E-Book, Deutsch, 220 Seiten, Web PDF
Mewes Ungleiche Netzwerke - Vernetzte Ungleichheit
1. Auflage 2010
ISBN: 978-3-531-92301-7
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Persönliche Beziehungen im Kontext von Bildung und Status
E-Book, Deutsch, 220 Seiten, Web PDF
Reihe: Humanities, Social Science (German Language)
ISBN: 978-3-531-92301-7
Verlag: VS Verlag für Sozialwissenschaften
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Zielgruppe
Professional/practitioner
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Soziologische Theorien persönlicher Beziehungen.- Soziale Ungleichheit und persönliche Beziehungen.- Soziologische Netzwerkanalyse.- Hypothesen.- Operationalisierung und Daten.- Empirische Analysen.- Resümee und Ausblick.
5 Hypothesen (S. 91-92)
In den beiden vorherigen Kapiteln wurden verschiedene theoretische Ansätze in Bezug auf den Zusammenhang zwischen Schichtzugehörigkeit und der Strukturierung persönlicher Netzwerke vorgestellt und diskutiert. Die dabei entwickelten Annahmen werden im Folgenden in forschungsleitende Hypothesen überführt. Zunächst formuliere ich Hypothesen im Hinblick auf globale Parameter persönlicher Netzwerke. Gemeint sind damit „mathematisch-quantitative Strukturbeschreibungen“ (Diewald 1991: 68) über alle in einem Netzwerk vereinigten Beziehungen hinweg.
Dabei wird es um die Frage gehen, wie sich die Schichtzugehörigkeit – in der empirischen Untersuchung operationalisiert anhand des Bildungsniveaus und des beruflichen Status – auf Merkmale wie Netzwerkgröße, -dichte, -multiplexität, -reichweite und –kontakthäufigkeit auswirkt. In einem nächsten Schritt wird der Fokus von der globalen Ebene persönlicher Netzwerke auf die subjektiven Faktoren ungleicher Netzwerkstrukturen verschoben. Zum Abschluss werden Hypothesen in Bezug auf die konkreten Entstehungskontexte von persönlichen Beziehungen entwickelt.
Zur Begründung der einzelnen Hypothesen werde ich in gebotener Kürze Argumente in Stellung bringen, die aus den theoretischen Kapiteln abgeleitet sind. Da vermutet werden kann, dass einige der im Folgenden skizzierten Zusammenhänge Konsequenzen für mehrere Dimensionen persönlicher Netzwerke haben, werde ich – um unnötige Redundanz zu vermeiden – gegebenenfalls auf bereits genannte Punkte der Hypothesenbildung verweisen. Die nachfolgend dargelegten Argumente, welche für die jeweilige Arbeitshypothese sprechen, sind mit eckigen Klammern markiert.
(1) In Bezug auf die Größe persönlicher Netzwerke vermute ich sowohl einen direkten als auch einen indirekten Effekt der Schichtzugehörigkeit. Vor allem aus der Perspektive der Affekttheorie des sozialen Austauschs kann vermutet werden, dass eine längere Verweildauer im Bildungssystem die Chance vergrößert, persönliche Kontakte zu knüpfen (direkter Bildungseffekt) [1.a]. Zugleich legitimieren hochwertige Bildungszertifikate der Migrationstheorie von Hoffmann-Nowotny zufolge höhere Ansprüche auf die Verfügbarkeit begehrter und knapper sozialer Ressourcen.
Daher ist zu vermuten, dass höher Gebildete vergleichsweise mobiler sind, um diesen Ansprüchen Folge leisten zu können. Räumliche bzw. residentielle Mobilität erhöht wiederum die Wahrscheinlichkeit dass bereits bestehende Kontakte seltener aktualisiert werden und neue Beziehungen am neuen Wohnort geknüpft werden. Vor allem die Häufigkeit von Kontakten zu Verwandten wie Eltern, Geschwister etc. dürfte unter den Bedingungen von Wohnortwechseln gemindert sein (indirekter Schichteffekt) [1.b].




