Havenith / Nemri | Atemkraft - Das Breathwork-Handbuch | E-Book | sack.de
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E-Book, Deutsch, 340 Seiten

Havenith / Nemri Atemkraft - Das Breathwork-Handbuch


Die Auflage entspricht der aktuellen Auflage der Print-Ausgabe zum Zeitpunkt des E-Book-Kaufes.
ISBN: 978-3-608-12214-5
Verlag: Klett-Cotta
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 340 Seiten

ISBN: 978-3-608-12214-5
Verlag: Klett-Cotta
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Das Bewusstsein freiatmen mit Breathwork - Weit gefasst: Über spezifische Breathworktraditionen hinweg anwendbar - Für: Alle, die neue Formen der Selbsterfahrung kennenlernen möchten - Plus: Breathwork-Übungen für jeden Tag   Kann Atmen unser Bewusstsein verändern? Für Breathwork-Praktizierende weltweit lautet die Antwort seit Langem: Ja. Eine kurzzeitige Veränderung des Atemrhythmus kann Kindheitserinnerungen wieder aufleben lassen, mentale Bilder vor Augen zaubern, Traumaverarbeitung unterstützen oder spirituelle Erfahrungen auslösen. Psychologie und Neurowissenschaft haben gerade erst begonnen, die Wirkungen und Mechanismen von Breathwork zu erkunden - mit faszinierenden Ergebnissen. Die Kurzzeit- wie auch Langzeiteffekte von Breathwork scheinen in vieler Hinsicht denen einer psychedelischen Erfahrung zu ähneln - innere Farbenspiele ohne LSD, mystische Begegnungen ohne magische Pilze und psychologische Heilungserlebnisse ohne MDMA. Dieses Buch betrachtet Breathwork aus den Blickwinkeln der Wissenschaft, des traditionellen Wissens und der heutigen Praxis. Durch welche neuronalen Mechanismen wirkt Breathwork? Worauf müssen Praktizierende und Begleiter achten? Vor allem ermutigt dieses Buch, Breathwork selbst zu erleben und eigene Begegnungen mit sich selbst 'unter der Oberfläche' zu sammeln.

Dr. Martha Havenith ist promovierte Neurowissenschaftlerin und Breathwork-Begleiterin. Zu ihrem akademischen Werdegang gehören ein Master of Science in Oxford, eine Promotion am Max-Planck Institut für Hirnforschung (Frankfurt) und internationale Forschungsaufenthalte, u.A. am University College London (UK). Seit 2020 leitet Martha eine eigene Max-Planck-Forschungsgruppe in Frankfurt, die sich damit befasst, wie Neurone gleichzeitig mehrere kognitive Prozesse 'jonglieren'. Gleichzeitig wirkt sie an mehreren Studien mit, die zum ersten Mal die neurowissenschaftlichen Grundlagen von Breathwork erkunden. Als Breathwork-Begleiterin leitet Martha seit 2016 Einzelerfahrungen und Gruppenworkshops und bildet seit 2022 Breathwork-Begleiter im medizinischen Bereich aus.
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Weitere Infos & Material


1


Hier sind wir also, am Beginn unserer gemeinsamen Lesereise. An diesem Punkt hast du vielleicht noch nie etwas von Breathwork oder Atemarbeit gehört, bis dir dieses Buch in die Hände fiel. Vielleicht hast du aber auch schon jahrelange Erfahrung mit Breathwork – in einem spezifischen Stil oder in vielen verschiedenen. Doch ganz gleich, mit welcher Vorgeschichte du dieses Buch in die Hände nimmst, zunächst einmal sollten wir erklären, um was es sich bei Breathwork eigentlich handelt. Denn wenn du schon einmal eine Internetsuche nach dem Stichwort »Breathwork« gestartet hast, wirst du vermutlich etwas verwirrt oder frustriert gewesen sein ob der oft widersprüchlichen Beschreibungen, die du vorgefunden hast. Wenn dir das bekannt vorkommt, hoffen wir, dass du am Ende dieses Kapitels eine angenehm »unschwammige« Antwort auf die Frage »Was ist Breathwork?« parat hast. Dafür geben wir dir erst mal einen kurzen Überblick über die vielen verschiedenen Atemtraditionen, die sich momentan unter dem Begriff »Breathwork« versammeln, und ordnen unsere Herangehensweise in dieses Ökosystem ein. Anschließend entwickeln wir einen konzeptionellen Rahmen, um die verschiedenen Arten von Breathwork anhand einiger zentraler Merkmale zu beschreiben, und nehmen dann die Atemarbeit unter die Lupe, auf die wir uns in diesem Buch konzentrieren: zirkuläres Breathwork. Zum Schluss dieses Kapitels erkunden wir dann, wo die Grenzen von Breathwork liegen, was es bewirken kann und – vielleicht noch wichtiger – was es nicht bewirken kann. Packen wir also unsere Staubwedel aus und fangen an, Ordnung im Atemchaos zu schaffen!

1.1


Als Erstes möchten wir so kurz wie möglich zusammenfassen, was wir eigentlich meinen, wenn wir von Breathwork sprechen. Dazu beantworten wir sieben grundlegende Fragen, die im Zusammenhang mit Breathwork am häufigsten gestellt werden.

1.1.1

Wie wir eben schon kurz lamentiert haben, finden sich viele verschiedene Beschreibungen dessen, was Breathwork ist, und teilweise wird der Begriff sehr weit gefasst. Das Oxford English Dictionary zum Beispiel definiert Breathwork als »Übungen, Techniken und Therapien, bei denen die Art und Weise, wie man atmet, manipuliert wird«. Ein kürzlich erschienenes Buch geht sogar noch weiter und erklärt, dass »Breathwork heute jede Art von Manipulation des Atems für jeglichen Zweck beschreibt« (Coomer 2020). Das schließt definitiv alle möglichen Versionen von Breathwork ein. Wenn man ein bisschen unfair sein möchte, könnte man aber auch sagen, dass nach dieser Definition selbst ein Kind, das aus Protest die Luft anhält, um ein Eis zu bekommen, Breathwork betreibt. Andererseits kann man den Begriff auch sehr eng fassen – mit einer Definition, die zwar informativ und konkret ist, dadurch aber auch die Hälfte der Praktiken ausschließt, die sich heute Breathwork nennen. Beide Ansätze werden sicherlich einige Menschen verärgern oder verwirren. Unserer Meinung nach gibt es drei Hauptgründe, warum eine klare und dennoch umfassende Definition von Breathwork derzeit noch schwer zu finden ist:

  • Es handelt sich bei Breathwork um ein relativ neues Konzept, das erst seit Kurzem überhaupt in Wörterbüchern auftaucht.

  • Der Begriff wird von Praktizierenden recht flexibel verwendet, um unterschiedliche Praktiken zu beschreiben – was Sinn ergibt, schließlich stehen unscharfe Definitionen der erfolgreichen Ausübung der verschiedenen Atemtechniken nicht im Weg. Eine effektive Kommunikation über die diversen Traditionen hinweg wird so allerdings erschwert.

  • Die Unterscheidung zwischen Breathwork und älteren Atemtechniken ist oft implizit. Zum Beispiel nehmen wir im Allgemeinen einfach an, dass Yoga-Atmung kein Breathwork ist. Allerdings sagt niemand explizit, warum das so ist. Die gleiche implizite Abgrenzung gilt auch für atembasierte Meditation.

In Kapitel 1.2 gehen wir noch genauer darauf ein, wie man die Landschaft der Breathwork-Praktiken am besten strukturieren kann. An dieser Stelle spulen wir aber schon einmal ein bisschen vor und präsentieren die beste Definition von Breathwork, die uns eingefallen ist:

Breathwork ist jede Praxis, die seit Anfang des 20. Jahrhunderts erfunden wurde und bei der du tief und bewusst in einem Tempo atmest, das sich deutlich vom normalen Rhythmus unterscheidet, mit dem Ziel, dein geistiges und/oder körperliches Wohlbefinden und/oder deine Leistungsfähigkeit zu verbessern. Eine Untergruppe des Breathwork, die oft als »verbunden« (bzw. »conscious-connected«) bezeichnet wird (oder unter anderem auch als »holotropic«, »transformational« oder »rebirthing«) und die wir in diesem Buch »zirkulär« nennen, verwendet Atemtechniken, die nicht-alltägliche Bewusstseinszustände hervorrufen können, ähnlich denen, die mit Psychedelika erreicht werden. Breathwork-Formate können mit weiteren körperlichen oder rituellen Elementen (z. B. einem Sharingkreis, Begleitmusik oder intuitivem Zeichnen) ergänzt und allein oder in einer Gruppe durchgeführt werden, manchmal auch mit Unterstützung von geschulten Begleitern.

1.1.2

Breathwork entstand in den 1970er Jahren als Teil der New-Age-Bewegung, vor allem zunächst für psychotherapeutische Zwecke. Die wichtigsten Traditionen, die beide in Kalifornien aufkamen, sind Rebirthing und Holotropic Breathwork. Rebirthing wurde mit dem Ziel entwickelt, sich an die eigene Geburt zu erinnern, um das Trauma zu verarbeiten, das damit unter Umständen verbunden ist (Orr & Ray 2007). Holotropic Breathwork wiederum wurde als eine Form der Psychotherapie entwickelt, die die psychedelisch unterstützte Therapie ersetzen sollte, die zu diesem Zeitpunkt kurz davor stand, gesetzlich verboten zu werden (Grof & Grof 2010). Für ihr psychotherapeutisches Anliegen setzten beide Traditionen auf intensives Atmen, um nicht-alltägliche Bewusstseinszustände (»non-ordinary states of consciousness« oder NOSCs) hervorzurufen, die denen von psychedelischen Erfahrungen ähneln (Havenith et al. 2025; Bahi et al. 2024; Lewis-Healey et al. 2024). Genauer gesagt wurden NOSCs vor allem dadurch erreicht, dass über einen längeren Zeitraum (15 Minuten bis mehrere Stunden) tiefer und schneller als normal geatmet wurde. Begleitet wurde dies von Übungen – vor, während oder nach der Atemarbeit –, die darauf ausgelegt waren, die Erfahrung zu vertiefen. In den 1970er Jahren war diese Form von hochintensiver Atmung die vorherrschende Art von Breathwork – und sie ist auch der Schwerpunkt dieses Buches. Heute werden die zahlreichen Varianten dieser Atemtechnik oft als »verbundenes Breathwork« bezeichnet. Weil dies aber nicht alle atmungsintensiven Breathwork-Traditionen umfasst (z. B. versteht sich Holotropic Breathwork meist nicht als verbundenes Atmen), nutzen wir hier »zirkuläres Breathwork« als Sammelbegriff für alle atmungsintensiven, potenziell psychedelischen Breathwork-Praktiken.

Seit den 1980er Jahren wurde der Begriff »Breathwork« allmählich erweitert und umfasst nun auch bewusste Atemtechniken, die nicht unbedingt starke NOSCs verursachen, etwa langsameres Atmen (z. B. Coherent Breathing), langsameres Atmen mit Atemanhalten (z. B. Box-Atmung, 4-7-8-Atmung) oder schnelleres Atmen mit Atemanhalten (z. B. die Wim-Hof-Methode). Unabhängig davon, ob sie auf eine Veränderung des Bewusstseins abzielen oder nicht, beruhen all diese Techniken aber auf einer tiefen Zwerchfellatmung (auch Bauchatmung genannt) – zumindest ist uns kein Breathwork-Stil bekannt, der eine flache Atmung verwendet.

1.1.3

Die Entstehungsgeschichte der zirkulären Atemarbeit ist ziemlich mysteriös (mehr dazu in Kapitel 2). Die Einflüsse sind jedoch eindeutig: Im Großen und Ganzen ist Breathwork das »Kind« von Yoga und Psychotherapie. Die frühesten dokumentierten westlichen Entwicklungen, die später zur Entstehung von Breathwork beitrugen, fanden im Wien der 1920er Jahre statt. Dort gehörte der Arzt und Psychoanalytiker Wilhelm Reich zu einer kleinen Gruppe, die sich von Sigmund Freuds gesprächsbasierter Therapie löste. Anders als sein ehemaliger Chef wandte sich Reich einem ganzheitlicheren Ansatz zu, nachdem er festgestellt hatte, wie Geist und Körper bei seinen Patienten dynamisch zusammenwirkten. Also begann er, während seiner Therapiesitzungen mit diversen körperzentrierten Methoden zu experimentieren, darunter Haltungsanalysen, verschiedene Arten von Berührungen und Atemmanipulationen. Wie es bei Innovatoren oft der Fall ist, war Reich eine recht schillernde Persönlichkeit. Das machte ihn bei den Mainstream-Psychoanalytikern ziemlich unbeliebt, worunter auch seine Karriere litt. Dennoch führte seine Arbeit zur Entwicklung der Körperpsychotherapie, einem wichtigen Zweig der modernen Psychotherapie (Rosendahl et al. 2021), und trug zur Entstehung von Breathwork bei.

Der zweite »Elternteil« von Breathwork stammt aus dem Osten: Dort wurde das Konzept des Atems als Brücke zwischen Körper und Geist schon seit Jahrtausenden von Yoga-Praktizierenden studiert und genutzt. Fast jede Atemtechnik, die man sich vorstellen kann – ob sie nun auf den Geist, den Körper oder beides abzielt –, findet sich bereits im Pranayama, jenem Yoga-Zweig,...


Havenith, Martha
Dr. Martha Havenith ist promovierte Neurowissenschaftlerin und Breathwork-Begleiterin. Zu ihrem akademischen Werdegang gehören ein Master of Science in Oxford, eine Promotion am Max-Planck Institut für Hirnforschung (Frankfurt) und internationale Forschungsaufenthalte, u.A. am University College London (UK). Seit 2020 leitet Martha eine eigene Max-Planck-Forschungsgruppe in Frankfurt, die sich damit befasst, wie Neurone gleichzeitig mehrere kognitive Prozesse ‚jonglieren‘. Gleichzeitig wirkt sie an mehreren Studien mit, die zum ersten Mal die neurowissenschaftlichen Grundlagen von Breathwork erkunden. Als Breathwork-Begleiterin leitet Martha seit 2016 Einzelerfahrungen und Gruppenworkshops und bildet seit 2022 Breathwork-Begleiter im medizinischen Bereich aus.

Nemri, Abdellatif
Abdellatif Nemri, Ph.D., ist promovierter Neurowissenschaftler und zertifizierter  Breathwork-Begleiter. Abdellatif erwarb seinen Master of Science in Physiologie und Mathematik an der Universität Paris Sorbonne (FR) und seine Promotion in Neurowissenschaften an der Universität Montreal (CA). Nach weiteren Forschungsaufenthalten am University College London (UK) und dem Donders Institute for Brain, Cognition and Behaviour (NL) gründete er 2019 sein eigenes Startup im Bereich Neurotechnologie. Seit 2019 ist Abdellatif zertifizierter Begleiter für Connective Breathwork. Er begleitet vor allem Einzelerfahrungen und bildet seit 2022 Breathwork-Begleiter im medizinischen Bereich aus.

Dr. Martha Havenith ist promovierte Neurowissenschaftlerin und Breathwork-Begleiterin. Zu ihrem akademischen Werdegang gehören ein Master of Science in Oxford, eine Promotion am Max-Planck Institut für Hirnforschung (Frankfurt) und internationale Forschungsaufenthalte, u.A. am University College London (UK). Seit 2020 leitet Martha eine eigene Max-Planck-Forschungsgruppe in Frankfurt, die sich damit befasst, wie Neurone gleichzeitig mehrere kognitive Prozesse ‚jonglieren‘. Gleichzeitig wirkt sie an mehreren Studien mit, die zum ersten Mal die neurowissenschaftlichen Grundlagen von Breathwork erkunden. Als Breathwork-Begleiterin leitet Martha seit 2016 Einzelerfahrungen und Gruppenworkshops und bildet seit 2022 Breathwork-Begleiter im medizinischen Bereich aus.

Abdellatif Nemri, Ph.D., ist promovierter Neurowissenschaftler und zertifizierter  Breathwork-Begleiter. Abdellatif erwarb seinen Master of Science in Physiologie und Mathematik an der Universität Paris Sorbonne (FR) und seine Promotion in Neurowissenschaften an der Universität Montreal (CA). Nach weiteren Forschungsaufenthalten am University College London (UK) und dem Donders Institute for Brain, Cognition and Behaviour (NL) gründete er 2019 sein eigenes Startup im Bereich Neurotechnologie. Seit 2019 ist Abdellatif zertifizierter Begleiter für Connective Breathwork. Er begleitet vor allem Einzelerfahrungen und bildet seit 2022 Breathwork-Begleiter im medizinischen Bereich aus.



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