Buch, Deutsch, 144 Seiten, KART, Format (B × H): 169 mm x 241 mm, Gewicht: 263 g
Praxis- und Methodenhandbuch. Konfliktklärung in Gruppen, inspiriert durch die Gewaltfreie Kommunikation
Buch, Deutsch, 144 Seiten, KART, Format (B × H): 169 mm x 241 mm, Gewicht: 263 g
ISBN: 978-3-87387-596-8
Verlag: Junfermann Verlag
In diesem Buch wird Praxis großgeschrieben. Für alle Phasen der Mediation wird eine Vielzahl an Methoden und Techniken vorgestellt, die durch die jahrelange Erfahrung in der Vermittlung von Team- und Gruppenkonflikten erprobt und weiterentwickelt worden sind. Sie erleben das Handwerk der Konfliktklärung hautnah, da die Methoden an konkreten Fällen aus dem Mediationsalltag durchgespielt werden. Dabei wird neben dem methodischen Know-how die Haltung spürbar, die für die erfolgreiche Mediation von Konflikten so entscheidend ist: Präsenz, Transparenz, Empathie und Vertrauen in den Prozess. Das Buch ist eine Schatzkiste an Wissen, Erfahrungen, Ideen und Inspirationen für alle, die professionell mit Teams und Gruppen zu tun haben, wie z.B. Mediatoren, Moderatorinnen, Führungskräfte, Teamleiter, Projektleiterinnen, Organisationsentwickler, Lehrerinnen, Sozialarbeiter und Trainer.
Autoren/Hrsg.
Fachgebiete
- Wirtschaftswissenschaften Betriebswirtschaft Organisationstheorie, Organisationssoziologie, Organisationspsychologie
- Sozialwissenschaften Pädagogik Berufliche Bildung Coaching, Training, Supervision
- Wirtschaftswissenschaften Betriebswirtschaft Coaching, Training, Supervision
- Sozialwissenschaften Psychologie Psychologische Disziplinen Wirtschafts-, Arbeits- und Organisationspsychologie
- Sozialwissenschaften Psychologie Psychologische Disziplinen Coaching, Training, Supervision
Weitere Infos & Material
THEORIETEIL
Was ist Mediation?
Die Methode der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg
Umgang mit Aggression und Eskalation
Persönlichkeitsentwicklung als Mediator/Mediatorin
Die Dynamik von Konflikten in Gruppen
Die systemische Betrachtung von Gruppenkonflikten
PRAXISTEIL
Erste Phase der Konfliktklärung in Gruppen: den sicheren Rahmen schaffen
Zweite Phase der Konfliktklärung in Gruppen: Erhebung
Zeitungseinstieg
Schriftlicher Fragebogen
Sternpositionierung
Schriftliche Themensammlung und Priorisierung
Einzelgespräche
Dritte Phase der Konfliktklärung in Gruppen: Bearbeitung
Einzelarbeit mit den vier Schritten der Gewaltfreien Kommunikation und anschließender moderierter Dialog
Fishbowl
Problemdreieck
Außenseiter-Ritual
Vierte Phase der Konfliktklärung in Gruppen: Lösungssuche
Priorisierung durch ABC-Kreise
Kuchenstücke
Kartenabfrage
Kleingruppen mit Ergebnissen auf Plakaten
Fünfte Phase der Konfliktklärung in Gruppen: Maßnahmensicherung
Visualisierung der Vereinbarungen auf dem Flipchart
Maßnahmenplan
Protokollierung mit Notebook/Beamer
Die Beschreibung eines Praxisfalls "Mehrparteienmediation" durch alle fünf Phasen
Umgang mit Aggression und Eskalation
Wir gehen davon aus, dass Aggressionen Ausdruck einer starken, oft unterdrückten Lebensenergie sind. Wenn sie sich Bahnen bricht, schreit etwas in einem Menschen: "Ich komme so nicht mehr klar, ich brauche eine Veränderung." Das Problem ist, dass dieser Mensch genau das nicht sagt, sondern sich seine Not in Form von heftigen Angriffen, hitzigen Vorwürfen oder auch in Form von kalter Abweisung zeigt und deshalb auf der anderen Seite wiederum Wut auslöst, Hilflosigkeit oder Angst. Aggression wird von den meisten Menschen als bedrohlich erlebt, weil mit der Erfahrung von Aggression Ohnmacht und Verletzung verbunden sind.
Im beruflichen Kontext, vor Arbeitskollegen Gefühle zu zeigen, ist oft mit Scheu verbunden. Wut und Ärger zum Ausdruck zu bringen, unterliegt einer starken moralischen Wertung in unserer Kultur: Da hat sich jemand nicht mehr unter Kontrolle. In der Mediation betrachten wir Aggression wertfrei: nicht als etwas Böses und genauso wenig als etwas besonders Positives und auch nicht als etwas, das unbedingt ausgelebt werden muss. Wenn sie in der Mediation zum Ausdruck kommt - was meist der Fall ist -, dann nehmen wir die aggressiven Äußerungen auf, achten und betrachten sie, weil sie ein ganz klarer Indikator dafür sind, dass Bedürfnisse sehr stark im Mangel sind, oftmals lange aufgestaut. Der Anlass des aktuellen Konflikts ist in vielen Fällen nur der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.
Manchmal steckt hinter Aggressionen eine alte biografische Wunde - Beispiel: Eine Streitpartei ist als Kind regelmäßig damit konfrontiert worden, dass ihr bedeutsame Dinge (bspw. der Besuch des Vaters an ihrem Geburtstag, das Abholen von der Schule usw.) angekündigt worden sind und diese Ankündigungen nicht eingehalten wurden. Dies verursachte beim Kind Schmerz und chronische Verunsicherung. Möglicherweise kann ein aktueller Fall einer Nichteinhaltung von Vereinbarungen im Arbeitskontext bei dieser Person mit ihren alten Wunden eine unproportionale Wut auslösen, welche die Kollegen nicht verstehen und als verletzende Reaktion ablehnen. Wenn eine Person in einem Konflikt an einer alten Wunde oder Narbe berührt wird, kann es sein, dass ihr System Notstand ausruft und sich - mit aller Gewalt - schützen will. Dann wählt sie Angriff als Verteidigung. Menschen, die aus dieser alten Wunde heraus agieren, merken oft in dem Moment nicht, wie verletzend ihr eigenes Verhalten für andere sein kann.
Aggressives Verhalten kann sich aber auch auf ganz subtile Weise äußern. Wenn jemand eine Konfrontation fürchtet und ihr ausweicht, indem er z.B. nicht auf Kontaktangebote reagiert, nicht zu Terminen kommt oder sich "bedeckt hält", verhält er sich passiv-aggressiv - das heißt: Er drückt seine Aggression nicht aktiv und direkt aus, löst mit seinem Verhalten jedoch ebenfalls Irritation, Ärger, Traurigkeit oder Unsicherheit bei anderen Menschen aus.
Alarmglocke Aggression
Um auf Aggressionen adäquat, d.h. hilfreich für den Verständigungsprozess reagieren zu können, ist es wichtig, den Medianten nicht - auch nicht innerlich - dafür zu verurteilen, dass er "aus der Rolle fällt". Die Mediationssituation ist ja genau dazu da, dass Menschen, die im Alltag viel Energie darauf verwenden, vernünftig, kompetent und professionell zu wirken, Raum bekommen, um diese Rolle ein wenig zu verlassen. Viele Medianten haben in diesem Moment, in dem sie sich mit ihrer Wut zeigen, ein starkes Bedürfnis nach Sicherheit und brauchen besonders viel Empathie.
In der Rolle der Mediatorin ist es für mich essenziell, mir bewusst zu sein, was die Gründe für aggressives Verhalten sein können und wie ich damit professionell umgehen kann.
Gründe für aggressives Verhalten (neben Aggression als erlerntes Verhalten auch bei geringfügigem Ärger und Unzufriedenheit):
- Bedürfnisse im Mangel (meist über einen langen Zeitraum aufgestaut);
- Übermaß an Belastung (Überreizung);
- Überforderung (krank, geschwächt);
- Fürsorge (für ein Kind oder einen Mitarbeiter, der angegriffen wird);
- Getroffensein in alten Wunden.