E-Book, Deutsch, 205 Seiten, Web PDF
Roiger Gestaltung von Anreizsystemen und Unternehmensethik
1. Auflage 2007
ISBN: 978-3-8350-9369-0
Verlag: Deutscher Universitätsverlag
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Eine norm- und wertbezogene Analyse der normativen Principal-Agent-Theorie
E-Book, Deutsch, 205 Seiten, Web PDF
Reihe: Business and Economics (German Language)
ISBN: 978-3-8350-9369-0
Verlag: Deutscher Universitätsverlag
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Manuela B. Roiger setzt sich kritisch mit der normativen Principal-Agent-Theorie als Instrument zur Begründung und Analyse von Normen bzw. Prinzipien zur Ausgestaltung von Anreizsystemen im Unternehmenskontext auseinander und analysiert die ethischen Dimensionen in der Problemdeutung, in der Modellbildung sowie in den Ergebnissen agencytheoretischer Forschung. Dies dient der Offenlegung und kritischen Grundlagenreflexion der in der normativen Principal-Agent-Theorie enthaltenen Norm- und Wertbasis. Außerdem wird die Verwendbarkeit der normativen Principal-Agent-Theorie als Instrument im Rahmen unternehmensethischer Analysen explizit herausgestellt. Damit trägt die Autorin zur Stärkung der Rolle der Unternehmensethik innerhalb der Betriebswirtschaftslehre bei.
Zielgruppe
Research
Weitere Infos & Material
Ausgangspunkte einer norm- und wertbezogenen Analyse der normativen Principal-Agent-Theorie.- Problemtypen der normativen Principal-Agent-Theorie - normund wertbezogene Analyse agencytheoretischer Problemdeutung.- Modelltypen der normativen Principal-Agent-Theorie - norm- und wertbezogene Analyse ausgewählter Komponenten der Normbegründungsstrukturen in Principal-Agent-Modellen.- Norm- und wertbezogene Analyse agencytheoretischer Forschungsergebnisse zur Ausgestaltung von Anreizsystemen.- Zusammenfassende Einordnung und Beurteilung der normativen Principal-Agent-Theorie als Instrument zur wissenschaftlichen Begründung und Analyse von Normen und Werten im Unternehmenskontext.
3 Modelltypen der normativen Principal-Agent-Theorie – norm- und wertbezogene Analyse ausgewählter Komponenten der Normbegründungsstrukturen in Principal-Agent-Modellen (S. 62-63)
3.1 Kennzeichnung der grundlegenden Normbegründungsstrukturen in Adverse Selection- und Moral Hazard-Modellen
3.1.1 Entscheidungstheorie als Basis der Modellierung des interdependenten Verhältnisses von Principal und Agent
Die deskriptive und die normative Entscheidungstheorie befassen sich mit der Erklärung und Gestaltung des Entscheidungsverhaltens von Individuen und Gruppen. Von einer Entscheidung wird dann gesprochen, wenn das Individuum oder die Gruppe der Notwendigkeit einer Wahlhandlung ausgesetzt ist. Diese Notwendigkeit ergibt sich stets aus den verschiedensten Restriktionen, die es unmöglich machen, alle zur Verfügung stehenden Alternativen zu realisieren.
Wenn Entscheidungssituationen untersucht werden, „… bei denen die Folgen der Handlungsalternativen eines Entscheiders (auch) von den Aktionen eines oder mehrerer rationaler “Gegenspieler“ … abhängen“, dann erfolgt dies im Rahmen spieltheoretischer Analysen. Die Spieltheorie einschließlich ihrer Lösungskonzepte ist hierbei als wichtiges und umfangreiches Teilgebiet der Entscheidungstheorie zu betrachten, da das Entscheidungsverhalten der einzelnen Teilnehmer eines Spieles schließlich entscheidungstheoretisch modelliert wird.
Die folgenden Ausführungen werden die Interdependenz im Entscheidungsverhalten von Principal und Agent hervorheben, was den spieltheoretischen Charakter der Principal-Agent-Beziehung verdeutlicht.238 So können die Lösungen der agencytheoretischen Modelle insbesondere auch vor dem Hintergrund ihrer spieltheoretischen Gleichgewichtseigenschaften näher charakterisiert und beurteilt werden. Dies wird unter anderem Gegenstand der norm- und wert- bezogenen Analyse der Ergebnisse normativer Principal-Agent-Modelle in Hauptkapitel 4 sein.
3.1.1.1 Methodologischer Individualismus und Homo oeconomicus-Annahme als Grundlagenaxiome entscheidungs- und agencytheoretischer
Modellbildung Grundlegende Axiome der Entscheidungstheorie sind der methodologische Individualismus sowie die Homo oeconomicus-Annahme. Forschung, die auf dem methodologischen Individualismus beruht, setzt zur Generierung der angestrebten Erklärungen sowie Gestaltungsempfehlungen am Verhalten des einzelnen Individuums an. „So wie Handeln hier verstanden wird, können dies nur Individuen, nicht aber Kollektive oder Aggregate. Letztere haben auch keine eigenständigen Präferenzen, die von denen der in ihnen handelnden Individuen unabhängig wären. Kollektive Entscheidungen ergeben sich daher ... aus der Aggregation individueller Entscheidungen und nicht aus dem eigenständigen Handeln von Kollektiven.“
Im Rahmen agencytheoretischer Forschung und Modellbildung wird diesem Vorgehen insofern nicht konsequent Rechnung getragen als es z.B. Modelle gibt, in welchen Principal und / oder Agent zwar jeweils als einzeln entscheidende Akteure gedacht werden, letztlich jedoch eine Gruppe von Entscheidungs- und Handlungsträgern repräsentieren. Man denke hierzu beispielsweise an ein Adverse Selection-Modell von JEAN-JACQUES LAFFONT und JEAN TIROLE, in welchem der Staat (Principal) gegenüber einem Unternehmen (Agent), welches ein öffentliches Gut produziert, als Konsument auftritt und nach einer wahrheitsinduzierenden Gestaltung des Beschaffungsvertrages sucht. In Moral Hazard-Modellen wird z.B. vielfach die Problematik der Gestaltung von anreizkompatiblen Entlohnungsverträgen für das Unternehmensmanagement (Agent) untersucht, um auf diese Weise bei den Managern ein Verhalten zu erzeugen, das auf die Ziele der nicht an der Unternehmensführung beteiligten Unternehmenseigentümer (Principal) ausgerichtet ist.




