E-Book, Deutsch, 450 Seiten, Web PDF
Wagner / Schildbach / Schneider Private und öffentliche Rechnungslegung
1. Auflage 2009
ISBN: 978-3-8349-8093-9
Verlag: Betriebswirtschaftlicher Verlag Gabler
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
E-Book, Deutsch, 450 Seiten, Web PDF
Reihe: Business and Economics (German Language)
ISBN: 978-3-8349-8093-9
Verlag: Betriebswirtschaftlicher Verlag Gabler
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
In der Festschrift zu Ehren des 65. Geburtstags von Prof. Dr. Hannes Streim werden diese aktuellen Entwicklungen aufgegriffen, diskutiert und kritisch gewürdigt. Darüber hinaus enthält der Band Beiträge zur Subprime-Hypothekenkrise, Rechnungslegung von Fraktionen des Deutschen Bundestags, Ermittlung der Kosten eines Studienplatzes sowie Corporate Governance-Fragen.
Das Autorenspektrum der insgesamt 21 Beiträge setzt sich aus hervorragenden nationalen und internationalen Fachvertretern aus Wissenschaft und Praxis zusammen.
Zielgruppe
Professional/practitioner
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Empirische Wirkungen einer Rechnungslegung nach IFRS.- Stand und Perspektiven der Lageberichterstattung.- Managementtheorien und Management öffentlicher Verwaltungen — Public Management.- A Comparison of Government Accounting and Business Accounting.- Unternehmenswert-Orientierung in Rechnungslegung, Value Reporting und Controlling.- Auswirkungen von Steuer- und Bilanzreform auf rechnungslegungspolitische Entscheidungsmodelle.- Bilanzrechtsregulierung: Auf der ewigen Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau.- Gestaltungspotenzial bei der Bilanzierung von Pensionsverpflichtungen nach IFRS und US-GAAP.- Die Sicherung von Auslandsbeteiligungen gegen Währungsverluste im handelsrechtlichen Jahresabschluss.- Die Wechselwirkung von Rechnungslegungsstandards, Informationsverarbeitung und Corporate Governance — Das Beispiel der Accrual Anomaly.- Unternehmensführung und Ethik — Ausrichtung auf den Kapitalmanager oder den verantwortungsvollen Unternehmer?.- International Governmental Accounting Research.- Berichterstattung über immaterielle Werte mittels monetärer Größen.- Fair Value-Bilanzierung und Ergebnisspaltung.- Zu Definition und Ermittlung der Kosten eines Studienplatzes.- Subprime Hypothekenkrise und Rechnungslegung.- Wider Zahlengläubigkeit bei der Informationsfunktion des Jahresabschlusses.- Normierung der Rechnungslegung und „Bilanzrechtsmodernisierung“.- Die Rechnungslegung der Fraktionen des Deutschen Bundestages.- Warum die Umkehrmaßgeblichkeit bisher notwendig war und nun dem Shareholder-Value zum Opfer fällt.- Die Geisterbahnfahrer von Bullshit Castle.
Die Wechselwirkung von Rechnungslegungsstandards, Informationsverarbeitung und Corporate Governance – Das Beispiel der Accrual Anomaly (S. 201-202)
Prof. Dr. Christoph Kaserer
Prof. Dr. Leonhard Knoll
Dr. Carmen Klingler
Dipl.-Kfm. Bernhard Gegenfurtner
1 Einleitung
Die Informationsfunktion der Rechnungslegung ist bis heute eines der zentralen Forschungsthemen des Jubilars Hannes Streim. Er gehörte zu jenen, die bereits frühzeitig den Informationswert von Fair-Value-orientierten Rechnungslegungsstandards einer kritischen Überprüfung unterzogen haben1 und um eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Informationswirkungen internationaler Rechnungslegung bemüht waren.
Dabei gehörte Hannes Streim zu den wenigen Autoren, die sich um eine ökonomisch differenzierte Beurteilung von „true and fair view"-Rechnungslegungssystemen, wie etwa die IFRS, im Vergleich zu konservativen Systemen, wie etwa die HGB-Bilanzierung, bemüht haben. Gerade die Erfahrung, die man hierzulande mit der zunächst freiwilligen und seit 2005 für bestimmte Unternehmen zwingenden Einführung der IFRS gemacht hat, zeigt wie richtig er mit seinen Einschätzungen lag. Es ist das Anliegen dieses Beitrages zu zeigen, dass die von vielen Autoren implizit unterstellte Hypothese, mit der Einführung der IFRS – und auch der freiwilligen Anwendung von US-GAAP – in Deutschland würde sich der Informationswert von Jahresabschlüssen deutlich verbessern, keineswegs eindeutig belegt werden kann.
Im Gegensatz dazu werden hier Befunde präsentiert, die sogar auf eine Reduktion dieses Informationswertes hindeuten. Wie später noch ausführlich begründet wird, ist dieses Ergebnis bei genauerer Betrachtung gar nicht so überraschend. Man weiß nämlich aus der theoretischen Accounting- Literatur, dass „true and fair view"-Rechnungslegungssysteme ihre Informationsvorteile daraus beziehen, dass in diesen auch schwer zu verifizierende Infor mationen verarbeitet werden. Ein Beispiel hierfür ist etwa die Ermittlung von Zeitwerten bei nicht sekundärmarktgehandelten Vermögenswerten.3 Demgegenüber schließen konservative Rechnungslegungssysteme die Verarbeitung solcher Informationen weitgehend aus, sie beruhen stattdessen sehr stark auf leicht verifizierbaren Informationen, insbesondere wenn es um die Aufdeckung von Gewinnen geht.
Das Vorsichts- und Realisationsprinzip resultieren aus dieser Perspektive. ,Der Informationswert eines „true and fair view"-Jahresabschlusses hängt damit notwendigerweise davon ab, inwieweit das Management des Unternehmens die ihm zugedachten Bilanzierungsspielräume tatsächlich dafür nutzt, um private Informationen über die wirtschaftliche und finanzielle Lage des Unternehmens zu transportieren, die im Rahmen eines konservativen Rechnungslegungssystems nicht hätten transportiert werden können.
Da das Management seine bilanzpolitischen Entscheidungen innerhalb eines Rahmens, der durch das Rechts- und Corporate-Governance-System vorgegeben wird, eigennützig ausüben wird, kann gemutmaßt werden, dass der Informationswert von „true and fair view"-Jahresabschlüssen in starkem Maße vom herrschenden System der Unternehmenskontrolle beeinflusst wird. Daher könnte es durchaus sein, dass die Informationswirkungen von internationalen Rechnungslegungsvorschriften in Deutschland andere sind als in jenen Ländern, aus denen diese Rechnungslegungssysteme kommen.
Um diese Wechselwirkungen zwischen dem Rechnungslegungsstandard, dem Informationsgehalt eines Jahresabschlusses und dem System der Unternehmenskontrolle einer empirischen Betrachtungen unterziehen zu können, wählen wir in diesem Beitrag die Studie von Richard Sloan aus dem Jahr 1996 als Ausgangspunkt. , In dieser Studie wurde gezeigt, dass der bilanzielle Gewinn wesentlich besser durch den zahlungswirksamen Gewinnbestandteil (Cashflow) der Vorperiode erklärt wird als dies durch die zahlungsunwirksamen Bestandteile (Accruals) möglich ist. Der Kapitalmarkt scheint jedoch diese unterschiedliche Prognosekraft (Persistenz) der Gewinnkomponenten nicht unverzerrt in den Kursen der Aktien zu reflektieren.
Wie Sloan (1996) gezeigt hat, überschätzt der Kapitalmarkt die Persistenz von Gewinnänderungen, die auf Accrual- Komponenten zurückzuführen sind, und unterschätzt die Persistenz von Gewinnänderungen, die auf die Veränderung Cashflow-wirksamer Komponenten zurückzuführen ist.




