Vreeswijk | Die Masche Liebe | E-Book | sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 336 Seiten

Vreeswijk Die Masche Liebe


1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7320-1333-3
Verlag: Loewe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 336 Seiten

ISBN: 978-3-7320-1333-3
Verlag: Loewe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Lisa, 15, kann ihr Glück kaum fassen, als sich der gut aussehende Mo ausgerechnet in sie verliebt. Der 22-Jährige überhäuft die Schülerin mit teuren Geschenken und hat stets ein offenes Ohr für ihre Probleme. Dass Mo mit Drogen dealt, verdrängt sie. Hauptsache, er liebt sie. Von Loverboys, bei denen Liebe nur eine Masche ist, um Mädchen zu Prostituierten zu machen, hat sie noch nie was gehört ...   In diesem packenden Jugendroman für Leser ab 13 Jahren verknüpft die vielfach ausgezeichnete Autorin Helen Vreeswijk ihre eigenen Erfahrungen bei der niederländischen Kriminalpolizei mit einer zugleich spannenden wie auch einfühlsamen Geschichte von manipulativen Loverboys, einer trügerischen ersten Liebe und dem Teufelskreis der Prostitution.

Helen Vreeswijk wurde 1961 in Den Haag geboren. Nach ihrem Schulabschluss schlug sie den Weg in die höhere Beamtenlaufbahn ein und wurde Fingerabdruckexpertin bei der niederländischen Kriminalpolizei. Nebenbei schrieb sie für die Mitarbeiterzeitung Rezensionen und Hintergrundberichte zur Kinder- und Jugendliteratur. Durch ihre Erfahrungen mit jugendlichen Opfern und Tätern begann sie die Geschichten hinter den brutalen und oftmals tragischen Verbrechen aufzuschreiben und die Motive dieser Taten zu beleuchten. Unter dem Motto 'Lesen ist Wissen, Wissen ist Erkennen, Erkennen ist Vorbeugen' avancierte sie mit ihren Büchern zu einer der erfolgreichsten und renommiertesten Autorinnen der Niederlande. Ihre Bücher, in denen Vreeswijk fiktive Elemente mit realen Erfahrungen aus ihrer Zeit bei der Kriminalpolizei zu hochspannenden und brisanten Thrillern verbindet wurden vielfach ausgezeichnet. Helen Vreeswijk ist im Oktober 2016 im Alter von 55 Jahren verstorben.

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1
Mit unzufriedener Miene musterte Lisa ihr Spiegelbild. Heute ging alles schief. Sie hatte einen neuen Pickel neben der Nase entdeckt und ihre Lieblingsbluse war anscheinend eingelaufen: Sie zwickte unter den Achseln. Ihre Jeans schlotterte ihr um die Beine und zu allem Überfluss sahen ihre Haare unmöglich aus. Sie fluchte leise und zog sich zum vierten Mal das Zopfgummi aus dem Haar. Wie ein schwerer Vorhang fielen ihr die langen pechschwarzen Haare über die schmalen Schultern. »Schrecklich …«, murmelte sie. »Mit dem Pferdeschwanz sehe ich aus wie zehn. Vielleicht sollte ich sie besser hochstecken oder …« »Lisa … Lisa!«, rief Frau Aldra von unten. »Beeil dich bitte! Sonst kommst du wieder zu spät zur Schule. Jeden Tag das gleiche Theater! Ich werde noch verrückt bei dem Getrödel!« »Es ist auch nicht leicht, etwas Gescheites in meinem Kleiderschrank zu finden«, brüllte Lisa zurück. »Und mit dieser blöden Frisur kann man auch nichts anfangen.« Sie warf die Bürste aufs Bett, verließ mit großen Schritten ihr Schlafzimmer und donnerte die Treppe hinunter. »Deine Haare sind wunderschön, und was deine Kleidung betrifft –« »… die ist aus dem letzten Jahrtausend!«, beendete Lisa den Satz. Sie lehnte sich an den Türrahmen und sah ihre Mutter herausfordernd an. »Ich höre schon«, seufzte Frau Aldra. »Du hast eine miese Laune. Schlecht geschlafen?« »Das hat damit nichts zu tun. Guck doch selber. Ich sehe doch nicht aus wie eine Fünfzehnjährige!« »Du siehst ordentlich aus.« »Ich will aber nicht ordentlich aussehen. Ordentlich sein ist out. Ich möchte auffallen und coole Klamotten tragen. Jeans mit Rissen, ein Nabelpiercing oder einen Ring durch die Braue wie Sonja.« Frau Aldra lachte. »Kommt gar nicht infrage.« Sie schob eine Plastikbox über die Anrichte. »Was ist das?« »Deine Pausenbrote natürlich. Die Brottüten sind alle, deshalb habe ich dir die Brote in die Butterbrotdose gepackt.« »Eine Butterbrotdose?« Lisas Stimme überschlug sich. »Ich bin doch kein kleines Kind mehr! Gib mir lieber fünf Euro, dann hole ich mir was in der Kantine.« »Hör mal, Lisa, das ist viel zu teuer!« »Teuer, teuer … Dir ist immer alles zu teuer!«, meckerte Lisa, während sie sich die Plastikbox schnappte. Ungehalten zog sie den Reißverschluss ihres Rucksacks auf und stopfte sie hinein. »Wir haben nun mal nicht so viel Geld«, antwortete ihre Mutter ruhig. »Du weißt, dass ich alles allein verdienen muss. Aber so schlimm ist es auch nicht! Du übertreibst mal wieder. Es geht uns nicht schlecht.« »Ach nein?«, rief Lisa verbittert. »Guck doch mal, wie du aussiehst. Dieses Kleid ist bestimmt schon hundert Jahre alt. Du kleidest dich schon seit Ewigkeiten nicht mehr modisch. Vielleicht ist das auch der Grund, warum du keinen Mann abkriegst!« Frau Aldra streckte den Rücken und sah ihre Tochter traurig an. Ihre Stimme wurde kühl. »Ich glaube, es ist besser, wenn du jetzt in die Schule gehst.« »Das glaube ich auch«, schnaubte Lisa. Sie warf sich den Rucksack über die Schulter und eilte aus der Küche. Mit einem lauten Knall schlug sie die Haustür hinter sich zu. Lisa fühlte sich mies. Die letzte Bemerkung hätte sie besser nicht machen sollen, aber es war ihr einfach rausgerutscht. Sie hatte andauernd Streit mit ihrer Mutter, die sie von Tag zu Tag mehr nervte. Sie vermisste ihren Vater so schrecklich! Seit er in diesem Hochhaus in Amsterdam wohnte, sah sie ihn nur noch selten. Er hatte ständig Affären und schon vier Mal seine Familie wegen einer anderen Frau verlassen. Und jedes Mal war er einige Monate später wieder zurückgekommen. Nach Frau Nummer fünf war ihr Vater nicht länger willkommen gewesen. Lisa hatte ihre Mutter angefleht, sich wieder mit ihm zu versöhnen, aber ihre Mutter war unerbittlich: Sie ließ ihn nicht mehr ins Haus. Durch die sture Haltung ihrer Mutter änderte sich alles. Ihr Vater weigerte sich, Unterhalt zu zahlen, und ihre Mutter musste eine Stelle bei der Bahn annehmen. Lisa seufzte tief. Ihre Mutter arbeitete nachts, damit sie tagsüber zu Hause sein konnte. Sie schlief bis in den Nachmittag hinein und nach dem Abendessen ging sie zur Arbeit. Dann war Lisa mit ihrem elfjährigen Bruder Bart allein. Lisa war der Meinung, dass ihr Leben nur noch darin bestand, zur Schule zu gehen, Hausaufgaben zu machen und auf ihren Bruder aufzupassen. Für Vergnügen war kaum noch Zeit. Ihre Mutter hätte ihrem Vater einfach verzeihen sollen. Er wäre doch wieder zurückgekommen … Sie hätte ihren dämlichen Stolz überwinden sollen, wenigstens für ihre Kinder. Langsam fuhr Lisa auf den Schulhof. Sie stellte ihr Rad in den Fahrradständer, ging über den leeren Platz und betrat das Gebäude. Lisa klopfte an die Tür des Sekretariats und Frau de Vries sah von ihrer Schreibarbeit auf. Automatisch glitten ihre Augen zur Uhr über der Tür. »Lisa Aldra … Sonst sehe ich dich nie und nun zum zweiten Mal in dieser Woche. Warum kommst du so spät?« Mit gleichgültiger Miene zuckte Lisa mit den Schultern. »Einfach so …« »Nun, dann hast du dich diesmal selbst übertroffen. Mehr als zwanzig Minuten zu spät … Gibst du mir mal deine Schülerkarte?« Lisa holte die Karte aus ihrer Jackentasche und schob sie der Frau hin. Die Frau machte einen Stempel auf ein leeres Feld. »Das ist dein zweiter roter Stempel. Du weißt: Bei drei Stempeln musst du an einem freien Nachmittag nachsitzen.« Mit einem säuerlichen Lächeln griff Lisa nach der Karte. »Ich weiß«, sagte sie folgsam. Die Pause hatte begonnen. Die Schüler des Sankt-Maarten-Gymnasiums standen in kleinen Gruppen auf dem Schulhof zusammen. Lisa und Kelly saßen mit dem Rücken zur Hofmauer und teilten sich eine Dose Cola. »Und was sagte deine Mutter dann?«, wollte Kelly zwischen zwei Schlucken wissen. »Nichts.« »Nichts? Verrückt, meine Mutter würde total ausflippen. Aber sie flippt bei jeder Kleinigkeit aus. Zumindest wenn sie zu Hause ist.« Lisa zog spöttisch ihre Augenbrauen hoch. »Kleinigkeit? Geld aus ihrem Portemonnaie klauen nenn ich keine …« Den Rest des Satzes schluckte sie runter, als sie Fatiha mit ihren zwei Freundinnen im Gefolge auf sie zukommen sah. »Da kommt dieser Schreihals«, warnte sie Kelly. Kelly folgte ihrem Blick, und als sie die Mädchen sah, lächelte sie. »Fatiha ist ganz nett.« »Für mich ist sie eine Schleimerin«, zischte Lisa durch die Zähne. »Wie geht’s, Mädels? Ich habe euch gesucht!«, sagte Fatiha, während sie ein paar tiefe Züge von ihrer Zigarette nahm. »Es ist langweilig, aber wir sind nach wie vor am Leben«, antwortete Kelly. Lisa schwieg und sah an den Mädchen vorbei auf den Schulhof. »Zigarette?« Ohne eine Antwort abzuwarten, warf sie den beiden eine Zigarette in den Schoß. Lisa schüttelte den Kopf und hielt die Zigarette in die Luft. »Ich rauche nicht«, sagte sie schroff. »Habt ihr Lust, heute Nachmittag mit in die Stadt zu gehen? Bisschen die Sau rauslassen, bisschen shoppen?«, fragte Fatiha, während sie die abgelehnte Zigarette zurück in die Packung steckte. »Ja, toll!«, rief Kelly und knuffte Lisa begeistert in die Seite. »Haben wir was zum Lachen!« Lisa schüttelte den Kopf. »Ich habe kein Geld. Geh du allein.« »He, sei nicht albern. Wenn du nicht gehst, gehe ich auch nicht«, erwiderte Kelly. »Komm, sei kein Spielverderber!« »Hast du denn Geld? Ich dachte, dass du nach dieser Sache mit dem Geldbeutel schon seit Wochen kein Taschengeld mehr bekommst«, antwortete Lisa. »Ja, äh … da musst du aber jetzt nicht drauf rumreiten«, gab Kelly zurück. Genervt zündete sie sich die Zigarette an und inhalierte tief. »Du brauchst doch gar kein Geld«, kicherte Fatiha, während sie bedeutsam in die Runde guckte. »Ich bringe meistens etwas Hübsches mit nach Hause, ohne einen Euro dafür zu bezahlen.« »Reden wir hier von Klauen?«, fragte Lisa argwöhnisch. »Wow!« Kellys Augen glitzerten und voller Ehrfurcht sah sie zu Fatiha hoch. »Wir kommen mit«, entschied sie. »Jesus, Kelly! Da mach ich echt nicht mit!«, rief Lisa. Sie sah Fatiha böse an. »Mensch, was meckerst du denn so? Wir schauen doch nur, wie sie es tun. Wir gehen mit!« Provozierend blies Kelly ihrer Freundin den beißenden Rauch ins Gesicht. Die fächelte genervt den Rauch weg und stimmte widerwillig zu. »Okay, aber nur gucken.« Lisa wusste ganz genau, was Fatiha im Schilde führte. Sie wollte ihr die beste Freundin abspenstig machen. Und um Eindruck zu schinden, dachte sich diese Zicke jede Menge coole Geschichten über Stehlen, Rauchen und Jungs aus, damit sie, Lisa, wie ein Weichei dastand. Aber Kelly war ihre Freundin … Sie würde ihr schon zeigen, dass Fatihas Geschichten alle erfunden waren. Es läutete zum Ende der Pause und die Schüler kamen langsam in Bewegung. Nach der Schule radelten Lisa, Kelly, Fatiha und Jasmin in die Stadt. Sie stellten die Räder in einer Seitengasse ab. »Wir gehen in das große Kaufhaus. Da sind immer viele Leute, aber wenig Personal. Dort wird man nie geschnappt«, behauptete Fatiha. »Geschnappt?« Darüber hatte Lisa sich noch keine Gedanken gemacht, Kelly anscheinend auch nicht. Sie sah Kelly von der Seite an, aber die hatte nur noch Augen für Fatiha. Aufgeregt trippelte sie hinter Fatiha her. Vor dem Kaufhaus blieben die Mädchen stehen. »Was wollt ihr haben?«, fragte Fatiha. »Nagellack, Lidschatten, Lippenstift?« »Nichts«, blockte Lisa ab. Warnend sah sie Kelly an. »So war es...


Helen Vreeswijk wurde 1961 in Den Haag geboren. Nach ihrem Schulabschluss schlug sie den Weg in die höhere Beamtenlaufbahn ein und wurde Fingerabdruckexpertin bei der niederländischen Kriminalpolizei. Nebenbei schrieb sie für die Mitarbeiterzeitung Rezensionen und Hintergrundberichte zur Kinder- und Jugendliteratur.
Durch ihre Erfahrungen mit jugendlichen Opfern und Tätern begann sie die Geschichten hinter den brutalen und oftmals tragischen Verbrechen aufzuschreiben und die Motive dieser Taten zu beleuchten. Unter dem Motto "Lesen ist Wissen, Wissen ist Erkennen, Erkennen ist Vorbeugen" avancierte sie mit ihren Büchern zu einer der erfolgreichsten und renommiertesten Autorinnen der Niederlande. Ihre Bücher, in denen Vreeswijk fiktive Elemente mit realen Erfahrungen aus ihrer Zeit bei der Kriminalpolizei zu hochspannenden und brisanten Thrillern verbindet wurden vielfach ausgezeichnet.
Helen Vreeswijk ist im Oktober 2016 im Alter von 55 Jahren verstorben.



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