Sperl | Richiza (Mittelalter-Roman) | E-Book | sack.de
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E-Book, Deutsch, 370 Seiten

Sperl Richiza (Mittelalter-Roman)

Historischer Roman - Die Zeit der Kreuzzüge
1. Auflage 2016
ISBN: 978-80-268-6472-1
Verlag: e-artnow
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Historischer Roman - Die Zeit der Kreuzzüge

E-Book, Deutsch, 370 Seiten

ISBN: 978-80-268-6472-1
Verlag: e-artnow
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Dieses eBook: 'Richiza (Mittelalter-Roman)' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. August Sperl (1862-1926) war ein deutscher Archivar, Historiker und Schriftsteller. Sein Hauptwerk besteht aus historischen Romanen und Novellen, die meist auf der Grundlage realer historischer Gegebenheiten oder Personen entstanden, zum Beispiel dem Dreißigjährigen Krieg in Hans Georg Portner und die ersten Kreuzzüge in Richiza. Aus dem Buch: 'Der rothaarige Riese strich etlichemal hastig über seinen Bart. Er stand breit und wuchtig in seinem abgeschabten Lederkoller vor dem sitzenden Herrn und regte sich nicht. Aber seine Äuglein fuhren unstet umher und seine Blicke strichen begehrlich über die bunten Wandteppiche des düsteren Gemaches und über die reichgeschnitzten, schwerbeschlagenen Truhen. Im Frühsonnenscheine blinkte draußen vor den offenen Fenstern die graue Mauer des Bergfrieds, und in leuchtenden Farben grüßte herüber auf den Herrn und den Mann der weißrot geviertete Schild des Hauses Castell. In tiefem Sinnen saß der alte blinde Graf. Zusammengezogen waren seine grauen buschigen Augenbrauen, und die dreifach geflochtenen Zöpfe des weißen Haupt- und Barthaares hingen ihm herab über Schultern und Brust auf den Gürtel. Zu seiner Linken aber kauerte auf niederm Schemel ein Mann in geistlichem Gewande. Der hielt eine Schiefertafel auf den Knien und schrieb gebückt von Zeit zu Zeit eine Zahl und ein Wort...'

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Zweites Kapitel
Inhaltsverzeichnis Er lag nicht gut in der Truhe, der Brief. – Bis in die sinkende Nacht ritt der Tannhauser und blieb zur Herberge in einem Dorfe des Waldes. Am andern Tage ritt er seines Weges fürbaß und kam zu früher Stunde nach Hause zurück. Das Wetter wollte sich ändern. Schwere Wolken hatten den Himmel überzogen; jeden Augenblick konnte es regnen. Mit finsterm Antlitz hielt der Reiter hoch droben am Waldrande, derweil seine Leute voraus über die Steine des aufgerissenen Hohlweges zu Tale liefen. Mit scharfen Augen sah er hinab ins enge Tal, hinüber auf seine Burg, die klein und grau und moosgrün in dem großen eirunden Teiche lag und ihre dicken Türmchen in dem bleifarbigen Wasser spiegelte. Und in den scharfen Augen des Tannhausers spiegelte sich das Storchennest des Dachfirstes, und ganz genau sah er die kleinen Köpfe vor dem alten Storch, der auf dem Nestrande stand und die hungrigen Schnäbel äzte. Er sah das schadhafte Schindeldach der armseligen Wasserburg, er sah die elenden Hütten des Dorfes. Er hatte das alles noch nie so scharf gesehen wie heute. Und er gedachte der landbeherrschenden Grafenburg, auf deren Frieden er gestern geritten war, er seufzte tief auf und lenkte den Klepper in den Hohlweg. Der Brief lag nicht gut in der Truhe des Blinden. Kein Lüftlein regte sich, und es begann leise zu tröpfeln. Vorsichtig, schrittweise tastend, trug das starkknochige Pferd den schweren Mann zu Tal. Im Trabe durchritt er das Dorf, schreiend flogen die Gänse zur Rechten und Linken zwischen die Hütten, und manch ein Antlitz fuhr beim Klang der Hufe vom Fensterloche zurück. Der Tannhauser hielt den Klepper an, und seine finsteren Züge hellten sich auf. Vom Waldrande zur Linken hinter der Burg kam ein Haufe Gewappneter getrabt und machte halt am Ufer des Weihers. Der Tannhauser winkte, hob ein kleines Horn an die Lippen und stieß hinein. Da rückten die gewappneten Reiter zum Keile zusammen. Abermals erscholl der Hornruf, und der Keil setzte sich in Bewegung. Der Klepper des Roten spitzte die Ohren, stampfte den Rasen und wieherte hellauf. Im Trab, im Galopp, im gestreckten Laufe brauste die Schar schräg über den Hutwasen. Dumpf dröhnte der ausgetrocknete Erdboden unter der Wucht der Hufe. Zum drittenmal entlockte der Rote dem Horn die durchdringenden Töne. Weit drüben beim alten Birnbaum hielten die Reiter und wandten die schnaubenden Rosse. Im Galopp aber sprengte ihr Führer zum Roten heran. Schrittweise kamen die beiden nebeneinander zur Wasserburg. Über die Holzbohlen der langgestreckten Brücke rumpelte eine Schar Buben. »Sachte, sachte!« rief der Tannhauser mit dröhnender Stimme hinunter in den Knäuel. Aber schreiend und jauchzend hängten sie sich an Roß und Reiter. Schwerfällig schwang sich der Alte aus dem Sattel, und zu acht führten seine Jungen den müden Klepper über die Brücke. Hohl klang sein Hufschlag auf den eichenen Bohlen. Noch ein paar Worte sprach der Tannhauser mit dem Führer der Schar. Dann sprengte dieser zurück. Der Tannhauser aber ging langsam über die Brücke. Stärker fielen die Tropfen und klatschten in den Weiher. Zahllose Ringe fuhren auseinander und verschwanden spurlos auf der grauen Fläche. Der Tannhauser trat ins Tor seiner Burg, ging über das enge, dumpfige Höflein und kam durch die rundbogige Tür in den düsteren Wohnbau. Aus der Küche quoll beißender Herdrauch. Eine hohe schmale Gestalt löste sich aus dem Qualm, zwei rotgeränderte Augen suchten den heimkehrenden Herrn, eine zerarbeitete Hand streckte sich ihm entgegen, eine heisere Stimme bot ihm den Willkommgruß. Hüstelnd zog sich das Weib in die Küche zurück. Mit einem tiefen Seufzer stieg der Rote die enge Wendeltreppe hinan, trat in sein Schlafgemach und schlug die Tür ins Schloß. Er trat an das offene Fenster und blickte hinaus auf den Hutwasen. Noch immer tummelten sich die Söldlinge, trotz dem linden Regen, der nun herniederrauschte. Tief herab hingen die Wolken an den waldbedeckten Hügeln, und mit finsterem Antlitze stand der Burgherr im Fenster. So scharf wie heute hatten seine Augen noch niemals gesehen: nicht bloß das bösgeflickte Schindeldach seines Hauses und die armseligen Lehmhütten seiner Eigenleute drüben am Rande des Hutwasens, sondern auch die zermürbten Wämser seiner rotwangigen Buben und das vergrämte Gesicht seines hüstelnden Weibes – noch niemals hatten seine Augen das alles so klar gesehen wie heute. Er stand mit finsterem Antlitz und halbgeschlossenen Augen, und es war ihm, als hörte er die seidene Schleppe der Gräfin über Teppiche rauschen, als sähe er den blinden Grafen hochaufgerichtet sitzen zwischen den kostbaren Truhen im halbdunkeln, vertäfelten Gemache. »Eng – eng – alles zu eng!« sagte er und wandte sich ab. Langsam und in regellosem Haufen ritten die Söldlinge über den Hutwasen, ritten im Bogen um den Burgweiher zurück in das Hüttenlager am Waldsaume. Der Tannhauser aber streckte sich in den Kleidern auf sein Bett und schloß die Augen. Der Brief lag nicht gut in der Truhe des Blinden. Vom Dörflein tönte das Gebimmel der Mittagsglocke herüber. Etliche Buben stürmten die Wendeltreppe empor. Die Tür ward aufgerissen, und mit Gepolter drang es herein. »Herr Vater, Herr Vater, kommen sollt Ihr!« keuchte der Älteste. »Wohin?« »'runterkommen sollt Ihr, 's ist einer draußen auf der Brücke.« »Hat ein schwarzes Aug' in sei'm Gesicht,« piepste der Jüngste. »Du Ochs, einäugig ist er und trägt überm andern Aug' einen schwarzen Tuchfleck!« »Drei sind's. Führen Saumrösser, zwei Saumrösser mit sich. Kaufleut' sind's. »Brauch' nichts.« »Haben Schwerter und Kübel und Schild', Herr Vater.« »Kramschwerter!« sagte der Rote verächtlich und streckte die Glieder. »Schilde mit Kokodrillenhaut!« bemerkte der Älteste und machte ein geheimnisvolles Gesicht. »Mit Kokodrillenhaut? Solche sind gut,« meinte der Tannhauser. »Was ist ein Kodadrill?« fragte der Zwölfjährige. »Kokodrill ist ein großer Wasserwurm, lebt im Morgenland. Nicht, Herr Vater?« belehrte der Älteste. Der Rote gab keine Antwort, erhob sich schwerfällig vom Lager und ging aus der Tür. Um die Wette sprangen seine Buben vor ihm her die Wendeltreppe hinunter. Es regnete nicht mehr; da und dort lugte sogar schon wieder ein Stücklein blauen Himmels hervor. Jenseits des Weihers hielten die fremden Knechte mit den starken Saumrossen. Mitten auf der Brücke aber stand der Kaufmann, spuckte von Zeit zu Zeit ins Wasser und sah dem Treiben der wimmelnden Fischlein zu. Die Buben rannten aus dem Tor und polterten auf die Brücke: »Er kommt, er kommt!« Nachlässig wandte sich der Fremde und sah dem Herrn entgegen. Langsam griff er zum Gruß an die Lederkappe, fast unmerklich beugte er das linke Knie. Dann stand er wieder steif und gerade, und die Linke stützte sich auf den Knauf des Dolches im Gürtel. »Waffen?« fragte der Burgherr. »Waffen,« nickte der Fremde und musterte den Roten mit dem einen glotzenden Auge. »Welcherlei?« »Allerlei,« kam die Antwort zurück. »Schwerter aus Bayerland, Bernhardshauser Hüte, hessische Platten.« »Potz!« rief der Rote und wandte die Äuglein begehrlich hinüber zu den Saumrossen. Der Kaufmann winkte. Der Tannhauser ging voran ins Tor hinein. Händler und Knechte folgten mit den schwerbeladenen Rossen. Drei Tage schon weilte der Fremde in der Wasserburg. Seine Knechte hatten eine Feldschmiede aufgeschlagen, und vom Frühlichte bis zur sinkenden Sonne erklang das Hämmern im Tale. Urväterische Kübel und zerstoßene Schilde, schartige, verrostete Schwerter wurden aus der Waffenkammer auf den grünen Wasen geschleppt, und auch die Söldlinge trugen ihre zerbrochenen Wehren herbei. Unermüdlich standen die Buben des Tannhausers um den Amboß, freuten sich, wenn das glühende Eisen wachsweich wurde und wenn die Funken sprühten, bestaunten das kunstfertige Treiben der Fremden und taten Handreichung. Und sie waren von unerhörter Billigkeit, diese fahrenden Leute. Wohl zehnmal des Tages ging der Tannhauser in seine Waffenkammer, klopfte prüfend auf den Bernhardshauser Kübel, den er um ein Spottgeld erworben hatte, und strich liebkosend über ein neues Ringelhemd, das auf dem Holzgestell funkelte. Sein Ältester aber folgte dem Waffenhändler wie ein treues Hündlein auf Schritt und Tritt, seit ihm dieser das kleine Schwert am schwarzen Ledergurt um die Schulter gehängt hatte. Und es gab nur einen einzigen Menschen im Tale, der feindlich gesinnt war gegen die Fremden: der alte halbblinde Dorfschmied sprach mit Verachtung von dem hergelaufenen Volke. – »Und wann hebt also der Tanz an?« fragte der Einäugige am vierten Nachmittage wie von ungefähr den Burgherrn, als sie beide dem Buhurd der Söldner auf dem Hutwasen zusahen. »Was für 'n Tanz?« gab der Tannhauser mürrisch zurück und ließ die Lider halb über die Äuglein sinken nach seiner Gewohnheit. »Nu, für die Kirchweih werden die achtzig Wänste ja doch nit gefüttert,« lachte der andre. »Für meinen Grafen und Herrn,« murrte der Tannhauser und wandte sich der Burg zu. Hart neben ihm ging der Händler und sagte leichthin: »Ihr wollt Blindekuh spielen mit dem Einäugigen. Weiß aber doch jedermann drunten in Franken, wem's gilt.« »Was kümmert's mich? Sollen...



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