Gusig / Kruse u.a. / Kruse Fahrzeugentwicklung im Automobilbau
1. Auflage 2010
ISBN: 978-3-446-42468-5
Verlag: Hanser, Carl
Format: PDF
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Aktuelle Werkzeuge für den Praxiseinsatz
E-Book, Deutsch, 278 Seiten
ISBN: 978-3-446-42468-5
Verlag: Hanser, Carl
Format: PDF
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Die Automobilindustrie ist der umsatzstärkste Wirtschaftszweig in Deutschland. In den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen der Hersteller und Zulieferer werden branchenweit 18 Mrd. EUR für neue Fahrzeugkonzepte, Antriebstechnologien und Komponenten aufgewendet. Für den nachhaltigen Erfolg dieses Industriezweigs ist die Leistungsfähigkeit der eingesetzten Produktentwicklungssysteme eine entscheidende Voraussetzung.
Dieses Lehrbuch bietet erstmals eine kompakte Gesamtdarstellung der Entwicklungsaktivitäten in der Automobilindustrie. Anhand der heute eingesetzten Produktentstehungsprozesse werden systematisch die einzelnen Aktivitäten und Methoden vorgestellt. Von der Strategiephase, der Markt- und Wettbewerbsanalyse, dem Target Costing, verschiedenen Kreativitätstechniken bis zum Projektmanagement und der Produktionsprozessoptimierung werden aktuelle Werkzeuge detailliert dargestellt.
Zahlreiche Abbildungen und Beispiele zeigen die Umsetzung in der Praxis. Durch Übungsaufgaben zu den einzelnen Kapiteln kann das Buch sowohl vorlesungsbegleitend als auch zum Selbststudium eingesetzt werden.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1;Vorwort;6
2;Autorenprofile;7
3;Inhaltsverzeichnis;9
4;1 Einführung;12
4.1;1.1 Fahrzeugbau;12
4.2;1.2 Produktentwicklung;13
4.3;Literatur zu 1;15
5;2 Prozesse in der Fahrzeugentwicklung;17
5.1;2.1 Produktentstehungsprozesse;18
5.2;2.2 Projektmanagement;22
5.2.1;2.2.1 Projektmanagementprozesse;22
5.2.2;2.2.2 Herausforderungen in Projekten der Fahrzeugentwicklung;27
5.2.3;2.2.3 Status von Fahrzeugentwicklungsprojekten;28
5.2.4;2.2.4 Besonderheiten des Projektmanagements in Fahrzeugentwicklungsprojekten;30
5.2.5;2.2.5 Gestaltungsfaktoren im Projektmanagement;32
5.3;2.3 Business Case Management;35
5.4;2.4 Prozess-Methoden-Matrix;37
5.5;Literatur;38
6;3 Definitionsphase;40
6.1;3.1 Aufgaben der Definitionsphase;40
6.2;3.2 Produktpositionierung am Beispiel der Emotionalisierung;41
6.2.1;3.2.1 Einordnung der Produktpositionierung;42
6.2.2;3.2.2 Aktuelle Wettbewerbssituation in der Automobilindustrie;42
6.2.3;3.2.3 Herausforderungen der Positionierung;43
6.2.4;3.2.4 Verhaltenswissenschaftliche Ansätze bei Kaufentscheidungen von Automobilen;45
6.2.5;3.2.5 Emotionalisierung von Produkten;46
6.2.6;3.2.6 Emotionale Positionierung in der Automobilindustrie;48
6.2.7;3.2.7 Weiterentwicklung der emotionalen Positionierung;49
6.2.8;Fragen zu 3.2;50
6.2.9;Literatur zu 3.2;50
6.3;3.3 Interkulturelle Aspekte von Projektmanagement;50
6.3.1;3.3.1 Internationalisierung der Produktentwicklung;50
6.3.2;3.3.2 Studien zu interkulturellen Aspekten;53
6.3.3;3.3.3 Notwendigkeit des Beherrschens interkultureller Komponenten bei der Projektarbeit;56
6.3.4;3.3.4 Temporäre interkulturelle Aspekte in zeitlich begrenzten Projekten;56
6.3.5;3.3.5 Permanente interkulturelle Aspekte in Unternehmen;59
6.3.6;3.3.6 Handlungsmöglichkeiten auf Unternehmensebene;61
6.3.7;3.3.7 Umsetzung auf der persönlichen Ebene;63
6.3.8;3.3.8 Schlussfolgerungen für die internationalen Aspekte;64
6.3.9;Fragen zu 3.3;64
6.3.10;Literatur zu 3.3;64
6.4;3.4 Strategisches Management;65
6.4.1;3.4.1 Grundlagen des Strategischen Managements;65
6.4.2;3.4.2 Methoden zur Situationsanalyse;68
6.4.3;3.4.3 SWOT-Analyse;71
6.4.4;3.4.4 Verwandte Analysemethoden und Konzepte;73
6.4.5;3.4.5 Praxisbeispiele;76
6.4.6;Fragen zu 3.4;77
6.4.7;Literatur zu 3.4;77
6.5;3.5 Anforderungsmanagement;77
6.5.1;3.5.1 Anforderungen im Entwicklungsprozess;77
6.5.2;3.5.2 Erstellen von Anforderungslisten;79
6.5.3;3.5.3 Bewertung von Anforderungen;81
6.5.4;3.5.4 Dokumentation von Anforderungen;83
6.5.5;3.5.5 Darstellen von Anforderungen über eine QFD-Analyse;85
6.5.6;3.5.6 QFD-Beispiel Abschleppöse;87
6.5.7;Fragen zu 3.5;89
6.5.8;Literaturzu3.5;89
7;4 Konzeptphase;90
7.1;4.1 Aktivitäten in der Konzeptphase;90
7.2;4.2 Marktforschung in der Fahrzeugentwicklung;92
7.2.1;4.2.1 Problemstellung;92
7.2.2;4.2.2 Qualitative Marktforschung;93
7.2.3;4.2.3 Besonderheiten in der Automobilindustrie;93
7.2.4;4.2.4 Aktueller Stand;94
7.2.5;4.2.5 Methoden;95
7.2.6;4.2.6 Anwendung im Entwicklungsprozess;97
7.2.7;4.2.7 Wettbewerbsvergleichsfahrten in der frühen Konzeptphase der Fahrzeugentwicklung;98
7.2.8;4.2.8 Car Clinics in der Fahrzeugentwicklung;103
7.2.9;4.2.9 Lautes Denken;106
7.2.10;Fragen zu 4.2;109
7.2.11;Literatur zu 4.2;109
7.3;4.3 Wettbewerbsanalyse;110
7.3.1;4.3.1 Definition und Abgrenzung;110
7.3.2;4.3.2 Wettbewerbssituation in der Automobilindustrie;110
7.3.3;4.3.3 Operative Wettbewerbsanalyse durch Benchmarking;113
7.3.4;4.3.4 Wettbewerbsanalyse in der Automobilindustrie;116
7.3.5;4.3.5 Zusammenfassung und Ausblick;118
7.3.6;Fragen zu 4.3;118
7.3.7;Literatur zu 4.3;118
7.4;4.4 Lieferantenmanagement;119
7.4.1;4.4.1 Verbindungen zwischen OEM-Lieferanten;119
7.4.2;4.4.2 Lieferantenmanagement;122
7.4.3;4.4.3 Entwicklungspartnerschaften;123
7.4.4;4.4.4 Synchronisation OEM-Zulieferer;126
7.4.5;4.4.5 Zusammenfassung;128
7.4.6;Fragen zu 4.4;128
7.4.7;Literatur zu 4.4;128
7.5;4.5 Wissensmanagement als Instrument im Produktentstehungsprozess;129
7.5.1;4.5.1 Einleitung;129
7.5.2;4.5.2 Wissensmanagement;129
7.5.3;4.5.3 Abgrenzung der Begriffe Wissen und Informationen;130
7.5.4;4.5.4 Nutzeneffekte des Wissensmanagements;130
7.5.5;4.5.5 Kritische Erfolgsfaktoren des Wissensmanagements;131
7.5.6;4.5.6 Probleme beim Wissenstransfer;132
7.5.7;4.5.7 Instrumente des Wissenstransfer;132
7.5.8;4.5.8 Praxisbeispiel Community of Practice –DaimlerChrysler;135
7.5.9;Fragen zu 4.5;136
7.5.10;Literatur zu 4.5;136
7.6;4.6 Target Costing;136
7.6.1;4.6.1 Grundlagen des Target Costings;137
7.6.2;4.6.2 Ablauf eines Target-Costing-Projektes;139
7.6.3;4.6.3 Vor- und Nachteile desTarget Costings;146
7.6.4;4.6.4 Anwendungsbeispiel;147
7.6.5;Fragen zu 4.6;150
7.6.6;Literatur zu 4.6;150
7.7;4.7 Modularisierung;151
7.7.1;4.7.1 Markt- und Produktkomplexität im Automobilbau;151
7.7.2;4.7.2 Systemarchitektur von Produkten;152
7.7.3;4.7.3 Methodische Ansätze zur Produktmodularisierung im Fahrzeugbau;154
7.7.4;4.7.4 Plattformstrategien;159
7.7.5;4.7.5 Fallbeispiel Modularisierung der Karosserie;161
7.7.6;4.7.6 Vorteile und Weiterentwicklung von Modularisierungskonzepten;163
7.7.7;Fragen zu 4.7;164
7.7.8;Literatur zu 4.7;164
8;5 Entwicklungsphase;165
8.1;5.1 Aktivitäten in der Entwicklungsphase;165
8.1.1;Literatur zu 5.1;166
8.2;5.2 Design to Cost;167
8.2.1;5.2.1 Design toCost Grundverständnis;167
8.2.2;5.2.2 Wertanalyse;170
8.2.3;5.2.3 Funktionsanalyse;174
8.2.4;5.2.4 Life Cycle Costing;176
8.2.5;Fragen zu 5.2;180
8.2.6;Literatur zu 5.2;180
8.2.7;Relevante Normen zu 5.2;180
8.3;5.3 Konstruktionsmethoden;180
8.3.1;5.3.1 Methoden zur Lösungsfindung;180
8.3.2;5.3.2 Denkprozesse;182
8.3.3;5.3.3 Kreativität;184
8.3.4;5.3.4 Konventionelle Methoden;185
8.3.5;5.3.5 Intuitive Methoden;187
8.3.6;5.3.6 Diskursive Methoden;192
8.3.7;Fragen zu 5.3;196
8.3.8;Literatur zu 5.3;196
8.3.9;Relevante Normen zu 5.3;196
8.4;5.4 Auswahl und Bewertungsverfahren;196
8.4.1;5.4.1 Grundlagen für die Lösungsauswahl;197
8.4.2;5.4.2 Einfache Auswahlverfahren;199
8.4.3;5.4.3 Bewertung nach VDI2225;200
8.4.4;5.4.4 Nutzwertanalyse;203
8.4.5;5.4.5 Wirtschaftliche Bewertungsverfahren;209
8.4.6;Fragen zu 5.4;212
8.4.7;Literatur zu 5.4;212
8.4.8;Relevante Normen zu 5.4;212
8.5;5.5 Entwicklungsbegleitende Kostensimulation;212
8.5.1;5.5.1 Kostenschätzverfahren;214
8.5.2;5.5.2 Kurzkalkulationsverfahren;217
8.5.3;5.5.3 Softwareeinsatz zur Herstellkostenkalkulation;221
8.5.4;Fragen zu 5.5;224
8.5.5;Literatur zu 5.5;224
8.5.6;Relevante Normen zu 5.5;224
8.6;5.6 Motivation, Belohnung und Führung in Projekten des Automobilbaus;224
8.6.1;5.6.1 Grundlagen;225
8.6.2;5.6.2 Die „Human Side“;226
8.6.3;5.6.3 Die „Business side“;231
8.6.4;5.6.4 Erfolgsfaktoren, Probleme und Hindernisse;240
8.6.5;Fragen zu 5.6;241
8.6.6;Literatur zu 5.6;241
8.7;5.7 Design for Manufacture and Assembly;242
8.7.1;5.7.1 Teilereduzierung;243
8.7.2;5.7.2 Design for Manufacture;244
8.7.3;5.7.3 Design for Assembly;245
8.7.4;Fragen zu 5.7;246
8.7.5;Literatur zu 5.7;246
8.7.6;RelevanteNormen zu 5.7;247
8.8;5.8 Failure Mode and Effects Analysis (FMEA);247
8.8.1;5.8.1 Arten von FEMAs;248
8.8.2;5.8.2 Durchführung von FMEAs;248
8.8.3;Fragen zu 5.8;250
8.8.4;Literatur zu 5.8;250
8.8.5;RelevanteNormenzu5.8;251
8.9;5.9 Produktionsprozessoptimierung;251
8.9.1;5.9.1 Toyota-Produktionssystem;251
8.9.2;5.9.2 Six Sigma;256
8.9.3;5.9.3 Critical-Chain-Projektmanagement;258
8.9.4;5.9.4 Wertstromanalyse;260
8.9.5;Fragen zu 5.9;264
8.9.6;Literatur zu 5.9;264
9;6 Antworten zu den Fragen;265
10;Sachwortverzeichnis;273
3.1 Aufgaben der Definitionsphase
In der Definitionsphase von Fahrzeugentwicklungsprojekten werden die inhaltlichen Grundlagen für alle folgenden Aktivitäten gelegt. Dieser Bereich erfährt seit einigen Jahren eine deutliche methodische Aufwertung, da Fehler, die bei der Vorgehensplanung und der Zielbeschreibung des Produktes gemacht werden meist erst kurz vor dem Serienanlauf, also etwa zwei bis drei Jahre später bemerkt werden und dann nur mit hohem zusätzlichen Kapazitäts- und Kostenaufwand korrigiert werden können. Trägt man die Kostenanteile der an der Produktentstehung beteiligten Bereiche getrennt nach Kostenverursachung und nach Kostenfestlegung auf, erkennt man, dass die frühen Definitionsphasen in der Entwicklung zu einem Großteil für die späteren Kosten verantwortlich sind, aber selber kaum Kosten verursachen (Bild 3.1). Die ersten Überlegungen zur Produktpositionierung und die strategischen Planungen zum Projektablauf werden meist von kleinen Planungsgruppen bearbeitet, die selber nur einen sehr geringen Kostenanteil verursachen. Erst in den späteren Phasen, wenn große Abteilungen von Konstrukteuren Zeichnungen an CAD-Systemen erstellen, Prototypen gebaut und getestet werden wird der Großteil der Entwicklungskosten verausgabt. Um spätere Änderungskosten zu minimieren und die Termine für die Markteinführung nicht zu gefährden ist es sinnvoll die Projektund Produktrahmenbedingungen sorgfältig zu klären.
Für die Fahrzeugentwicklung sind hier vier Bereiche von großem Interesse:
Produktpositionierung:
Das neue Fahrzeug muss im bestehenden Markt eindeutig positioniert und sowohl zu Wettbewerbern als auch zu eigenen Baureihen klar abgegrenzt werden. Dazu müssen die Marktsituation, aber auch die Verhaltensmuster der Kunden bei der Kaufentscheidung berücksichtigt werden.
Interkulturelles Management:
Sollen die Produkte auf globalen Märkten positioniert werden oder Entwicklung und/oder Produktion teilweise im Ausland erfolgen, müssen die jeweiligen kulturellen Eigenarten frühzeitig berücksichtigt werden um spätere Akzeptanzprobleme zu vermeiden.
Strategisches Management:
Das neue Produkt muss sich in die strategische Ausrichtung des Unternehmens oder die operative Planung des Bereiches eingliedern. Dazu ist es notwendig, sowohl den Prozess der Strategieableitung für Unternehmen grundsätzlich zu verstehen und die Positionierung der eigenen Produkte methodisch zu unterstützen.
Anforderungsmanagement:
Sind die Märkte analysiert worden und die strategische Ausrichtung des Unternehmens definiert worden, müssen die Eigenschaften des zukünftigen Fahrzeugs aus einer kundenorientierten, eher qualitativen Beschreibung in klar quantifizierbare technische Eigenschaften übersetzt und nachvollziehbar dokumentiert werden.
Die Definitionsphase beinhaltet eine Vielzahl von Teilschritten (vgl. Kapitel 2) und benötigt je nach Neuheitsgrad der Baureihe mindestens sechs Monate bis zu etwa zwei Jahren und findet meistens schon drei bis fünf Jahre vor Serienanlauf statt.