken kehren und woanders noch einmal ganz neu anfangen zu können. Milla benutzte stets zwei Worte, um ihr Heimatland zu beschreiben: konservativ und altmodisch. Das beste Beispiel hierfür stellten ihre eigenen Eltern dar. Sie hatten sich einfach nicht vorstellen können, dass Milla als alleinerziehende Mutter einer kleinen Tochter in der Lage sein würde, ihr Leben zu meistern, und deshalb zu einer sehr drastischen Maßnahme gegriffen.

Doch darüber wollte sie jetzt lieber nicht nachdenken.

Allerdings war genau das einer der...


Engström, Pia
Pia Engström liebt das wunderbare Schweden über alles - das ist wohl
auch der Grund, warum sie den Handlungsort für ihre Geschichten hier
ansiedelt. Dennoch packt ihren Mann und sie ab und an das Fernweh, und
sie haben schon Reisen in einige entlegene Winkel der Erde unternommen.
Die Liebe zur ländlichen Umgebung hat sie jedoch nie vergessen, und so
verbringt sie möglichst viel Zeit in der freien Natur.
Schon als kleines Mädchen wusste sie, was sie später einmal werden
wollte: Prinzessin oder Schriftstellerin. Da der erste Wunsch sich nur
schwerlich realisieren ließ, hat sie umso härter daran gearbeitet, sich
zumindest den zweiten zu erfüllen - inzwischen mit beachtlichem Erfolg.



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.