E-Book, Deutsch, 172 Seiten
Wilkes Frauen führen besser!
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-86867-689-1
Verlag: KVM
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Wenn sie sich trauen authentisch zu sein
E-Book, Deutsch, 172 Seiten
ISBN: 978-3-86867-689-1
Verlag: KVM
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Henrike Wilkes beschreibt auf anschauliche Art und Weise, wie man sich als Führungspersönlichkeit entwickeln kann und dabei authentisch bleiben darf. Sie gewährt einen Einblick in ihren beruflichen Werdegang, gibt mit überraschender Offenheit ihre eigenen Erfahrungen preis und verschweigt auch nicht die vielen Höhen und Tiefen auf ihrem Weg. Insbesondere (dienst-)junge Frauen möchte sie darin bestärken, Zutrauen zu sich selbst zu entwickeln, mutig zu sein und authentisch zu bleiben – egal, in welchem beruflichen Kontext.
Henrike Wilkes liefert eine Vielzahl hilfreicher Ideen und Denkansätze, sich selbst zu reflektieren, für die Führungskarriere passende Vorbilder zu erkennen und die eigene Persönlichkeitsentwicklung voranzutreiben. Eine sehr unkonventionelle, aber äußerst effektive Methode ist dabei das Coaching mit Pferden, dessen sie sich in ihrer eigenen Weiterentwicklung bedient und das sie auch in der Arbeit mit ihren Coachees einsetzt.
Zum guten Ende der wichtigste Hinweis für all diejenigen mit Führungsambitionen: Das Arbeiten in einer Führungsposition sollte letztlich erfüllend sein und Freude bereiten!
Autoren/Hrsg.
Fachgebiete
Weitere Infos & Material
Kapitel 1. Frauen in Führungspositionen – immer noch nicht selbstverständlich?!
- Die Entwicklung der Rolle der Frau in der Berufswelt
- Frauenteilhabe an Führungspositionen
Kapitel 2. Warum Führung?
- Macht oder Leadership?
- Was eine gute Führungskraft ausmacht
- Sich selbst führen können
Kapitel 3. Schritt für Schritt zur Führungskraft
- Bewirb Dich – mit Mut und Selbstvertrauen!
- Der nächste Karriereschritt – vom Potenzialkandidaten zur Führungskraft
Kapitel 4. Von der Führungskraft zur Führungspersönlichkeit
- Den eigenen Führungsstil entwickeln und authentisch bleiben
- Intuition und Mut – einfach mal machen
- Auf Stärken bauen
- Meine Eigenschaften als Führungspersönlichkeit
- Inspiration durch Vorbilder
Kapitel 5. Frauen führen besser …
… wenn sie authentisch sind!
… wenn sie sich an mutige Vorbilder wie Pippi Langstrumpf halten
… wenn sie ihre Authentizität schulen – Pferde können dabei helfen
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Warum Führung?
Führung ist mehr als nur Anerkennung, Ruhm und Ehre, sie bedeutet auch Tränen, Schweiß und harte Arbeit. Warum sind Führungspositionen so erstrebenswert, sodass man viel Investment auf der einen Seite und Verzicht auf der anderen Seite auf sich nimmt? Ist es Macht oder Anerkennung oder das winkende üppige Gehalt? Diese Fragen habe ich mir nie gestellt – ich habe einfach den Weg verfolgt, der richtig für mich schien. Heutzutage stelle ich diese Frage jedoch jedem meiner Schützlinge, der sich in Richtung Führungskraft entwickeln möchte. Auch mich selbst hinterfrage ich inzwischen dazu regelmäßig, um zu überprüfen, ob ich noch aus den „richtigen“ Motiven handele. Macht oder Leadership?
Chefsein ist cool. So denken viele und, wenn ich ehrlich bin, ist es das auch, aber nicht nur. Es gibt viele Dinge, die ich in meinem Chefinnendasein als cool und erstrebenswert angesehen habe. Zum Beispiel, dass man Aufmerksamkeit bekommt – ziemlich viel Aufmerksamkeit mitunter. Aber nicht nur positive Aufmerksamkeit – und da fängt das Problem schon an. Zu jeder positiven Seite des Führungskräftedaseins gibt es eine negative beziehungsweise nicht so glänzende Seite. Aber der Reihe nach … Aufmerksamkeit Zurück zu den positiven Dingen, die man weitläufig mit dem Führungskräftedasein verbindet. Aufmerksamkeit – man steht im Mittelpunkt und dies kann, insbesondre wenn frau in einer männerdominierten Arbeitswelt unterwegs ist, ganz schön herausstechen. Da steht frau plötzlich und wird beachtet, und zwar in einem beruflichen Umfeld, was etwas anderes ist als die Bewunderung in der Privatsphäre. Allerdings muss frau als Führungskraft damit umgehen können, beachtet zu werden. Sie braucht dazu ein gewisses Selbstvertrauen. Denn aus Beachtung wird leicht Beobachtung und dann habe zumindest ich immer angefangen, darüber nachzudenken, was in aller Welt an mir beobachtet werden könnte: Sitzt meine Kleidung, mein Make-up, verhalte ich mich adäquat, was denken die anderen von mir? Hier können sich schnell Selbstzweifel breitmachen und dann muss damit adäquat umgegangen werden. Anerkennung, Ruhm und Ehre Als Nächstes kommen Anerkennung, Ruhm und Ehre. Ich kann nicht sagen, dass ich es nicht genossen habe, von meinen Vorgesetzten, meist Mitgliedern der Geschäftsleitung oder gar Vorständen, vor versammelter Mannschaft für gute Leistungen gelobt zu werden. In solchen Momenten bin ich gefühlt drei Meter gewachsen und mein Selbstvertrauen hat sich enorm gesteigert. Es ist unheimlich genugtuend, sich feiern zu lassen und nach dem eigenen Erfolgsrezept gefragt zu werden. Dies ist eine offensichtliche Tatsache: Jeder erzählt gerne von sich und spricht über seine Erfahrungen, seinen Rat, seine Vita. Mir geht es jedenfalls so, und wenn ich mich an private und berufliche Small Talks erinnere, geht es den meisten Menschen genauso. Jemand erzählt in kleiner Runde, was er oder sie gerade erlebt hat, aber die wenigsten Zuhörer fragen nach und wollen es genauer wissen. Der größte Teil der Menschen antwortet auf die Erzählung mit einer eigenen Erzählung, die mehr oder weniger im selben inhaltlichen Zusammenhang steht, aber die gehörte Geschichte noch übertrifft. Manchmal bin ich mir vorgekommen wie in einem Wettstreit für Geschichtenerzähler, bei dem jeder, während der andere noch erzählt, bereits überlegt, welche Geschichte er selbst zum Besten geben kann, die die anderen Geschichten vom WOW-Faktor her überbietet. Denn das ist es: Man möchte Anerkennung bekommen, am besten begleitet mit den Worten: „Wow, das ist Dir gelungen, das hast Du erlebt? Wie hast Du das denn gemacht? Das ist ja was ganz Besonderes!“ Wer würde sich da nicht gut und wertgeschätzt fühlen? Ich fühle mich jedenfalls gut dabei, insbesondre wenn es um meine beruflichen Erfolge geht, denn die habe ich mir hart erarbeitet. Macht Während man Anerkennung als Führungskraft und leistungsstarker Mitarbeiter erhalten kann, ist Macht etwas, was hauptsächlich mit Führungspositionen in Zusammenhang gebracht wird. Ich kann mich nicht davon freisprechen, es zu genießen, eine gewisse Macht zu haben. Insbesondre die Macht, Entscheidungen zu treffen, die man für richtig hält und durch die man sich eine positive Entwicklung seines Verantwortungsbereichs verspricht. Diese Art von Macht bezeichne ich jedoch lieber als Verantwortung oder Entscheidungsbefugnis, nicht als Macht. Macht hat für mich immer den Beigeschmack von Willkür und sich über andere zu erheben. Das ist etwas, was in der Führung und im Management nichts zu suchen hat. Mit Macht verbindet man weitläufig ein Verhalten, das Entscheidungen einfach verfügt, weil man es als Chef kann, aber meist ohne tiefere Motivation und ohne Verantwortungsbewusstsein für seine Handlungen. Leadership Der Unterschied zwischen Macht und Leadership ist genau dieser: Der Machtsüchtige möchte „bestimmen“, seine Ideen und Meinungen durchsetzen, koste es, was es wolle, Hauptsache der eigene Name steht gut leserlich darüber. Der Leader hingegen ist sich der Tragweite seiner Handlungen und Entscheidungen bewusst und mutig genug, diese umzusetzen. In der Politik kann man zahlreiche Beispiele für diese beiden Typen und die ganze Bandbreite dazwischen finden. Nehmen wir beispielsweise zwei der ehemaligen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Barack Obama und Donald Trump. Man muss nicht tief einsteigen, um zu erkennen, dass die Führungsstile dieser beiden Personen ziemlich unterschiedlich sind. Während Donald Trump gefühlt alles darangesetzt hat, seine Macht zu demonstrieren, hatte man bei Obama eher das Gefühl, dass er sich weniger für sich selbst und seine Außenwirkung interessiert als für das, was er für sein Land erreichen wollte. Donald Trump kam in einem Moment der gefühlten Unsicherheit und Krise an die Macht, setzte sich selbst als Retter der Nation in Szene und brach dazu gezielt mit den geltenden Gepflogenheiten der Demokratie in Amerika. Sein Führungsstil kann als populistisch bezeichnet werden, mit einer starken Führer-Gefolgschaft-Beziehung. Es stellte sich immer wieder die Frage, wie viel Strategie und Taktik sein Führungsstil enthielt oder ob Impulsivität und Unberechenbarkeit einen Großteil seines Handelns prägte. Ein Grund hierfür könnte sein maximales Streben nach Anerkennung gewesen sein, welches offenbar bereits sein Vater hatte.8 Verlässlichkeit und Integrität Impulsives, unberechenbares Handeln sollte eine gute Führungspersönlichkeit auf jeden Fall nicht ausmachen. Verlässlichkeit und Integrität sind vielmehr Eigenschaften, die eine gute Führungspersönlichkeit auszeichnen und auf deren Basis Vertrauen aufgebaut werden kann. Macht – das falsche Motiv Das unbedingte Streben nach Macht und Anerkennung ist für mich das falsche Motiv, einen Führungsposten zu bekleiden. Vielmehr sollte der Dienstleistungsgedanke im Vordergrund stehen. Viele Gespräche mit aufstrebenden Führungskräften haben mir gezeigt, dass dieses – ich nenne es mal „negative“ – Verständnis von Macht oft dominiert. Der Wunsch nach Anerkennung und Entscheidungsgewalt ist groß, aber über die Tragweite der Handlungen wird nicht nachgedacht. Hauptsache, der eigene Name steht in goldenen Lettern auf der Tür eines hoch repräsentativen Büros – natürlich mit Vorzimmer und entsprechender Dame. Na gut, so deutlich hat es niemand formuliert, aber zwischen den Zeilen habe ich es doch lesen können. Macht hat viel mit Statussymbolen zu tun. Ich selbst gehöre der Generation X an, bin ein paar Jahre zu alt für die Generation Y, die mit den in meiner Zeit typischen Statussymbolen nicht mehr allzu viel anfangen kann. In meiner Generation, aber insbesondre in der Generation meiner Eltern, waren materielle Statussymbole, wie Dienstwagen, großes Eckbüro, möglichst weit oben im Gebäude mit gutem Ausblick und Hochflor-Teppich, noch wichtig. Natürlich hat man sich außerdem an der Anzahl der Mitarbeiter, die man „unter sich“ hat, sowie an der Existenz von Sekretariat, Assistenz usw. gemessen. Wer es ins Chefbüro geschafft hatte, der war etwas, egal wie gut oder schlecht oder wie zeitgemäß er oder sie führen konnte. Noch heute erfahre ich von Angehörigen der „älteren“ Generation große Anerkennung, wenn ich über die Größe meiner Abteilung spreche oder die Tatsache, dass ich eine Sekretärin habe. Nur solche Dinge scheinen wichtig zu sein, um beurteilen zu können, ob ich es in meiner Karriere weit gebracht habe. Weniger interessiert man sich inhaltlich für meinen Job oder für das, was es an Schattenseiten gibt. Mir ist es mittlerweile fast peinlich zu sagen, dass ich gewisse Tätigkeiten durch mein Sekretariat erledigen lasse – Kaffeekochen und Kopieren...