E-Book, Deutsch, 320 Seiten
Emmrich / Oomen Dr. med. Wilhelm Heinrich Schüßler
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-95883-553-5
Verlag: Fischer & Gann
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Arzt aus Leidenschaft - Die Biografie
E-Book, Deutsch, 320 Seiten
ISBN: 978-3-95883-553-5
Verlag: Fischer & Gann
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Peter Emmrich ist Diplom-Biologe, Chemiker und Facharzt für Allgemeinmedizin mit den Zusatzbezeichnungen Homöopathie, Naturheilverfahren, Akupunktur, Sportmedizin, Manuelle Medizin und Palliativmedizin. Er führt in Pforzheim eine Hausarztpraxis und hat einen Lehrauftrag für Allgemeinmedizin an der Universität Tübingen. Als Präsident des Europäischen Naturheilbundes e.V., Vizepräsident des Zentralverbandes der Ärzte für Naturheilverfahren und Regulationsmedizin e. V. (ZAEN) und Vorstandsmitglied der Hufelandgesellschaft e. V. befasst er sich seit Jahren intensiv mit natürlichen Heilverfahren und biologischer Medizin. Prof. Dr. Gert Oomen, geb. 1941, ist Historiker und außerordentliches Mitglied bei der 'Göttinger Gesellschaft homöopathischer Ärzte' und der 'Freunde der Göttinger Homöopathie e.V.' Zusammen mit Peter Emmrich leitet er die Veranstaltungen 'Klinische Homöopathie' in Tübingen. Verschiedene Publikationen zu Hahnemann und seinen Nachfolgern in der 'Zeitschrift für Klassische Homöopathie'.
Autoren/Hrsg.
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3 | DAS ALTE STÜRZT – DAS NEUE BRICHT SICH BAHN
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BERNHARD VON CHARTRES († nach 1124) |
»EIN WENDEPUNKT FÜR DIE ÄRZTESCHAFT« – mit diesen Worten charakterisierte K. BENEKE112 die Bedeutung der 29. »Versammlung der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Ärzte« in Wiesbaden im Jahre 1852. Genau 776 Teilnehmer, mit Ausnahme der Stiftsdame von Auer aus Wiesbaden der Zeit entsprechend ausschließlich Männer113, fanden sich am Morgen des 18. September im Kurhaus von Wiesbaden ein. Im Unterschied zu den vorhergehenden Versammlungen war diese also nach dem Revolutionsjahr 1848 wieder außerordentlich gut besucht, ein deutliches »geistiges Symbol von der Einheit des deutschen Volkes«114. Begrüßt wurden die Teilnehmer von dem ersten Geschäftsführer Prof. Dr. FRESENIUS mit den Worten:
Dieser Tatendrang, verbunden mit der Hoffnung auf die Zukunft, fand nicht nur in der erstaunlich großen Zahl der Teilnehmer seine Bestätigung, sondern auch in dem breiten beruflichen und gesellschaftlichen Spektrum. Neben Ärzten, Professoren, Apothekern und Pfarrern waren auf dieser Tagung u. a. auch Gastwirte, Kaufleute, Weinhändler, Hüttenwirte und ein Artillerieoffizier ebenso wie ein Hauptmann oder General, ein Buchhalter, Forstassistent oder Handschuhmacher, Gutsbesitzer und Geheimer Hofrath anwesend. Sie kamen aus allen Ländern Deutschlands und den europäischen Staaten wie Holland, Frankreich, Irland oder England. Ganz offensichtlich hatte die Begeisterung für die neueren Entwicklungen in den Naturwissenschaften alle Bevölkerungsschichten erfasst, und man scheute offenbar keine Mühen und Kosten, um sich darüber aus erster Hand informieren zu lassen.
Allein die Fahrt nach Wiesbaden bedeutete in der damaligen Zeit für die meisten Teilnehmer eine mehrtägige Reise. Die Eisenbahnstrecken waren zum großen Teil noch im Bau. Wer zum Beispiel aus dem eigentlich naheliegenden Raum um Stuttgart nach Wiesbaden reisen wollte, kam mit dem Zug lediglich bis Heilbronn. Die restliche Wegstrecke musste er mit einer Pferdekutsche zurücklegen.
Probleme gab es mit Sicherheit auch bei der Suche nach einigermaßen preiswerten Unterkünften. Wiesbaden mit seinen ungefähr 15.000 Einwohnern verfügte nur über ein begrenztes Angebot an Zimmern, die vermietet wurden. Mit Erfolg hatten sich daher die Geschäftsführer bei der Taunuseisenbahn um eine kostenlose Beförderung der Teilnehmer von Wiesbaden nach Biebrich und Frankfurt bemüht, wo das Zimmerkontingent sicherlich größer war. Angesichts der nicht unerheblichen zeitlichen und finanziellen Belastungen empfahl LORENZ OKEN, Gründer der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte, nicht ohne Grund allen Interessierten schon 1823, ihre Teilnahme an den Versammlungen »als eine Ferienreise, eine Erholung von den jährlichen Arbeiten«116 aufzufassen.
Diese Versammlung hätte einen ähnlichen Ablauf wie alle vorhergehenden Zusammenkünfte genommen, wären die Teilnehmer nicht mit dem Vorschlag des Arztes FRIEDRICH WILHELM BENEKE (1824–1882) konfrontiert worden, über die Gründung eines »Verein[s] für gemeinschaftliche Arbeiten zur Förderung der wissenschaftlichen Heilkunde« abzustimmen. Als Begründung für diesen Antrag führte Dr. JULIUS VOGEL (1814–1880), Direktor der inneren Klinik in Gießen, Professor für spezielle Pathologie und Therapie und früherer Lehrer von BENEKE, in der Sitzung der »VI. Section für Medicin, Chirurgie und Geburthilfe« am 17. September an:
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Es ist unzweifelhaft, dass VOGEL mit den »trefflichen Arbeiten« die Publikation von BENEKE meinte, die nur kurz zuvor erschienen war unter dem Titel:
Die Resonanz auf seinen Vorschlag war zunächst verhalten, und man beschloss, darüber in einer besonderen Sitzung, die drei Tage später stattfinden sollte, weiter zu beraten. Am 20. September konstituierte sich der Verein; wiederum drei Tage später wurde das Programm den Gründungsmitgliedern vorgestellt, in dem es u. a. heißt:
Nicht zu Unrecht wird diese Tagung als Wendepunkt für die Ärzteschaft charakterisiert, »indem hier die Gegensätze von alter und neuer Zeit, von Theorie und Praxis aufeinanderprallen«120. Gleich in der ersten Ausgabe der Vereinszeitschrift erläuterte VOGEL unter dem Titel: »Was wir wollen?« nochmals detailliert die Ziele des Vereins:
Seit dieser Tagung, auf der FRIEDRICH WILHELM BENEKE die Gründung eines »Verein[s] für gemeinschaftliche Arbeiten zur Förderung der wissenschaftlichen Heilkunde« forderte, stand auch für die Ärzte die Bedeutung der Naturwissenschaften für die praktische Medizin endgültig im Vordergrund. Die Forderungen, die MEZLER schon Jahrzehnte zuvor erhoben hatte und die von Onken intensiv weiter gefördert worden waren, fanden jetzt endlich allgemeine Anerkennung.
BENEKE war nicht nur der Initiator, sondern er übernahm zugleich auch die geschäftliche und wissenschaftliche Leitung. Sein Gründungsaufruf war eine Kampfansage an die Vertreter der Naturphilosophie, genauer gesagt an deren Vorstellung einer Lebenskraft, ein Begriff, der – seiner Ansicht nach – ihre Unwissenheit nur allzu deutlich widerspiegelte. Innerhalb weniger Jahre erklärten...




